Avana: Staatsanwaltschaft klagt zwei Münchener Fondsmanager wegen Cum-Ex-Geschäften an
Die Fondsfirma Avana residierte in München und war allenfalls Insidern ein Begriff.
Foto: dpaKöln. Anklage im Cum-Ex-Skandal: Die Staatsanwaltschaft München I will zwei Manager der Fondsfirma Avana vor Gericht bringen. Am 31. Oktober hat die Behörde wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung dem Landgericht München I die Anklage vorgelegt.
Die Anklage richtet sich gegen die beiden früheren Geschäftsführer Götz K. und Thomas U. Zusammen hatten die beiden Avana 2009 gegründet und geleitet. Zu den Vorwürfen erklärten die Verteidiger der beiden Fondsmanager: „Wir möchten die Vorwürfe derzeit nicht kommentieren.“
Die Staatsanwaltschaft konkretisierte die Vorwürfe. „Den Angeschuldigten wird gemeinschaftliche Steuerhinterziehung in vier Fällen betreffend die Kapitalertragsteuer in den Jahren 2009 und 2010 mittels sogenannter Cum-Ex-Aktiengeschäften vorgeworfen“, teilte sie mit. Hierdurch seien Kapitalertragsteuern in Höhe von rund 343 Millionen Euro verkürzt worden – mit einem entsprechenden Schaden für die Allgemeinheit.
Der Fall Avana ist einer der größten Cum-Ex-Fälle Deutschlands. Bei den Geschäften handelten Banken und Investoren Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividende. Wirtschaftlich waren die Deals sinnlos, allerdings gelang es den Beteiligten einige Jahre lang, sich eine nur einmal gezahlte Kapitalertragsteuer doppelt oder gar mehrfach erstatten zu lassen.
Seit rund zehn Jahren laufen die umfangreichen Ermittlungen in diesem außergewöhnlichen Fall. Die Steuerfahndung München führte dazu 229 Ermittlungsbände. Schwierig gestaltete sich die Aufklärung, weil es sehr aufwendig war, die Aktiendeals zu rekonstruieren. Erst im Laufe des Ermittlungsverfahrens erklärten sich einzelne Beschuldigte zu Aussagen bereit. So konnte die Sache bis zur Anklage vorangetrieben werden.
Die Fondsfirma Avana residierte am Thierschplatz im Münchener Lehel und war allenfalls Insidern ein Begriff. Doch in der Cum-Ex-Szene war das Unternehmen eine Größe. Avana konzipierte in erster Linie Fonds, mit denen sich schwerreiche Privatanleger und institutionelle Investoren wie die Valovis Bank am Cum-Ex-Geschäft beteiligten. Ihnen wurden höhere zweistellige Renditen in nur wenigen Monaten in Aussicht gestellt.
Dem Handelsblatt liegen zum Fall Avana zahlreiche Mails, interne Dokumente und Protokolle vor. Sie gewähren tiefe Einblicke in die Cum-Ex-Geschäfte von Avana und zeigen, wie aggressiv die Fondsfirma diese betrieben hat. „WICHTIG: Unsere Partner sollen nicht so viel quatschen! Jeder bekommt genug! Keine Krähe muss der anderen ein Auge aushacken! Klappe halten!“, heißt es etwa in einer internen Avana-Präsentation zu den Aktiendeals. Laut Staatsanwaltschaft erhielten K. und U. für ihren Tatbeitrag einen Anteil an der Tatbeute in Höhe von jeweils rund 16 Millionen Euro.
Im Avana-Komplex hat die Staatsanwaltschaft München zunächst 89 Personen als Beschuldigte geführt, darunter auch zahlreiche Banker von beteiligten Finanzinstituten. So fungierte die Caceis Bank, eine Tochter der französischen Großbank Crédit Agricole, als Depotbank. Über sie lief dann das Erstattungsverfahren. Von Caceis verlangte das Finanzamt zwischenzeitlich die Rückzahlung der Steuern – samt Zinsen inzwischen weit mehr als 300 Millionen Euro.
Caceis hat deshalb ehemalige Geschäftspartner auf Schadenersatz verklagt. In der Klageschrift zum anhängigen Zivilrechtsverfahren nennt sie die Ex-Partner „Drahtzieher“, „Hintermänner“ und „Nutznießer der Steuererstattungen“.
Geschäftspartner selbst vor Gericht
Die Deals funktionierten nicht allein mit dem Eigenkapital der Investoren. Deshalb waren Banken notwendig, die hohe Kredite gewährten. Das Fremdkapital steuerte unter anderem die US-Investmentbank Merrill Lynch bei.
Als Portfoliomanager schaltete Avana die Firmen Duet Asset Management und Zeta Financial Partners aus London ein. Sie waren dafür zuständig, die Geschäfte zu arrangieren. Zwei ehemalige Duet-Chefs sitzen seit einigen Monaten wegen ähnlicher Geschäfte mit der Varengold Bank auf der Anklagebank des Landgerichts Bonn.
Bekannt ist, dass der bereits rechtskräftig verurteilte Steueranwalt Hanno Berger für Avana tätig war. Zusammen mit den Fonds-Verantwortlichen und anderen Beteiligten schuf Berger nach den Feststellungen der Finanzbehörden ein komplexes und vielschichtiges Unternehmens- und Transaktionsgeflecht für illegale Geschäfte.
Aus Bergers Feder stammte auch ein Gutachten, das die Cum-Ex-Fonds von Avana für rechtmäßig erklärte. Zur Verteidigung taugt dieses Gutachten heute nicht mehr.