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VersichererAllianz steigert Gewinn trotz Flutschäden – Operativ Rekordgewinn in Sicht

Der Versicherer übertrifft dank seiner Fondssparte die Erwartungen der Analysten. Allerdings drohen weiterhin milliardenschwere Belastungen in den USA.Christian Schnell 10.11.2021 - 10:24 Uhr aktualisiert Artikel anhören

In den ersten drei Quartalen erzielte der Versicherer ein operatives Ergebnis von 9,9 Milliarden Euro – 27 Prozent mehr als im Vorjahr.

Foto: dpa

München. Die Allianz hat im für den Konzern so turbulenten dritten Quartal ein starkes Ergebnis erzielt. In den Monaten von Juli bis September erzielte Europas größter Versicherer einen operativen Gewinn von 3,2 Milliarden Euro. Das teilte der Konzern am Mittwochmorgen mit. Die Erwartungen der Analysten von im Schnitt 3,05 Milliarden Euro wurden damit übertroffen.

Nach neun Monaten in diesem Geschäftsjahr kommt der Konzern damit auf 9,9 Milliarden Euro, ein Plus von 27 Prozent zum Vorjahreszeitraum. „Das war unser stärkstes drittes Quartal überhaupt“, so Allianz-Chef Oliver Bäte. Im Gesamtjahr soll nun das obere Ende der Prognose von zwölf Milliarden Euro, plus oder minus eine Milliarde Euro, erreicht werden.

Die damit angedeuteten 13 Milliarden Euro wären für die Allianz ein Rekordergebnis nach den 11,9 Milliarden Euro aus dem Jahr 2019. An der Börse kamen die Zahlen gut an: Die Aktie legte am Vormittag um ein halbes Prozent zu.

Überraschend gut entwickelte sich die in den vergangenen Monaten so umstrittene Vermögensverwaltung. Der kleinste der drei Geschäftsbereiche zeigte sich weitgehend unbeeindruckt von den vielen Negativschlagzeilen um Probleme sogenannter Structured Alpha Fonds in den USA.

Insgesamt trugen die Töchter Pimco und AGI im dritten Quartal 882 Millionen Euro zum Gesamtgewinn bei, ein Plus von mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Analysten waren im Mittel von 796 Millionen Euro ausgegangen.

Gerade in Krisenzeiten waren die Produkte der Allianz-Töchter bei Investoren gefragt. Der Gesamtbestand an verwaltetem Vermögen liegt inzwischen auf dem Rekordniveau von 2,548 Billionen Euro, davon werden 1,881 Billionen Euro für Kunden verwaltet. Der Rest sind Eigenanlagen der Allianz.

Beobachter hatten damit gerechnet, dass Kunden aufgrund der Unruhen um die Tochter AGI Geld abziehen würden. Das Gegenteil ist passiert. Der Bestand an verwaltetem Vermögen stieg in den Monaten Juli bis September um 51 Milliarden Euro.

Besonders für AGI, die kleinere der beiden Töchter, liefen die Geschäfte nach einer eingeleiteten Restrukturierung wieder besser. Der Gewinn stieg bei der Frankfurter Tochter um mehr als 71 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dass die Kunden trotz der Negativschlagzeilen um AGI sogar mehr investierten, führt Finanzvorstand Giulio Terzariol darauf zurück, dass es sich bei den hochspekulativen Structured Alpha Fonds um isolierte Produkte handelt, die mit dem Kerngeschäft der AGI nur wenig zu tun haben.

Nichts Neues zu US-Problemen

Rund um die Vorwürfe zeigt sich der Konzern weiterhin schmallippig. Noch immer verhandeln die Unterhändler beider Seiten. Die AGI-Fonds brachten institutionellen Investoren zu Beginn der Coronakrise große Verluste ein, und einige von ihnen mussten liquidiert werden.

Mehrere Verfahren sind vor US-Gerichten deswegen anhängig, neben der Börsenaufsicht SEC untersucht auch das US-Justizministerium die Vorfälle. In der Summe könnten auf die Allianz maximale Belastungen von bis zu sechs Milliarden Euro zukommen.

Die AGI-Fonds brachten institutionellen Investoren zu Beginn der Coronakrise große Verluste ein, und einige von ihnen mussten liquidiert werden. Mehrere Verfahren sind vor US-Gerichten deswegen anhängig, neben der Börsenaufsicht SEC untersucht auch das US-Justizministerium die Vorfälle. In der Summe könnten auf die Allianz maximale Belastungen von bis zu sechs Milliarden Euro zukommen.

Strategie des Konzerns ist es, dass die Schadenzahlungen deutlich geringer ausfallen. „Unser Ziel ist eine schnelle Lösung, es soll aber auch eine ökonomische Lösung sein“, so Finanzvorstand Terzariol am Mittwoch. Im Vorstandsgremium habe das Thema weiterhin oberste Priorität. Weil die US-Justiz beiden Parteien eine strenge Verschwiegenheit gegenüber der Öffentlichkeit auferlegt hat, gelangten in den vergangenen Monaten kaum Details nach außen.

Schaden- und Unfallversicherung stärker als erwartet

Zumindest lässt sich jetzt sagen, dass die Verhandlungspartner von einer Einschätzung des Schadens zum aktuellen Zeitpunkt ein ganzes Stück entfernt sind. Denn hierzu sieht der internationale Bilanzierungsstandard IFRS klare Regeln vor: Bei einer Eintrittswahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent muss eine Rückstellung gebildet werden. Da dies noch nicht geschehen ist, lässt sich erschließen, dass man sich derzeit noch unter dieser Schwelle in den Verhandlungen befindet.

Möglicherweise könne zum Jahresende eine Rückstellung gebildet werden, blickte Terzariol am Mittwoch nach vorn. Exakte Aussagen dazu seien aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Ziel ist es jedoch, dass damit dann alle erwartbaren Zahlungen wie Entschädigungen und Strafen der Justiz abgedeckt sind.

Viel lieber reden sie bei der Allianz ohnehin über das laufende Geschäft. Das lief nach einem starken ersten Halbjahr auch in den Monaten von Juli bis September sehr gut. Auch wenn allein die Schadenzahlungen für die Flutkatastrophe im Juli in Teilen Deutschlands und im angrenzenden Ausland bei 400 Millionen Euro lagen. Das Segment der Schaden- und Unfallversicherung verdiente in dieser Zeit dennoch 1,3 Milliarden Euro und lag damit auf Vorjahresniveau. Die Schätzungen der Analysten von 1,25 Milliarden Euro im Schnitt wurden sogar leicht übertroffen.

Besonders die Töchter, die im vergangenen Jahr wegen der Auswirkungen der Coronakrise deutliche Einbußen verzeichneten, zeigen sich erholt. Allianz Partners, worüber beispielsweise Reiseversicherungen angeboten werden, leitete ebenso die Wende ein wie der Kreditversicherer Euler Hermes und der lange Jahre defizitäre Industrieversicherer AGCS.

„Hier ist die Phase der Sanierung geschafft, jetzt geht es in die Phase des Wachstums“, sagte Terzariol. Genaue Planzahlen bis ins Jahr 2024 sollen Anfang Dezember mit der Vorlage des neuen Drei-Jahres-Plans folgen.
Weniger erfreulich ist dagegen die Entwicklung beim neuen Direktversicherer Allianz Direct, der vor knapp zwei Jahren mit großen Erwartungen gestartet war. Vergangene Woche wurde bekannt, dass dort der bisherige Vorstandschef Bart Schlatmann seinen Platz räumt und Philipp Kroetz übernimmt.

„Wir sind nicht voll begeistert mit der Entwicklung bei Allianz Direct“, räumte Terzariol ein. Der Aufbau der Plattform in vier europäischen Ländern sei zwar angemessen verlaufen, weniger gut entwickeln sich seither jedoch die Einnahmen. Hier setzt der Konzern nun auf das neue Management.

Lebensversicherungen stark gefragt

Überraschen konnte erneut das Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen. Hier erzielte der Konzern im dritten Quartal einen operativen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro, nach 1,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten hier im Schnitt 1,19 Milliarden Euro vorausgesagt.

Noch deutlicher wird der Ergebnissprung bei der Betrachtung der ersten drei Quartale. Hier kam es zu einem Anstieg auf 3,7 Milliarden Euro nach 2,9 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Besonders im Heimatmarkt Deutschland, aber auch in Frankreich, Italien und den USA liefen die Geschäfte gut. Hinzu kamen verbesserte Margen aus Kapitalanlagen sowie höhere Gebühren.

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Neben der Allianz hat auch die Konkurrenz in den vergangenen Monaten die Belastungen der Pandemie weitgehend wettgemacht. Der weltgrößte Versicherer Axa meldete in der vergangenen Woche für die ersten neun Monate einen Anstieg der Prämieneinnahmen um sieben Prozent auf 76 Milliarden Euro. Die Allianz schaffte in diesem Zeitraum einen Umsatzanstieg um 6,3 Prozent auf 110 Milliarden Euro.

Die Anleger können sich nach den jüngsten Zahlen bereits auf eine Dividende einstellen, die voraussichtlich über den 9,60 Euro je Aktie für das abgelaufene Jahr und womöglich gar erstmals in der Geschichte im zweistelligen Euro-Bereich liegen könnte. „Auch die Zahlen für Oktober waren gut“, blickte Terzariol bereits ins vierte Quartal.

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