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VersichererTalanx profitiert von steigenden Prämien

Deutschlands drittgrößter Versicherer reagiert mit Preisanpassungen auf die steigende Inflation. Ein Milliardengewinn wird weiter angepeilt.Christian Schnell 10.08.2022 - 09:16 Uhr Artikel anhören

Vertrag vorzeitig um weitere fünf Jahre bis ins Jahr 2028 verlängert.

Foto: Talanx AG

München. Beim Versicherer Talanx macht sich die hohe Inflation der vergangenen Monate in deutlich wachsenden Prämien bemerkbar. Um 17,7 Prozent auf 28,3 Milliarden Euro sind die Einnahmen im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Das gab die nach Prämieneinnahmen drittgrößte Versicherungsgruppe Deutschlands am Mittwoch bekannt.

„Unser starkes zweistelliges Prämienwachstum zeigt, dass wir zum einen bereits mit Preisanpassungen auf die hohe Inflation reagieren sowie zum anderen ein starkes Neugeschäft ausweisen“, sagte Vorstandschef Torsten Leue. Dessen Vertrag wurde am Dienstag vorzeitig um weitere fünf Jahre bis ins Jahr 2028 verlängert.

Die allgemein steigenden Preise zeigen somit auch Konsequenzen für Versicherungskunden, die zuletzt schon steigende Prämien hinnehmen mussten. Ein Trend, der sich Experten zufolge in den nächsten Monaten fortsetzen dürfte. Für die Versicherungsgruppe Talanx ist diese Entwicklung positiv. In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg das Konzernergebnis auf 560 Millionen Euro nach 546 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Um den weiterhin angepeilten Jahresgewinn von 1,05 bis 1,15 Milliarden Euro zu erreichen, liegt Talanx damit voll im Plan. Zum Konzernergebnis trägt die Rückversicherung mit der Tochter Hannover Rück 57 Prozent bei, die verbleibenden 43 Prozent kommen aus der Erstversicherung – unter anderem von den Töchtern HDI und PB Versicherungen.

Angehoben hat der Konzern seine Wachstumserwartungen, bei denen er nun mit einer Steigerung im oberen einstelligen Prozentbereich rechnet, nachdem vorher von einem mittleren einstelligen Wachstum ausgegangen wurde.

Großschäden nehmen deutlich zu

Den hohen Prämieneinnahmen standen indes eine hohe Anzahl an Schäden gegenüber. Für Großschäden von mindestens zehn Millionen Euro, auf die die Branche stets besonders blickt, fielen im ersten Halbjahr 1,083 Milliarden Euro an und damit mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Besonders schlugen dabei Naturkatastrophen zu Buche. Nach 261 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2021 waren es nun 672 Millionen Euro.

Größte Einzelschäden waren in den ersten sechs Monaten die Flut in Australien mit 259 Millionen Euro, die Februar-Stürme in Mitteleuropa mit 179 Millionen Euro sowie die Flut in Südafrika mit 84 Millionen Euro. „Wir sind traditionell stark in Australien und Südafrika, deswegen sind wir dort auch besonders betroffen“, begründete Finanzvorstand Jan Wicke die diesmal besonders hohen Schäden im Vergleich zur Konkurrenz.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine zeichnet sich weiter als Unsicherheitsfaktor für das laufende Geschäftsjahr ab. Inzwischen hat der Konzern seine Rückstellung im Vergleich zum ersten Quartal für die Bereiche Rück- und Industrieversicherung deutlich erhört.

Wurden damals 150 Millionen Euro reserviert, so ist diese Summe inzwischen auf 346 Millionen Euro angewachsen. „Davon haben wir etwa 80 Prozent für Schäden zurückgestellt, von denen wir annehmen, dass sie bereits eingetreten sind, aber noch nicht gemeldet wurden“, so Finanzvorstand Wicke.

Im Vergleich zum ersten Quartal, als der Krieg in der Ukraine gerade ausgebrochen war und Prognosen nur begrenzt möglich waren, könne man nun mit sehr viel präziseren Zahlen rechnen.

Probleme bei Kapitalanlage

Probleme bereiten dem im MDax gelisteten Konzern die Zinswende und die teils erheblichen Kursschwankungen im ersten Halbjahr. Das Kapitalanlageergebnis lag mit 1,9 Milliarden Euro deutlich unter dem Vorjahresergebnis von 2,4 Milliarden Euro. Damit sank die Rendite von 3,3 Prozent auf 2,7 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit 2,4 Prozent.

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Mit den Verwerfungen am Kapitalanlagemarkt kämpfen derzeit alle Versicherer. Erst am Dienstag meldete die Munich Re deswegen einen deutlichen Gewinneinbruch. Der weltgrößte Rückversicherer erreichte nach sechs Monaten nur noch eine laufende Rendite von 1,6 Prozent und verfehlte damit die eigenen Erwartungen von 2,5 Prozent deutlich.

Für das Gesamtjahr haben die Münchener deshalb ihre Prognose auf 2,0 Prozent reduziert. Langfristig hat die Zinswende allerdings einen positiven Effekt auf die Kapitalanlage der Versicherer. Die Erlöse aus auslaufenden festverzinslichen Wertpapieren können zu höheren Zinsen angelegt werden.

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