
EZB: Wie Christine Lagarde auf die Wechselgerüchte reagiert
EZB-Chefin Lagarde: Die Notenbankerin erklärt die Entscheidung der Zentralbank. Auf ihrer Halskette sind die Worte „In charge“ (dt. verantwortlich, federführend) zu lesen. Foto: REUTERS


Die wichtigsten Erkenntnisse der EZB-Sitzung in der Kurz-Übersicht:
- Die EZB senkt den Einlagezins um weitere 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent.
- Die Notenbank erwarten eine etwas schwächere Inflation im laufenden und kommenden Jahr. Die Prognose für 2025 sinkt auf 2,0 Prozent, jene für 2026 auf 1,6 Prozent.
- Die Konjunktur im Euroraum dürfte wie bereits im Vorfeld prognostiziert weiter anziehen.

Vielen Dank für Ihr Interesse am heutigen Tag. Wir wünschen an dieser Stelle einen schönen Sommerauftakt. Die nächste Ratssitzung der EZB ist am 24. Juli.

Lagarde hat in der Presskonferenz zwei Punkte klargemacht: Einerseits will sie sich angesichts der zukünftig wohl niedriger als erwarteten Inflation nicht auf einen weiteren Zinspfad festlegen und schließt auch für die kommende Juli-Sitzung keine Maßnahmen aus. Allerdings nähere sich die Zentralbank dem Ende des aktuellen Zyklus, sagte sie. Die Eurozone sei trotz der vielen Unsicherheiten weltweit in einer „guten Position“.
Andererseits will Lagarde der EZB treu bleiben. In den vergangenen Wochen hatten verschiedene Berichte zu Spekulationen geführt, ob Lagarde noch vor dem Ende ihrer Amtszeit an die Spitze des WEF wechselt. Das hat sie wiederholt verneint und auch mit ihrer Kette ein Statement gesetzt.
Auf ihre „In Charge“ Kette angesprochen, antwortet Lagarde: „Nur für den Fall, dass es Zweifel gibt.“

„Wären weitere Zinssenkungen angesichts der deutlich reduzierten Inflationsprognosen nicht angebracht?“, fragt ein spanischer Journalist. Für das kommende Jahr sagt die EZB eine Inflationsrate von 1,6 Prozent voraus. Lagarde will sich erneut nicht festlegen und wiederholt ihre vorherigen Aussagen: „Wir sind in einer guten Position und werden das nötige tun, um die Preisstabilität zu gewährleisten“

Auf den weiteren Zinskurs und ob jener sich nach unten oder eher seitwärts richten wird, will Lagarde weiter nicht genauer eingehen. Die Kerninflation etwa, die schwankungsanfällige Preise wie jene für Energie und Lebensmittel ausklammert, bewege sich derzeit kaum. „Wir sehen uns alle Daten an und werden auf deren Basis ständig neu bewerten, wie wir unser Ziel erreichen können“, wiederholt Lagarde.
Auf erneute Frage nach dem Gespräch mit Schwab und dem WEF-Vorsitz antwortet Lagarde: „Ich werde es wiederholen: Ich war immer von meinem Mandat angetrieben und bin überzeugt, mein Amt bis zum Ende auszuführen. Punkt.“

„Die aktuelle Zinssenkung bringt uns näher ans Ende eines geldpolitischen Zykluses, in dem wir auf verschiedene Schocks reagiert haben“, sagt Lagarde. Zu diesen Schocks haben unter anderem die Covid-Krise und der Krieg in der Ukraine gehört, erklärt sie. Nun sei man aber mit einem anderen Umfeld konfrontiert, anderen Partnern, anderer Geldpolitik. Sicher sei aber, dass die EZB ihr geldpolitisches Ziel verfolgen werde.

Handelsblatt-Reporter Stefan Reccius fragt nach dem Kurs für die Juli-Sitzung und ob Lagarde und die EZB nun ihren „Sieg“ über die Inflation ausrufen können.

Ein bulgarischer Journalist fragt Lagarde nach den Konsequenzen, die der Beitritt des Landes in den Währungsraum haben wird.
Die EZB sei erfreut darüber, dass sich der Kreis vergrößern wird. Wenn der Europäische Rat Bulgariens Beitritt in die Eurozone erlaubt, wird der bulgarische Vertreter bereits vor der Einführung des Euros in Bulgarien in den Rat der Zentralbank aufgenommen.

In der nächsten Frage geht es um den Ausblick zur nächsten Sitzung. Was würde die EZB dazu bewegen, die Zinsen im Juli erneut zu senken? Lagarde antwortet defensiv: „Wir warten von Sitzung zu Sitzung ab und werden auf Basis der Daten entscheiden.“
Auf die Frage nach ihrer Zukunft verneint Lagarde die Spekulationen um den Vorsitzposten beim Weltwirtschaftsforum (WEF). „Ich bin voll und ganz entschlossen, meine Mission hier und mein Amt bis zum Schluss zu erfüllen. Es tut mir leid, Ihnen sagen zu müssen, dass sie noch nicht mein Ende miterleben.“
Hintergrund der Frage waren Äußerungen des WEF-Chefs Klaus Schwab. Nach seinem Rücktritt vom Weltwirtschaftsforum sagte Schwab im Interview mit der „Financial Times“, Largarde könnte das Amt des WEF-CEOs Anfang 2027 übernehmen. Trotz ihres bis Oktober laufenden Amts als EZB-Chefin haben sich die beiden laut Schwab hierzu ausgetauscht. Laut EZB sei Lagarde „entschlossen, ihre Amtszeit zu Ende zu bringen.“ Auch optisch hat Lagarde die Frage bereits beantwortet. Sie trägt eine goldene Kette, auf der in stilisierten Lettern „In Charge“ steht.

Die erste Frage bezieht sich auf die Zinssenkung um 25 Basispunkte. Der aktuelle Zinsschritt bringt die EZB laut Lagarde in eine gute Position, um mit den auf die EZB zukommenden Unsicherheiten umzugehen. Nur ein Ratsmitglied habe dagegen gestimmt, so Lagarde.

Nun stellen die Reporterinnen und Reporter ihre Fragen.

„Die Prognose für die Inflation in der Eurozone ist unsicherer als normalerweise“, sagt Lagarde. Das liege an der volatilen Handelspolitik weltweit. Die niedrigeren Energiepreise und ein stärkerer Euro könnten einerseits zu einer fallenden Inflationsrate führen. Dieser Effekt könnte durch die Zölle verstärkt werden, so Lagarde. „Wenn höhere Zölle zu einer niedrigeren Nachfrage nach Waren aus der Eurozone führen“, führt sie als Beispiel aus. Andererseits könnten mehr Exporte aus Ländern mit Überkapazitäten zu einem niedrigerem Preisniveau führen.

Nun gibt Lagarde einen detaillierten Einblick in die Einschätzungen der Notenbanker: höhere Zölle und der zulegende Euro würden auf der Exportwirtschaft der Eurozone lasten. Allerdings werden die negativen Faktoren durch die Robustheit der Währungsunion ausgeglichen, sagt Lagarde: Der starke Arbeitsmarkt, höhere Reallohne, resiliente Firmen und einfachere Finanzierungsbedingungen helfen ihr zufolge Verbrauchern und Unternehmern dabei, mittelfristiges Wachstum aufrechtzuerhalten.
Die Ökonomen der EZB sehen das Wirtschaftswachstum in der Eurozone im laufenden Jahr unverändert bei einem Niveau von 0,9 Prozent. Im nächsten Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,1 Prozent steigen, eine minimale Korrektur gegenüber dem März. In 2027 sagt die EZB ein Wachstum von 1,3 Prozent voraus.

Die Zentralbank habe sich wegen der aktualisierten Inflationsprognosen dazu entschieden, die Zinsen zu senken, sagt Lagarde. Die niedrigeren Erwartungen im Vergleich zum März liegen der EZB-Chefin zufolge an niedrigeren Energiepreisen und einem stärkeren Euro.
Die Investoren am deutschen Aktienmarkt reagieren positiv auf die Zinssenkung: Der Dax stieg kurz nach der Meldung des gesenkten Leitzinses auf ein Rekordhoch von bis zu 24.437 Punkten. Niedrigere Zinsen unterstützen die Aktienkurse, da sie die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen erleichtern. An den Devisenmärkten wertet der Euro auf 1,14 US-Dollar auf.
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An den Finanzmärkten war im Vorfeld erwartet worden, dass die EZB die Zinsen erneut senken würde. Nun wird spannend, was EZB-Chefin Lagarde auf der um 14.45 Uhr beginnenden Pressekonferenz sagen wird. Denn die Inflation in der Eurozone liegt schon jetzt unter dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent.

Wie erwartet hat die EZB ihre Serie an Zinssenkungen fortgesetzt. Die Zentralbank hat ihren Einlagezins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,00 Prozent gesenkt. Daran dürften Banken nun ihre Spar- und Kreditzinsen ausrichten. Es war die siebte Zinssenkung in Folge und die achte seitdem die Zentralbank ihre Zinswende eingeleitet hat.

Hallo und herzlich willkommen, liebe Leserinnen und Leser. An dieser Stelle führen wir Sie wie gewohnt durch die EZB-Pressekonferenz. Präsidentin Christine Lagarde spricht im Anschluss an die Sitzung des EZB-Rats.
Frankfurt, Düsseldorf. Mehr: 2,1 Prozent in Deutschland – Die EZB erreicht Inflationsziel wohl früher als gedacht