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Kritik am BundChaos bei der Commerzbank: Drei weitere Aufsichtsräte werfen hin – Diese vier neuen ziehen ein

Mehrere Kontrolleure begründen ihren Rückzug mit der Rolle des Bundes. Für frischen Wind soll nun unter anderem Versicherungsmanager Burkhard Keese sorgen.Andreas Kröner 01.04.2021 - 20:09 Uhr aktualisiert Artikel anhören

„Ich bin froh, dass diese Aktivisten, die uns ständig erzählen wollten, wie man eine deutsche Bank führt, künftig keine große Rolle mehr spielen“, sagt Commerzbank-Aufsichtsratsmitglied Stefan Wittmann.

Foto: dpa

Frankfurt. Chaostage statt vorösterlicher Ruhe: Bei der Commerzbank werfen nach den Rücktritten von Hans-Jörg Vetter und Andreas Schmitz drei weitere Aufsichtsratsmitglieder hin. Victoria Ossadnik, Rainer Hillebrand und Tobias Guldimann begründeten ihren Rücktritt mit der dominanten Rolle des Großaktionärs Bund, wie mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt sagten.

Deutschlands zweitgrößte Privatbank hat jedoch bereits neue Kandidaten gefunden. Frank Westhoff, Daniela Mattheus und Caroline Seifert sollen in das Kontrollgremium gewählt werden, teilte die Bank am Donnerstagabend mit und bestätigte damit einen Exklusivbericht des Handelsblatts.

Mit dem Versand der Einladung zur Hauptversammlung, die nun voraussichtlich am 18. Mai stattfinden soll, will die Bank auch einen vierten Kandidaten nennen, dessen Namen sie aktuell „aus formalen Gründen“ noch nicht preisgeben will. Finanzkreisen zufolge handelt es sich dabei um Burkhard Keese, den Finanzchef des Versicherungskonzerns Lloyd's of London.

  • Burkhard Keese ist der prominenteste Zugang. Vor seinem Wechsel nach London arbeitete er als Finanzchef für Allianz Deutschland und kennt aus dieser Zeit auch den heutigen Commerzbank-Chef Manfred Knof.
  • Caroline Seifert ist Unternehmensberaterin für Transformation. Zuvor hat sie viele Jahre für die Deutsche Telekom und das indische Mobilfunkunternehmen Jio gearbeitet.
  • Frank Westhoff war von 2006 bis 2017 Risikovorstand der DZ Bank. Zuvor war er unter anderem mehr als ein Jahrzehnt für die Deutsche Bank tätig.
  • Daniela Mattheus ist Rechtsanwältin und Managing Partner bei der Beratungsfirma ECBE. Zudem sitzt sie im Aufsichtsrat der Autobahn GmbH des Bundes. Zuvor war sie Partnerin beim Wirtschaftsprüfer EY.

Bereits am Sonntagabend hatte die Commerzbank mitgeteilt, dass der ehemalige DZ-Bank-Chefkontrolleur Helmut Gottschalk neuer Aufsichtsratschef werden soll. Kandidaten, die der US-Finanzinvestor und Commerzbank-Aktionär Cerberus vorgeschlagen hat, wurden damit erneut nicht berücksichtigt.

Die scheidenden Aufsichtsräte Ossadnik, Hillebrand und Guldimann erklärten Insidern zufolge in ihren Rücktrittserklärungen, sie hätten das Gefühl, dass ihnen der Bund nicht mehr vertraue. Zudem bemängelten sie eine fehlende Diskussionskultur unter den Kapitalvertretern im Commerzbank-Aufsichtsrat.

Die Commerzbank, das Finanzministerium und die Finanzagentur, die den Anteil der Bundesregierung an der Commerzbank verwaltet, wollten sich zu dem Thema nicht äußern.

Der Bund hält nach der staatlichen Rettung der Bank in der Finanzkrise gut 15 Prozent am Frankfurter Institut und ist damit größter Aktionär. Im Aufsichtsrat vertreten Jutta Dönges, die Co-Chefin der Finanzagentur, und der ehemalige KfW-Manager Frank Czichowski die Interessen der Bundesregierung.

Rufe nach einem Ausstieg des Staats werden lauter

Investoren, Politiker und Experten kritisierten die Turbulenzen im Aufsichtsrat scharf. Die Personaldebatten kämen zur Unzeit, sagte der CDU-Finanzexperte Sepp Müller. Er fordert, dass der Staat bei der Commerzbank schnellstmöglich aussteigt. „Eine privatwirtschaftlich organisierte Bank muss auch privatwirtschaftlich geführt werden. Die jetzigen Querelen sprechen ihre eigene Sprache.“

Der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler sieht das ähnlich. „Der Bund muss sich jetzt endlich über ein Ausstiegsszenario klar werden“, sagt er. „Die Zeiten werden nicht besser.“

Für das Frankfurter Geldhaus ist das Stühlerücken im Aufsichtsrat auch deshalb fatal, weil wegen des bevorstehenden Umbaus des Instituts ohnehin große Unsicherheit herrscht. Vorstandschef Manfred Knof will bis 2024 10.000 Stellen streichen und die Eigenkapitalrendite so auf sieben Prozent heben.

Investoren und Experten finden die Querelen im Aufsichtsrat schädlich. „Das zeigt einmal mehr, dass der Bund sich aus der Beteiligung zurückziehen sollte“, erklärte Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität. „Dies hätte schon längst erfolgen müssen, denn die öffentliche Hand befördert nicht die Sanierung der Bank, sondern behindert diese.“

Ein Investor erklärte, der Staat sei als Ankeraktionär in der aktuellen Lage ein stabilisierendes Element. „Auf absehbare Zeit sollte sich der Bund aber verabschieden. Es wäre gut, wenn die Bank perspektivisch ohne staatlichen Einfluss agieren könnte.“

Auch andere Aktionäre sehen die Rolle des Bunds bei der Commerzbank zunehmend kritisch. Dass es im Aufsichtsrat zu Wechseln komme und mehrere altgediente Mitglieder ausscheiden, könne durchaus positiv sein und für frischen Wind sorgen, sagte ein anderer Investor. Die Art und Weise der Rücktritte und die Außenwirkung seien jedoch katastrophal.

Viele Aktionäre haben schon länger den Eindruck, dass am Ende des Tages der Bund entscheidet, was passiert. „Die Bank ist zum Spielball der Politik geworden“, sagt ein weiterer Investor.

Andere Beteiligte weisen diese Darstellung zurück. Sie betonen, dass der Bund lediglich 15,6 und nicht mehr als 50 Prozent an der Bank halte. Die beiden Vertreter des Staates könnten im Aufsichtsrat zudem jederzeit überstimmt werden.

CDU fordert eine Erklärung von Finanzminister Olaf Scholz

„Selbstverständlich hat der Bund als großer Aktionär auch seine Interessen zu vertreten“, sagt CDU-Finanzexperte Müller. Gleichzeitig müssten sich die Vertreter des Staates jedoch um ein gutes Miteinander im Aufsichtsrat bemühen. „Sollten die Vorwürfe und Anklagen stimmen, dass die Bundesregierung über ihre Vertreter eine Disharmonie in das Aufsichtsgremium bringen, dann müssen sich Staatssekretär Jörg Kukies und Finanzminister Olaf Scholz im Finanzausschuss umgehend erklären“, fordert Müller.

FDP-Finanzexperte Schäffler findet den Aderlass im Aufsichtsrat besorgniserregend. Dass der Bund nach der Rettung der Bank in der Finanzkrise so lange an seiner Beteiligung festhält, ist aus seiner Sicht ein Fehler. „Das hat viele Investoren verschreckt und die notwendige Neuaufstellung der Commerzbank verschleppt.“

Das Finanzministerium hat mehrfach betont, es achte die Zuständigkeiten der Organe und nehme keinen Einfluss auf geschäftspolitische Entscheidungen der Commerzbank. Nichtsdestotrotz hat man in Berlin natürlich die Klagen von Bankenaufsehern und großen Anteilseignern am Kurs der Commerzbank registriert.

Um für neue Impulse zu sorgen, installierte der Bund vor einem Jahr mit Dönges und Czichowski zwei neue Aufsichtsräte.

Zudem hat die Finanzagentur die Commerzbank von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group durchleuchten lassen. Das dabei entstanden Gutachten hat der Bund aus Sicht vieler Commerzbank-Manager genutzt, um bei der Diskussion über die neue Strategie wesentliche strategische Pflöcke einzuschlagen. Finanzstaatssekretär Kukies hat dagegen betont, die Entwicklung der Strategie sei alleine die Aufgabe des Vorstands.

Erbitterter Streit über Rückzug von Andreas Schmitz

Die Rücktritte von Ossadnik, Hillebrand und Guldimann , über die zuerst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet hatte, hängen auch mit dem Rückzug von Andreas Schmitz vergangene Woche zusammen.

Hintergrund für den Rücktritt von Schmitz war Insidern zufolge die Tatsache, dass er bereits seit Jahren als Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Köln wegen möglicher Cum-Ex-Geschäfte bei HSBC Deutschland geführt wird.

Dönges, Czichowski und andere Vertreter der Kapitalseite sprachen sich deshalb dagegen aus, dass Schmitz auf der anstehenden Hauptversammlung in das Kontrollgremium gewählt wird. Seit Anfang 2021 war der ehemalige Deutschlandchef von HSBC lediglich als gerichtlich bestellter Nachrücker Mitglied des Aufsichtsrats.

Ossadnik und Hillebrand machten sich dagegen vergangene Woche Insidern zufolge für Schmitz stark und betonten, für ihn müsse die Unschuldsvermutung gelten. Schmitz selbst und die Commerzbank äußerten sich dazu nicht. Ossadnik zieht im April in den Vorstand des Energiekonzern Eon ein, in dessen Aufsichtsrat Schmitz sitzt.

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Der Schweizer Tobias Guldimann legt sein Mandat ebenso wie Ossadnik und Hillebrand zum Ablauf der nächsten Hauptversammlung nieder. Er ist seit 2017 Mitglied im Kontrollgremium der Commerzbank und war dort bis zuletzt Vorsitzender des Prüfungsausschusses. Guldimann hat von 1986 bis 2013 für Credit Suisse gearbeitet und genießt bei Investoren einen guten Ruf. Nach dem Rücktritt von Stefan Schmittmann war er im vergangenen Sommer sogar als Aufsichtsratschef im Gespräch.

Die Vertreter des Bundes machten sich damals jedoch für eine externe Lösung stark. Am Ende fiel die Wahl auf den ehemaligen LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter. Dieser war vor einem Monat dann überraschend aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Übergangsweise wird das Gremium seitdem von Betriebsratschef Uwe Tschäge geleitet.

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