Geldpolitik: EZB-Vertreter geben unterschiedliche Signale vor der Ratssitzung im März
Der EZB-Chefvolkswirt sprach am Montag an der irischen Eliteuni Trinity College.
Foto: ReutersFrankfurt. Vor der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 16. März haben Vertreter der Notenbank zum Wochenbeginn unterschiedliche Signale über den weiteren Kurs gegeben. Der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann sprach sich im Handelsblatt-Interview für weitere kräftige Zinserhöhungen aus. Dagegen äußerte sich der EZB-Chefvolkswirt Philip Lane vorsichtiger.
Die Notenbank hat für März bereits eine Erhöhung um einen halben Prozentpunkt in Aussicht gestellt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte in einer Rede am Sonntag diese Absicht. Das Treffen im März wird mit Spannung erwartet, weil die EZB dort neu bewerten will, wie es danach weitergehen soll.
Lane sprach sich in einem Vortrag am Trinity College in Dublin zwar für eine weitere Zinserhöhung im März aus. Er sagte jedoch auch, dass es Anzeichen für eine Abschwächung des Inflationsdrucks gebe. Jüngste Beobachtungen legten nahe, dass von der Energieseite ausgehend der Preisdruck nachlasse. Gleiches gilt laut Lane für andere Rohstoffe. Auch die globale und heimische Wirtschaftstätigkeit sowie angebotsseitige Engpässe wirkten weniger preistreibend.
Dagegen verstärkten höhere Löhne die Inflation. Laut den Prognosen der EZB von Dezember stiegen sie 2022 um nominal 4,5 Prozent. Für dieses Jahr erwartet die Notenbank einen Wert von 5,2 Prozent. Die jüngste Lohnentwicklung muss laut Lane genau beobachtet werden.
Die Verfechter einer straffen Geldpolitik sehen vor allem die gestiegene Kerninflation als Argument für weitere kräftige Zinsschritte. Die Kerninflation, aus der besonders schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel herausgestrichen werden, war im Februar auf 5,6 Prozent gestiegen, der höchste Wert seit Beginn der Währungsunion. Sie gilt als guter Indikator für den mittelfristigen Preistrend.
Experten erwarten weitere Straffung
Viele Experten haben ihre Zinserwartungen zuletzt angepasst und rechnen mit einer stärkeren Straffung der Geldpolitik. Zum Beispiel erhöhten die Deutsche Bank und die US-Bank Goldman Sachs ihre Schätzungen für den Zinshöhepunkt im Euro-Raum. Beide Institute sehen ihn bei einem Einlagenzins von 3,75 Prozent erreicht, vorher waren sie von 3,5 Prozent ausgegangen.
Anfang Februar wurde an den Terminmärkten für Ende des Jahres noch ein Satz von 3,5 Prozent eingepreist. Inzwischen sind es knapp vier Prozent.