Volksbanken: Union-Investment-Chef kritisiert „Heckenschützen“ in seiner Gruppe
Frankfurt. Nach den breiten öffentlichen Diskussionen zur Rettung mehrerer genossenschaftlicher Banken hat Hans Joachim Reinke, scheidender Chef der Fondsgesellschaft Union Investment, die – wie er es nannte – „Heckenschützen“ in seiner Finanzgruppe kritisiert. Die Äußerungen fielen am Donnerstag bei einem Treffen der Genobanken in Berlin, das von den aktuellen Stützungsfällen im Sektor überschattet wurde.
„Wir sollten nicht irgendwelche Heckenschützen, die unser Nest – und das sind wir selber – beschmutzen, auch hier immer dulden“, sagte Reinke, dessen Fondsgesellschaft zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehört. „Sondern wir sollten zusammenstehen in Solidarität.“
Offenbar stört sich Reinke an den vielen prominenten Wortmeldungen aus der Gruppe zu den Stützungsfällen. Auf Nachfrage von Bloomberg sagte Reinke, die „Heckenschützen“ würden die genossenschaftliche Organisation und ihren Verband BVR beschädigen.
Insgesamt, so Reinke am Donnerstag in Berlin, sei die Gruppe gut unterwegs, was sich etwa in der Geschäftsentwicklung und den Ratings zeige. „98 Prozent der 670 Banken machen da draußen einen sensationellen Job“, erklärte Reinke mit Bezug auf die genossenschaftlichen Institute in Deutschland. „Warum sprechen wir dann über die zwei Prozent?“
Die bekanntgewordenen Schieflagen betreffen insgesamt vier Banken. Sie wurden von der gemeinsamen Sicherungseinrichtung des Genosektors gestützt, was in der Presse für viele negative Schlagzeilen sorgte. Jetzt soll die Institutssicherung reformiert werden.
Bei der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden gab es Wertberichtigungsbedarf bei Krediten, Immobilien und Beteiligungen. Die Volksbank Dortmund-Nordwest geriet wegen Immobilienfonds in Schieflage. Die Volksbank Düsseldorf Neuss sah sich nach „betrügerischen Machenschaften“ einer Forderung von 100 Millionen Euro ausgesetzt. Und die Raiffeisenbank im Hochtaunus geriet wohl wegen Immobilienkrediten in Schieflage.
Reinke gibt im April 2026 den Vorsitz bei Union Investment ab. Ihm nachfolgen soll Vorstand André Haagmann. Der 62-jährige Reinke führt die Fondsgesellschaft der DZ Bank seit eineinhalb Jahrzehnten. Davor hatte der Manager Führungspositionen im Privatkundengeschäft inne. Zu Union Investment war er 1991 gekommen.