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Verbraucher Check24, Verivox, Biallo: So nutzen Sie Vergleichsportale am geschicktesten

Viele Internetnutzer vergleichen vor dem Abschluss von Versicherungen, Kontoverträgen und Stromtarifen die Preise auf Onlineportalen. Auf welche Punkte sie dabei achten sollten.
15.05.2021 - 11:31 Uhr Kommentieren
Die bekanntesten Anbieter wie Check24 und Verivox sind branchenübergreifend tätig. Quelle: dpa
Vergleichsportal

Die bekanntesten Anbieter wie Check24 und Verivox sind branchenübergreifend tätig.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Berlin Die Einführung eines neutralen Vergleichsportals für Bankgebühren fordert die Bundesregierung weiter heraus. Laut Vorgaben der EU muss Deutschland ein Onlineportal anbieten, auf dem Verbraucher kostenlos die Entgelte der Banken für Überweisungen, Daueraufträge oder Bargeldabhebungen vergleichen können. Doch die Umsetzung stockt.

Die Probleme rund um die Einführung dieses Portals verdeutlichen, in welchem Spannungsfeld sich Vergleichsportale befinden. Einerseits versprechen sie Verbrauchern den besten Tarif für Kredite, Versicherungen, Mobilfunk- und DSL-Verträge, Hotels, Flüge oder die Stromversorgung – schnell und übersichtlich aufbereitet.

Andererseits stehen sie regelmäßig in der Kritik. Verbraucherschützer prangern häufig die aus ihrer Sicht mangelnde Neutralität an. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, sagt: „Vergleichsportale im Internet können für Verbraucher ein wichtiges Werkzeug sein. Viele Plattformen liefern auch zutreffende und seriöse Informationen.“ Dennoch sei Vorsicht geboten, denn „nicht immer kommen Ranglisten nach objektiven Kriterien zustande“.

Der folgende Überblick zeigt, welche Vergleichsportale es gibt und was Verbraucher bei ihrer Nutzung beachten sollten.

1. Das ist der Stand beim neutralen Vergleichsportal für Bankentgelte

Nach den gesetzlichen Vorgaben sollen Bankkunden Zugang zu einer unabhängigen und kostenlosen Internetseite zum Vergleich von Girokontokosten erhalten.

Doch die Entwicklung des Vergleichsportals zieht sich länger hin als gedacht. Zunächst hatte sich das Vergleichsportal Check24, Marktführer unter den kommerziellen Anbietern, der langwierigen Prüfungsprozedur unterzogen und den Vergleich im vergangenen Jahr angeboten.

Obwohl Check24 die gesetzlichen Vorgaben erfüllte, klagte der Verbraucherzentrale Bundesverband gegen das Portal. Der Bankenmarkt werde durch den Vergleich unzureichend abgedeckt, lautete die Begründung. Daraufhin stellte Check24 den Vergleich ein.

Dann wollte das Bundesfinanzministerium die staatliche Finanzaufsicht Bafin beauftragen, ein Vergleichsportal zu organisieren. Doch bei der parlamentarischen Beratung des entsprechenden Gesetzentwurfs machte die Union vor wenigen Tagen deutlich, dass sie nichts von dem Vorschlag hält.

Jetzt muss sich die nächste Regierung nach der Bundestagswahl im September um eine Lösung für das Problem „Vergleichsportal“ bemühen. In der Zwischenzeit bietet Stiftung Warentest den Vergleich der Kontogebühren kostenlos an.

2. Diese Vergleichsportale können Verbraucher nutzen

Es gibt hierzulande bereits eine Vielzahl von Vergleichsportalen, von denen einige nur Produkt- und Tarifvergleiche in bestimmten Branchen anbieten. Die bekanntesten Portale wie Check24 und Verivox sind aber branchenübergreifend tätig. Sogenannte Meta-Vergleichsportale wie etwa Vergleichen.de aggregieren zudem die Ergebnisse verschiedener Anbieter. In der Regel handelt es sich um kommerzielle Vergleichsportale, die von privaten Unternehmen betrieben werden.

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Eine besondere Bedeutung haben Vergleichsportale im Bereich der Finanzdienstleistungen, auf denen Verbraucher nach kostenlosen Girokonten, Tagesgeld- und Kreditkonditionen oder Versicherungen suchen können. Neben Check24 und Verivox sind zahlreiche andere Anbieter auf diesem Gebiet tätig, darunter Biallo, Finanzen.de, Financescout24, FMH-Finanzberatung, Preisvergleich.de, Finanzcheck und Smava.

Smava konzentriert sich beispielsweise auf den Kreditvergleich, die meisten anderen Portale sind breiter aufgestellt. Bei Biallo steht die Informationen von Verbrauchern im Vordergrund. „Wir verstehen uns nicht als Vergleichsportal, sondern sind ein Verbraucherportal mit mehr als 10.000 kostenlosen Artikeln“, erklärt Geschäftsführer Horst Biallo.

Die Portale unterscheiden sich laut einer Studie von Ibi Research an der Universität Regensburg auch dadurch, ob sie einen eigenen Vergleichsrechner nutzen oder ob sie einen fremden Rechner als White-Label-Lösung auf ihrer Webseite integriert haben. Die 36 Vergleichsportale zu Ratenkrediten, die die Forscher im vergangenen Jahr untersucht haben, verwenden nur elf verschiedene Vergleichsrechner. Drei Portale verwenden eine Mischung aus eigenem und fremdem Vergleichsrechner. Verbraucher können also nicht so viele unterschiedliche Vergleiche nutzen, wie es auf den ersten Blick scheint.

Auch hinsichtlich der angebotenen Zusatzservices wie etwa einer persönlichen Beratung per E-Mail oder Telefon gibt es Unterschiede.

3. Das sind die Vorteile von Vergleichsportalen für Verbraucher

Vergleichsportale sind vor allem als Informationsquelle sinnvoll. Bei vielen Produkten gibt es zahlreiche Anbieter und noch mehr Tarife. Verivox beispielsweise listet laut eigenen Angaben rund 29.000 Tarife auf seiner Webseite. Vergleichsportale können dabei helfen, eine Vorauswahl zu treffen und den Suchaufwand für Verbraucher zu verringern.

Kunden stoßen so manchmal auf Anbieter, die sie ohne die Portale nicht in ihre Auswahl einbezogen hätten. Vergleichsportale tragen dazu bei, dass viele Verbraucher überhaupt prüfen, ob sich ein Wechsel ihrer Verträge lohnen könnte.

Durch die einfachen Vergleichsmöglichkeiten entsteht mehr Wettbewerb zwischen den Produktanbietern, was tendenziell zu niedrigeren Preisen führen könnte. Es gibt aber auch Untersuchungen, die das Gegenteil zeigen: Teilweise führen die Gebühren, die die Produktanbieter an die Portale abgeben müssen, auch zu hören Preisen für die Endkunden.

4. Provisionen und Werbung: So finanzieren sich die Vergleichsportale

Vergleichsportale agieren als Vermittler zwischen Kunden und Produktanbietern – und müssen dies auch kenntlich machen. Vor allem für kleinere Anbieter sind Vergleichsportale ein wichtiger Vertriebskanal, um bei Kunden sichtbar zu werden.

Laut der Ibi-Research-Studie gibt es verschiedene Ertragsquellen, die die Portale auch miteinander kombinieren: Provisionen, Werbung und Listungsgebühren. Die Haupteinnahmequelle sind der Studie zufolge dabei Provisionen.

Manche Portale leiten die Kunden per sogenanntem Affiliate-Link an die Produktanbieter weiter. Dabei wird ein Besucher eines Portals, der auf einen entsprechenden Affiliate-Link klickt, auf die Webseite des Produktanbieters weitergeleitet – im Gegenzug erhält das Portal eine Vermittlungsprovision.

Bei anderen Portalen ist der Abschluss direkt auf der Seite möglich. Im Rahmen von bezahlten Anzeigen erscheinen Anbieter bei manchen Vergleichsportalen im Ranking ganz oben oder werden besonders hervorgehoben. Die Transparenz, mit denen die Portale ihre Abhängigkeit von Provisionszahlungen kommunizieren, variiert.

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Aufgrund der Ertragsstruktur wird den Portalen oft vorgeworfen, dass sie nicht neutral seien. Die FMH-Finanzberatung betont aber beispielsweise, dass sie von den Banken für die Listung ihres Angebots einen kleinen Obulus von etwa 100 Euro pro Produkt monatlich bekommt. Somit könne die notwenige Unabhängigkeit gewährleistet werden, erklärt Inhaber Max Herbst. Zudem erhält die FMH von den meisten Banken für die Weiterleitung von Kundenanfragen „eine geringe Vergütung für die Kontaktherstellung“, heißt es auf der Webseite. Provisionen für Abschlüsse bekommt Herbst jedoch nicht.

Die Verbraucherzentralen empfehlen dennoch grundsätzlich, die Ergebnisse von Vergleichsportalen kritisch zu hinterfragen. Sinnvoll ist, sich bei verschiedenen Portalen zu informieren und auch ein Angebot direkt beim Anbieter einzuholen. „Preissuchmaschinen haben nicht zwangsläufig die besten Angebote. Manchmal sind Angebote dort teurer als beim Anbieter selbst. Manchmal finden Sie über Vergleichsportale aber auch bessere Preise und Vertragsbedingungen“, heißt es.

Das Bundeskartellamt merkte nach einer Sektoruntersuchung im Jahr 2019 zudem an, dass manche Vergleichsportale zwar als eigenständig erscheinen, aber bei Datenbasis und Tarifrechnern mit anderen Portalen kooperieren. Das könne dazu führen, dass Verbraucher gleiche Suchergebnisse fälschlicherweise als Bestätigung einer Empfehlung interpretieren. Verivox betont aber beispielsweise, stets darauf aufmerksam zu machen, welcher Rechner die Basis für die jeweiligen Vergleichsergebnisse der Kunden ist.

5. Nicht alle Produktanbieter sind auf Vergleichsportalen zu finden

In der Regel enthalten Vergleichsportale nicht alle Anbieter, die es am Markt gibt. Häufig sind nur die Angebote von den Anbietern zu finden, mit denen das Portal einen Vertrag geschlossen hat. Manche Anbieter lehnen es auch ab, auf Vergleichsportalen gelistet zu sein. Dazu zählt Huk-Coburg, der Marktführer in der KfZ-Versicherung.

Einzelne Portale recherchieren Preise auch selbst. „Wir veröffentlichen alle Daten, die man uns zur Verfügung stellt oder die mit einem vertretbaren Aufwand zu erhalten sind wie bei den Girokonten-Preisverzeichnissen“, erklärt Biallo.

Wie gut die Marktabdeckung ist, variiert den Verbraucherzentralen zufolge bei verschiedenen Branchen. Demnach können Verbraucher bei Strom- und Gasvergleichen einen guten Überblick bekommen. Verivox betont, in den Bereichen Telekommunikation und Energie eine 90-prozentige Marktabdeckung zu erreichen.

Das Bundeskartellamt monierte dagegen in seiner Sektoruntersuchung, dass in den Bereichen Versicherung und Hotels wichtige Anbieter teilweise nicht eingebunden seien.

Für Ratenkredite kam Ibi-Research zu dem Ergebnis, dass Check24 die größte Anbieterabdeckung aufweist. Die Forscher betonten aber, dass eine hohe Anbieterzahl nicht zwingend mit dem günstigsten möglichen Zinssatz korreliert. Außerdem wichen die Zinssätze bei den untersuchten Vergleichsportalen teilweise deutlich voneinander ab.

Mithilfe von Vergleichsportalen hoffen Verbraucher, den günstigsten Tarif finden zu können. Quelle: action press
Geld sparen

Mithilfe von Vergleichsportalen hoffen Verbraucher, den günstigsten Tarif finden zu können.

(Foto: action press)

6. Verbraucher sollten voreingestellte Filter vermeiden

Viele Vergleichsportale haben voreingestellte Filter. Meist passen die Ergebnisse aber besser, wenn Verbraucher die Suche selbst einstellen. Zugleich sollten sie prüfen, ob der angezeigte Preis für die gesamte Vertragslaufzeit gilt oder nur für die ersten Monate.

Bei Kreditvergleichen sortieren die Portale häufig nach dem günstigsten effektiven Jahreszins, den Verbraucher je nach Bonität aber gar nicht bekommen können. Sinnvoller ist es den sogenannten Zwei-Drittel-Zins anzuzeigen. Diesen oder einen günstigeren Zinssatz gewährt eine Bank zwei von drei Kunden.

Beim FMH Ratenkreditvergleich, kann der Kunde selbst vorgeben, in welche Bonität er sich einstuft oder ob er nur bonitätsunabhängige Zinsen angezeigt haben will“, betont jedoch Inhaber Herbst.

Wichtig ist es auch, die Vertragsbedingungen zu vergleichen. Ein günstiger Versicherungstarif nützt wenig, wenn wichtige Dinge nicht versichert sind.

Hilfreich ist, sich anzuschauen, welches Portal für welchen Vergleich besonders geeignet ist. So bietet Verivox nach eigenen Angaben die größte Energiedatenbank Deutschlands. Biallo sagt von sich, in Bezug auf Girokonten den umfassendsten Vergleich zu haben. Die FMH-Finanzberatung sieht sich beim Baugeldvergleich vorn.

7. Vergleichsportale wollen erste Anlaufstelle für Kunden sein

Einige Vergleichsportale werden versuchen, ihre Kunden stärker an sich zu binden, indem sie ihr Serviceangebot erweitern und einen „volldigitalen und vollständig auf dem Portal zu absolvierenden Abschlussprozess“ schaffen, heißt es bei Ibi-Research. Zudem scheine eine Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle einiger Portale zu Full-Service-Dienstleistern wahrscheinlich, die als erste Anlaufstelle für die entsprechenden Bedürfnisse der Kunden wahrgenommen werden wollen.

Einen speziellen Weg ist Check24 mit der Gründung seiner Bank C24 gegangen. Das Unternehmen will die rund 15 Millionen Vergleichsportalkunden auch als Bankkunden gewinnen. Der Reiz für C24-Kunden dürfte darin bestehen, durch Zugriff auf das Vergleichsportal günstige Anbieter für Baufinanzierung, Fonds oder Ratenkredite zu  bekommen. Strategisch dürfte auch Check24 profitieren: Bankkunden gelten als loyaler als Internetsurfer.

Mehr: Diskussion um das Vergleichsportal für Bankentgelte nimmt kein Ende – Bafin wird Angebot doch nicht aufbauen

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