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EZB-Präsidentin

Christine Lagarde erläutert nach der Sitzung die Entscheidungen des Rates.

(Foto: Reuters)

Geldpolitik Anleihekäufe und Inflationsprognosen: Auf diese vier Punkte kommt es bei der EZB-Sitzung an

Großes Interesse richtet sich an diesem Donnerstag auf die neuen Inflationsprognosen, die die EZB nach ihrer Sitzung veröffentlicht. Auch über die Anleihekäufe entscheidet der Rat.
10.06.2021 - 06:15 Uhr 2 Kommentare

Frankfurt Vor der EZB-Sitzung am Donnerstag dominiert in der öffentlichen Debatte vor allem das Thema Inflation. Im Mai sind die Verbraucherpreise in Deutschland laut einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamts um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – und damit auf den höchsten Stand seit knapp zehn Jahren. Auch im gesamten Euro-Raum stieg die Inflation im Mai auf 2,0 Prozent.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat mehrfach betont, dass sie den Inflationsanstieg in diesem Jahr für vorrübergehend hält. Diese Sicht teilen die meisten Ökonomen. Nach Schätzungen der Bundesbank könnte die Inflation in Deutschland aber in der zweiten Jahreshälfte zeitweise bis auf vier Prozent steigen.

Großes Interesse richtet sich daher auf die neuen Inflationsprognosen, die die EZB nach ihrer Sitzung veröffentlicht. Außerdem entscheidet der Rat darüber, wie es mit den Anleihekäufen weitergehen soll. Zudem könnte es Hinweise zum Strategiecheck geben.

1. Ändert die EZB ihre Inflationsprognosen?

Die Notenbank legt neue Prognosen für die Entwicklung der Inflation bis 2023 vor. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass sie diese vor allem für dieses Jahr anheben wird. Bislang erwartet sie für 2021 eine Inflationsrate von 1,5 Prozent. Der EZB-Schattenrat, ein vom Handelsblatt moderiertes Expertengremium, hob seine Prognose für 2021 auf 1,7 Prozent an.

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    Interessant wird zudem, wie die EZB die Entwicklung in den Folgejahren einschätzt. Bisher erwartet sie dann einen deutlichen Rückgang der Inflation auf 1,2 Prozent im nächsten Jahr und 1,4 Prozent im Jahr 2023. Der Schattenrat hat auch seine Schätzungen für die Folgejahre leicht angehoben.

    Die meisten Mitglieder des Expertengremiums teilen aber die Einschätzung, dass es sich bei dem aktuellen Inflationsanstieg um ein temporäres Phänomen handelt. Schattenratsmitglied Sylvain Broyer, der Europa-Chefvolkswirt der Ratingagentur Standard & Poor's ist, verweist auf den geringen Anstieg der Tariflöhne im ersten Quartal. Der Zuwachs dort sei so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr gewesen. Er sieht daher wenig Hoffnung auf eine längerfristig höhere Inflation.

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    Auch Allianz-Ökonomin Katharina Utermöhl, sieht keine Anzeichen dafür – weder in den USA noch in Europa. Für die Jahre 2022 und 2023 rechnet sie im Euro-Raum mit einer Rate um 1,5 Prozent. Sie verweist darauf, dass die Rückkehr zum Wirtschaftsniveau vor der Corona-Pandemie noch bis zur ersten Hälfte 2022 dauern wird. In einigen Ländern, wie Spanien und Italien, könne dies noch ein Jahr länger dauern.

    Eine andere Auffassung vertritt Thomas Mayer, Leiter des Research Instituts des Vermögensverwalters Flossbach von Storch. Er argumentiert, dass eine steigende Geldmenge zu Inflation führt, wenn sie der Finanzierung höherer Staatsschulden dient.

    2. Passt die EZB das Tempo ihrer Anleihekäufe an?

    Zur Debatte steht, wie es mit den Anleihekäufen weitergehen soll. Im zweiten Quartal hatte die EZB das Tempo der Käufe deutlich erhöht, um einem unerwünschten Anstieg der Anleiherenditen entgegenzutreten. Jetzt muss sie entscheiden, ob sie das höhere Kauftempo beibehält.

    Die meisten Ökonomen halten dies für wahrscheinlich. „Es besteht keine Dringlichkeit für die EZB, ihren Kurs bei den Anleihekäufen zu ändern, da die Marktbedingungen weiter fragil sind und die Volatilität zunimmt“, betont S&P-Ökonom Sylvain Broyer.

    Für eine abwartende Haltung der EZB sprechen auch die jüngsten Kommentare führender Vertreter. Bis Mitte Mai waren die Renditen deutscher Bundesanleihen, die als wichtiger Vergleichsmaßstab für die Finanzierungskosten im Euro-Raum gelten, gestiegen. Daraufhin hatten mehrere EZB-Mitglieder signalisiert, dass sie das hohe Kauftempo beibehalten wollen. So sagte EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta, dass die aktuellen Bedingungen aus seiner Sicht kein niedrigeres Kauftempo rechtfertigen würden.

    Beide Varianten – ein weiter hohes Kauftempo oder eine Verlangsamung der Käufe – sind aber mit Risiken verbunden. Drosselt die EZB ihre Käufe, würde dies von den Märkten wahrscheinlich als Signal für eine Straffung der Geldpolitik aufgefasst. Das könnte die Renditen am Anleihemarkt in die Höhe treiben und zu Verwerfungen an den Märkten führen. Aber auch die Beibehaltung des hohen Kauftempos kann zu Problemen führen, wenn dies die Erwartung schürt, dass das Anleihekaufprogramm in der Corona-Pandemie nochmals ausgeweitet wird.

    3. Wie geht es auf längere Sicht mit den Anleihekäufen weiter?

    Das Anleihekaufprogramm in der Corona-Pandemie mit dem Kürzel PEPP ist bis März 2022 befristet und beläuft sich auf 1,85 Billionen Euro. Für eine Entscheidung, ob es danach noch mal verlängert wird, ist es noch zu früh, EZB-Präsidentin Christine Lagarde könnte aber möglicherweise Hinweise geben.

    Andreas Billmeier, Europavolkswirt vom Vermögensverwalter Western Asset, rechnet damit, dass die EZB das Programm wie vorgesehen im März 2022 auslaufen lässt. Um ein abruptes Ende zu vermeiden, geht er aber davon aus, dass danach das ältere Kaufprogramm PSPP auf monatlich 40 Milliarden Euro aufgestockt wird, um den Übergang abzufedern.

    Über dieses ältere Programm kauft die EZB ebenfalls europäische Staatsanleihen. Dort ist sie aber nicht so flexibel wie bei PEPP, wo sie die wöchentlichen und monatlichen Käufe ursprünglich frei nach Bedarf gesteuert hat. Zuletzt ist sie allerdings dazu übergangen, im Vorfeld auch hier ein bestimmtes Kaufniveau festzulegen.

    Allianz-Ökonomin Utermöhl hält diese Formalisierung für einen Fehler, weil die Notenbank so ihre Flexibilität einschränkt. Das kann zur Folge haben, dass sie mehr Anleihen kaufen muss, um ein bestimmtes Niveau bei den Finanzierungsbedingungen zu erreichen. Aus ihrer Sicht spricht einiges dafür, künftige Anleihekäufe bei der monatlichen Kaufmenge ähnlich flexibel zu gestalten wie ursprünglich über das PEPP-Programm.

    4. Gibt es Hinweise zur Strategieüberprüfung?

    Zudem könnte Lagarde auch weitere Hinweise zur Strategieüberprüfung geben. In der kommenden Woche wollen sich die EZB-Ratsmitglieder auf einem dreitägigen Treffen an einem Tagungsort in der Nähe von Frankfurt austauschen.

    Bis September will die Notenbank den Prozess abschließen. Bis dahin gibt es noch viel zu besprechen. Ein wichtiges Thema ist das künftige Inflationsziel. Aktuell strebt die EZB einen Wert von „unter, aber nahe zwei Prozent“ an. Im Rat gibt es aber bei vielen Vertretern den Wunsch, das Ziel auf glatt zwei Prozent umzuformulieren. Damit verbunden ist die Frage, inwieweit frühere Verfehlungen des Inflationsziels in späteren Jahren aufgeholt werden sollen.

    Beim Inflationsziel strebt die EZB noch einen Wert von „unter, aber nahe zwei Prozent“ an. Quelle: dpa
    EZB-Präsidentin Christine Lagarde

    Beim Inflationsziel strebt die EZB noch einen Wert von „unter, aber nahe zwei Prozent“ an.

    (Foto: dpa)

    EZB-Präsidentin Lagarde hat zudem betont, dass die Notenbank unter ihrer Führung eine aktivere Rolle im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen soll. Andere Vertreter wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sehen dies kritischer. Auch die mögliche Einbeziehung von selbst genutztem Wohneigentum bei der Inflationsberechnung spielt eine Rolle.

    Auf dem Treffen sollen keine Beschlüsse fallen. Neben dem Austausch geht es auch darum, den weiteren Prozess bis September festzulegen. Lagarde hatte bereits zu Beginn ihrer Amtszeit den EZB-Rat zu einem informellen Austausch in einem Hotel im Taunus eingeladen. In einer ungezwungenen Atmosphäre wollte sie damals Streitigkeiten im Rat über die Geldpolitik beilegen. Zuletzt waren solche Treffen wegen der Corona-Situation nicht möglich gewesen.

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    2 Kommentare zu "Geldpolitik: Anleihekäufe und Inflationsprognosen: Auf diese vier Punkte kommt es bei der EZB-Sitzung an"

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