Larry Fink: Blackrock-Chef im Interview: „Was ist so magisch an zwei Prozent Inflation?“
Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock fürchtet, dass sich die hohen Inflationsraten zum strukturellen Problem entwickelt haben.
Foto: Johnny Milano für HandelsblattParis. Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, stellt sich auf dauerhaft höhere Inflationsraten ein. „Ist die Inflation vorübergehend oder eher strukturell? Ich neige dazu zu glauben, dass sie strukturell ist“, sagte Fink in einem Interview mit dem Handelsblatt und drei weiteren europäischen Zeitungen.
Fink warnte die großen Notenbanken vor zu restriktiven Maßnahmen im Kampf gegen die Teuerung. Das Stabilitätsziel von zwei Prozent, das die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank verfolgen, sei kein Wert an sich, vor allem wenn es mit einer noch tieferen Rezession erkauft werden müsste.
Fink spricht im Interview auch über die Wirkung der westlichen Sanktionen gegen Russland, warum Gas als Energiequelle „uns noch 100 Jahre begleiten wird“ und darüber, dass das Homeoffice nach der Pandemie keine Dauerlösung sein kann: „Wenn das so wäre, wäre es eine Katastrophe.“
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Herr Fink, wie sehen Sie den Zustand der Weltwirtschaft?
Wir befinden uns in unsicheren Zeiten, und in Europa gibt es wahrscheinlich mehr Unsicherheit als in den Vereinigten Staaten. China scheint sich in der schlechtesten wirtschaftlichen Lage der vergangenen 20 Jahre zu befinden. Wir stehen vor geopolitischen Risiken, die wir seit 30 Jahren nicht mehr gesehen haben. Russlands Invasion in der Ukraine zeigt, dass wir den Wert der Friedensdividende nach dem Fall der Berliner Mauer wohl unterschätzt haben. Die Weltwirtschaft könnte eine harte Landung erleben. Aber ich glaube nicht, dass die Rezession ein Fünf-Jahres-Problem sein wird.