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Geldpolitik „Wir haben noch nicht gewonnen“: Fed bleibt auf ultralockerem Kurs und verweist auf Schwächen in der US-Wirtschaft

Die US-Notenbank belässt den Leitzins in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Sie zeigt keine Eile, demnächst eine Zinswende einzuleiten.
27.01.2021 Update: 28.01.2021 - 00:09 Uhr Kommentieren
Die Notenbank betonte zudem, die weitere Entwicklung der Wirtschaft werde abhängen „vom Kurs des Virus, inklusive dem Fortschritt bei den Impfungen“. Quelle: dpa
Die US-Notenbank in Washington

Die Notenbank betonte zudem, die weitere Entwicklung der Wirtschaft werde abhängen „vom Kurs des Virus, inklusive dem Fortschritt bei den Impfungen“.

(Foto: dpa)

Denver Angesichts der Coronakrise hält die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) an ihrer historisch lockeren Geldpolitik fest. Der Leitzins verbleibt wie erwartet auf dem ultraniedrigen Niveau von 0,0 bis 0,25 Prozent, wie die Zentralbank am Mittwoch erklärte. Dies sei angesichts der Lage am Arbeitsmarkt und der niedrigen Inflation weiter angemessen, betonte Fed-Chef Jerome Powell. Er verwies auf den Arbeitsmarkt, der sich zuletzt etwas abgeschwächt hatte, vor allem in der Gastronomie. Das sei auf die Shutdowns der vergangenen Wochen zurückzuführen, die eine ganze Reihe von Bundesstaaten eingeführt hatten, um die rapide steigenden Corona-Infektionen zu bekämpfen.

Auch die Wertpapierkäufe in Höhe von rund 120 Milliarden US-Dollar im Monat zur Stützung der Konjunktur werden demnach weitergehen. Die Geldpolitik werde weiter „wirkmächtige Unterstützung“ leisten, bis die Erholung der Wirtschaft abgeschlossen sei, versprach Powell.

Die Wirtschaft habe sich in Teilen als wandlungsfähig und widerstandsfähig erwiesen, auch dank der großen Konjunkturpakete, sagte Powell. Aber die Lage am Arbeitsmarkt habe sich zuletzt wieder verschlechtert, mahnte er. Die weitere Entwicklung sei hochgradig unsicher und hänge „vom Kurs des Virus, inklusive dem Fortschritt bei den Impfungen“ ab.

Powell hält es für durchaus möglich, dass die USA die Pandemie in diesem Jahr hinter sich lassen und zu einen normaleren Wirtschaftsgeschehen zurückkehren zu können. Doch noch sei das Ziel bei weitem nicht erreicht. „Wir haben noch nicht gewonnen“, mahnte Powell, der seine erste Corona-Impfung bereits erhalten hat.

Powell räumte aber ein, dass es lange dauern werde, genügend Amerikaner zu impfen, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. „Es gibt für die Wirtschaft jetzt nichts wichtigeres, als dass die Leute geimpft werden.“ Bislang wurden rund 20 Millionen der 330 Millionen Menschen im Land geimpft.

Zinserhöhung nicht in Sicht

Der wirtschaftliche Ausblick für die zweite Jahreshälfte sei deutlich besser, sagte er. Investoren machen sich schon länger Sorgen, dass die Fed demnächst von ihrem ultra-lockerem Kurs abrücken könnte, was Turbulenzen an den Märkten wahrscheinlicher macht.

Powell jedoch wollte davon nichts wissen. Die Fed sei noch weit davon entfernt, ihr Ziel der Vollbeschäftigung und eine Inflationsrate von zwei Prozent oder mehr zu erreichen. Dass sein geldpolitischer Kurs zu Blasen an den Finanzmärkten führe, wies er zurück. „Der Zusammenhang zwischen niedrigen Zinsen und Assetpreisen ist vermutlich nicht so eng wie Leute glauben“, stellte Powell klar und betonte, dass sich die Fed ganz auf die wirtschaftliche Erholung konzentriere. Jetzt die Zinsen anzuheben, um möglichen Blasen vorzubeugen, sei kontraproduktiv, da dadurch die Wirtschaft Schaden nehmen würde.

In den vergangenen Tagen haben Kleinanleger eine Reihe von Aktien in die Höhe getrieben und Shortseller in Existenznöte gebracht. Börsianer machten einen „Short Squeeze“ dafür verantwortlich. Dahinter steckt laut Analysten ein Kampf zwischen Kleinanlegern und Hedgefonds. Erstere versuchen demnach, mit konzertierten Käufen Letztere zur Auflösung von Wetten auf den Verfall bestimmter Aktien zu zwingen und ihnen Verluste einzubrocken. Ein Hedgefonds musste deswegen bereits mit Milliardensummen gestützt werden. Im Zentrum stehen die Aktien des US-Computerspielehändlers Gamestop. Er wolle sich nicht zu einer bestimmten Firma oder zu Marktaktivitäten äußern, sagte Notenbank-Chef Jerome Powell. Dies sei nicht üblich.

Nur eine Woche nach der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Joe Biden war bei der Sitzung der Notenbank nicht mit großen Entscheidungen gerechnet worden. Die unabhängige Fed hat bereits mit einer beispiellosen Lockerung ihrer Geldpolitik auf die Coronakrise reagiert.

Hohe Arbeitslosenquote bereitet Sorgen

Insbesondere der Jobmarkt ist trotz der mittlerweile angelaufenen Impfkampagne mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 6,7 Prozent weit von Vollbeschäftigung entfernt. Biden hat das Ziel ausgegeben, 100 Millionen Impfungen in 100 Tagen zu verabreichen.

Zugleich will er im Zusammenspiel mit der Finanzministerin und früheren Fed-Chefin Janet Yellen ein 1,9 Billionen Dollar schweres Konjunkturprogramm durch den Kongress bringen. Damit soll das Millionenheer von Arbeitslosen gestützt, aber auch die Wirtschaft insgesamt belebt werden. Regierungssprecherin Jen Psaki kündigte am Mittwoch an, Biden wolle sich mit Yellen und anderen Mitgliedern seines Finanzteams treffen, um die Auswirkungen der Hilfen und die Kosten von Verzögerungen zu bewerten. Für Biden habe das Hilfs-Paket oberste Priorität.

Seine Regierung werde bei Abgeordneten, Gewerkschaften, Wirtschaftsgruppen sowie Hunderten von Bürgermeistern und lokalen Gesundheitsbehörden für die Zahlungen werben, sagte Psaki. Über den Gesetzentwurf für die Hilfen soll in der ersten Februar-Woche im Repräsentantenhaus abgestimmt werden. Danach soll die Abstimmung im Senat folgen. Obwohl Bidens Demokraten in beiden Häusern die Mehrheit halten, ist er sehr wahrscheinlich auf die Unterstützung der oppositionellen Republikaner angewiesen.

Mit Agenturmaterial

Mehr: Joe Biden gestaltet die Finanzregulierung neu – und sendet ein Signal an die Wall Street

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