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Schaden- und Unfallversicherung Versicherungsbranche macht in Coronakrise hohe Gewinne – kämpft aber zugleich mit einem Imageproblem

Während der Pandemie profitieren viele Versicherer von geringeren Schadenaufwendungen. Doch der Streit um Betriebsschließungsversicherungen hält weiter an.
26.05.2021 - 17:13 Uhr Kommentieren
Während der Corona-Pandemie gab es häufig Streit um Betriebsschließungsversicherungen. Quelle: imago images/Ralph Peters
Abgesperrte Stühle und Tische vor einem geschlossenen Restaurant

Während der Corona-Pandemie gab es häufig Streit um Betriebsschließungsversicherungen.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Frankfurt Das erste Jahr der Corona-Pandemie haben die deutschen Schaden- und Unfallversicherer gut überstanden. Durch geringere Schadenaufwendungen in einigen Sparten konnte die Branche den versicherungstechnischen Gewinn 2020 steigern.

Belastungen gab es allerdings im Bereich der Betriebsschließungen. Hier kam es häufig zum Streit darüber, ob die Versicherung leisten muss oder nicht. „Obwohl die Rechtsprechung bisher mehrheitlich aufseiten der Versicherer steht, ist der Imageschaden für die Branche groß“, sagt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator für die Schaden- und Unfallversicherung bei der Ratingagentur Assekurata, bei der Vorstellung eines aktuellen Marktausblicks für die Branche.

Demnach steht auch das Jahr 2021 im Zeichen der Pandemiebekämpfung. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Lockdowns dürften Assekurata zufolge erneut vor allem Industrie- und Gewerbeversicherer treffen, während sie im Privatkundengeschäft deutlich geringer zu spüren sein werden.

Insgesamt prognostiziert Assekurata, dass die Schaden- und Unfallversicherer ihre Prämieneinnahmen im laufenden Jahr um rund 2,5 Prozent steigern werden, vor allem weil die wirtschaftliche Dynamik im zweiten Halbjahr zunehmen dürfte. Da sich die pandemiebedingten Rückgänge auf der Schadenseite weiter fortsetzen dürften, könnte die Branche auch 2021 hohe Gewinne machen.

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    Bereits im vergangenen Jahr steigerten die Schaden- und Unfallversicherer ihre Prämieneinnahmen um 2,1 Prozent auf 74,8 Milliarden Euro. Das Plus lag zwar unter dem Mittel der vergangenen zehn Jahre. Viele Versicherer profitierten aber von geringeren Schadenaufwendungen.

    Geringere Mobilität führt zu weniger Unfällen

    Hier kamen ihnen zwei Punkte zugute: „Die pandemiebedingt verringerte Mobilität hat zu einem deutlichen Rückgang von Verkehrs-, Sport- und Freizeitunfällen geführt“, sagt Wittkamp.

    Zugleich sind die Elementarschäden gering ausgefallen. Laut Versichererverband GDV schlugen Naturgefahren im vergangenen Jahr für die Versicherer bundesweit mit insgesamt knapp zwei Milliarden Euro zu Buche. Die Schäden blieben damit deutlich unter dem prognostizierten Wert von 3,8 Milliarden Euro. „Das lag vor allem daran, dass schwere Hagelereignisse und im Herbst schwere Stürme ausgeblieben sind“, erklärt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

    Grafik

    Dadurch konnten die Schaden- und Unfallversicherer den versicherungstechnischen Gewinn im Geschäftsjahr 2020 von 5,2 Milliarden auf 7,4 Milliarden Euro steigern, wie Assekurata berichtet. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote sank auf rund 90 Prozent, was im Mehrjahresdurchschnitt einen sehr guten Wert darstellt.

    In der Kfz-Versicherung droht ein Preiswettbewerb

    Insbesondere die Kfz-Versicherung zeigte sich ertragreicher als in der Vergangenheit. Assekurata-Experte Wittmann hält daher einen Preiswettbewerb für möglich: „Die Schadenentwicklung eröffnet Raum für marktweite Beitragssenkungen.“ Durch Beitragsrückerstattungen für 2020 sinke zudem das Beitragsniveau für die kommende Wechselsaison.

    Profiteure der Pandemie seien auch die Anbieter von Cyberversicherungen. „Die Verbreitung der mobilen Arbeit, aber auch die Zunahme von Schäden haben hier dafür gesorgt, dass sich viele Unternehmen stärker mit ihren IT-Risiken auseinandergesetzt und sich zeitnah um Versicherungsschutz gekümmert haben“, sagt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.

    Schadenseitig wirke sich die Pandemie negativ aus. „Der deutliche Anstieg an Schäden führte dazu, dass immer weniger Versicherer die Prämieneinnahmen als auskömmlich erachten“, betont Will. Deshalb dürften die Beiträge in diesem Jahr wohl merklich steigen.

    Zudem beobachtet Will sehr unterschiedliche Leistungsversprechen in den Tarifen, gerade im Bereich der Betriebsunterbrechung. Die Versicherer müssten aufpassen, dass sie bei einem größeren Schadenereignis nicht ähnliche Probleme bekommen wie die Anbieter von Betriebsschließungspolicen.

    In der Betriebsschließungs- und der Kreditversicherung sowie der Rechtsschutz- und Veranstaltungsausfallversicherung sehen die Experten denn auch die größten Herausforderungen. Viele Gerichtsverfahren zu Betriebsschließungsversicherungen sind noch nicht abgeschlossen. Wichtig für die Zukunft sei, so Wittkamp, dass die Versicherungsbedingungen in dem Bereich deutlich transparenter werden.

    Mehr: Darüber beschweren sich die Versicherungskunden in der Coronakrise.

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