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Geldpolitik Drückt Lagarde den Euro-Kurs? Auf diese vier Punkte kommt es bei der EZB-Sitzung an

Der EZB-Rat trifft sich zur ersten geldpolitischen Sitzung im neuen Jahr. Für Investoren sind vor allem Bemerkungen zum Euro-Kurs interessant.
21.01.2021 - 08:00 Uhr Kommentieren
Die EZB-Präsidentin könnte sich am Donnerstag zum Euro-Kurs äußern. Quelle: via REUTERS
Christine Lagarde

Die EZB-Präsidentin könnte sich am Donnerstag zum Euro-Kurs äußern.

(Foto: via REUTERS)

Frankfurt Von Langeweile war 2020 für die Europäische Zentralbank (EZB) nichts zu spüren. In der Corona-Pandemie griff sie mit massiven Anleihekäufen ein, um die Finanzmärkte zu stützen und die Krise zu stoppen.

Dabei sollte Geldpolitik möglichst langweilig sein, sagte einst der ehemalige Chef der Bank von England, Mervyn King. Doch ähnlich wie die Feuerwehr ist die EZB besonders gefordert, wenn es brennt – zumindest sprichwörtlich. Das ist in der Coronakrise der Fall.

Frederik Ducrozet, Ökonom beim Schweizer Vermögensverwalter Pictet, sieht daher als Ziel für das neue Jahr, „die Geldpolitik wieder langweilig zu machen“. Die Chancen dafür sind allerdings gering. Erst im Dezember weitete die EZB ihre Anleihekäufe über das Notprogramm PEPP auf 1,85 Billionen Euro aus. Die Anleihekäufe werden die Notenbanker auch an diesem Donnerstag beschäftigen, wenn sie sich zur EZB-Ratssitzung treffen.

Ein weiteres Thema, das die EZB derzeit umtreibt, ist die Stärke des Euros. Die europäische Gemeinschaftswährung hat seit ihrem Tief im März fast 13 Prozent gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Bereits auf der EZB-Sitzung im Dezember äußerten sich einige Ratsmitglieder laut Protokoll „besorgt“ über die Wechselkurs-Entwicklung und warnten vor „negativen Konsequenzen“ für den Inflationsausblick.

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    Auf ihrer Pressekonferenz nach der Sitzung sprach Notenbankchefin Christine Lagarde das Thema sehr knapp an: Man beobachte den Kurs sehr genau, dieser sei aber keine Zielgröße für die Geldpolitik. Seither hat sich an der Stärke des Euros nicht viel geändert, auch wenn er zuletzt wieder etwas schwächer tendierte. Lagarde könnte sich daher erneut und eventuell deutlicher zum Euro-Kurs äußern.

    Zudem wird erwartet, dass sie auf die Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum und den weiteren Kurs in der Geldpolitik eingeht und in der Pressekonferenz zum bisherigen Verlauf der Strategiedebatte befragt wird. Auf folgende vier Punkte kommt es an:

    1. Drückt Lagarde den Euro-Kurs?

    Der Euro notiert nach wie vor über der Marke von 1,20 Dollar. Als er im September 2020 diesen Punkt überschritten hatte, intervenierte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane und sagte, dass der Wechselkurs relevant für die Geldpolitik sei. Auch EZB-Chefin Lagarde äußerte sich im Dezember zum Euro-Kurs.

    Steigt der Außenwert der Gemeinschaftswährung, macht dies Exporte aus dem Euro-Raum auf dem Weltmarkt teurer und damit weniger attraktiv – gleichzeitig werden Importe aus dem Ausland billiger. Beides dämpft tendenziell das Wachstum und die Inflation im Euro-Raum. Für die EZB wird es dadurch schwieriger, ihr Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent zu erreichen.

    Der Ökonom der DZ-Bank, Christian Reicherter, geht davon aus, dass sich Lagarde auch am Donnerstag zu dem Thema äußert: „Die EZB-Chefin dürfte darauf hinweisen, dass man die Entwicklung genau im Blick habe.“ Allerdings ist aus seiner Sicht ungewiss, ob solche Bemerkungen ausreichen, um eine weitere Aufwertung des Euros zu verhindern.

    Der Chefvolkswirt des Internationalen Bankenverbands IIF, Robin Brooks, ist in diesem Punkt skeptisch. „Ich halte es generell nicht für klug, wenn Zentralbanken über den Wechselkurs reden“, sagt er. Seine Empfehlung an die EZB lautet: sich nicht zu dem Thema äußern und stattdessen stärker auf die niedrige Inflation eingehen.

    Eine mögliche Variante wäre laut Pictet-Ökonom Frederik Ducrozet, dass Lagarde ähnlich wie die US-Notenbank Fed stärker betont, dass die EZB bereit ist, künftig zeitweise eine etwas höhere Inflation als knapp unter zwei Prozent zu tolerieren. Dagegen spricht, dass ein solcher Schritt wahrscheinlich bei Ratskollegen, die eher für eine straffere Geldpolitik eintreten, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, auf Kritik stoßen dürfte.

    2. Welche Entwicklung erwartet die EZB für die Wirtschaft?

    Interessant wird außerdem, wie sich Lagarde zur Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum äußert. Angesichts steigender Infektionszahlen und härterer Lockdown-Maßnahmen in Europa nehmen die Risiken für das Wachstum zu.

    „Etwas Sorgen bereiten gegenwärtig zudem Berichte über Mutationen des Coronavirus, welche eine schnellere Ausbreitung begünstigen könnten“, sagt DZ-Analyst Reicherter. „Zuversichtlich stimmt demgegenüber, dass die Impfkampagnen in Europa inzwischen gestartet sind.“ Aufgrund der eingeschränkten Impfstoff-Verfügbarkeit würden diese allerdings nur sehr langsam vorangehen.

    Reicherter erwartet, dass Lagarde Zuversicht vermittelt. Zuletzt hatte sie betont, dass sie die Konjunkturprognosen der EZB weiter für plausibel hält. Diese sehen für dieses Jahr ein Wachstum von 3,9 Prozent vor und eine Inflation von 1,0 Prozent.

    Viele Ökonomen erwarten, dass die Inflation im Euro-Raum Ende 2020 ihren Tiefpunkt erreicht hat und 2021 wieder leicht steigt. Im Dezember lag sie bei minus 0,3 Prozent.

    Im neuen Jahr dürften unter anderem statistische Effekte dafür sorgen, dass die Preise wieder stärker steigen. So ist in Deutschland, dem größten Land der Euro-Zone, zum Jahresbeginn die vorrübergehende Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent ausgelaufen. Zudem wird die neu beschlossene CO2-Abgabe fällig, was die Preise ebenfalls erhöht.

    Hinzu kommt im Laufe des Jahres außerdem der Basiseffekt bei den Energiepreisen: Weil der Ölpreis ab dem Frühjahr 2020 stark eingebrochen ist, wird damit gerechnet, dass die Preise dieses Jahr im Vergleich zu den niedrigen Vorjahreswerten wieder stärker zulegen. Unter dem Strich gehen die meisten Ökonomen aber nach wie vor davon aus, dass die Inflation deutlich unter dem Ziel der EZB von „unter, aber nahe zwei Prozent“ bleibt.

    3. Gibt die EZB weitere Signale für eine Lockerung der Geldpolitik?

    Erst im Dezember hat die EZB ein großes Paket zur Lockerung ihrer Geldpolitik beschlossen. Unter anderem weitete sie ihr Anleihekaufprogramm in der Corona-Pandemie (PEPP) um weitere 500 Milliarden Euro auf 1,85 Billionen Euro aus. Daher sind nun unmittelbar keine weiteren Schritte zu erwarten. DZ-Analyst Reicherter geht aber davon aus, dass Lagarde die Handlungsfähigkeit der EZB hervorhebt.

    Die Protokolle der Dezember-Sitzung zeigen, dass es dort unterschiedliche Vorstellungen über die Ausgestaltung des Lockerungspakets gegeben hat. Einige Ratsmitglieder haben sich demnach weitergehende Maßnahmen gewünscht. Zum Teil gibt es Zweifel, ob die Maßnahmen ausreichen. So erwartet der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, dass die Notenbank demnächst nachlegen wird, unter anderem bei günstigen Krediten, die sie den Banken zur Verfügung stellt, und Anleihekäufen.

    Ein Sorgenfaktor, der dabei eine wichtige Rolle spielt, ist die Entwicklung der Kreditvergabe. Laut der jüngsten Umfrage der EZB haben die Banken im Euro-Raum im vierten Quartal 2020 ihre Standards für Darlehen an Unternehmen verschärft. Als Gründe nannten sie unter anderem eine Verschlechterung der allgemeinen wirtschaftlichen Aussichten und eine größere Vorsicht vor dem Hintergrund der strengeren Lockdown-Maßnahmen.

    Für dieses Jahr erwarten Experten eine steigende Zahl an Insolvenzen und damit auch höheren Kreditausfällen. Die Gefahr ist, dass die Banken sich dann mit der Kreditvergabe zurückhalten und damit die wirtschaftlichen Probleme verschärfen. Pictet-Ökonom Ducrozet kommentierte die Ergebnisse der EZB-Umfrage auf Twitter mit der Bemerkung, dass die bisherigen geldpolitischen Maßnahmen wahrscheinlich nicht ausreichen.

    4. Wie geht es mit der Strategieüberprüfung weiter?

    Auf der Pressekonferenz dürfte Lagarde auch zum Stand des großen Strategiechecks befragt werden. Société-Générale-Experte Anatoli Annenkov rechnet damit, dass die Notenbank bis zum Sommer zu einer einvernehmlichen Position im EZB-Rat gelangt. Der frühere EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hält vor allem die Definition des Inflationsziels für wichtig. Bislang strebt die EZB eine Inflation von „unter, aber nahe zwei Prozent“ auf mittlere Sicht an.

    Praet erwartet, dass diese etwas komplizierte Definition klarer gefasst wird. „Ich würde für die EZB einfach sagen: Wir wollen zwei Prozent auf mittlere Sicht erreichen“, sagte er im Handelsblatt-Interview.

    Als weitere wichtige Themen sieht er die Finanzstabilität und das Verhältnis der EZB zur Finanzpolitik. Notenbankchefin Christine Lagarde betont zudem, dass die EZB aus ihrer Sicht eine stärkere Rolle im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen soll.

    Mehr: Ehemaliger EZB-Chefvolkswirt über die Anleihekäufe: „Der Ausstieg wird extrem schwierig“

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