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US-NotenbankDie Fed enttäuscht die Investoren – Was das für die Märkte bedeutet

Die Zinsen in den USA sollen für längere Zeit hoch bleiben. Das kommt weder am Aktien- noch am Anleihemarkt gut an. Vor allem einen Punkt sehen Ökonomen kritisch.Astrid Dörner, Andreas Neuhaus 21.09.2023 - 16:51 Uhr aktualisiert Artikel anhören

US-Notenbankchef Jerome Powell bereitete die Märkte auf eine längere Zeit mit höheren Zinsen ein.

Foto: Reuters

„Chef Jerome Powell und die Fed haben unmissverständlich klargemacht, dass die Zinsen länger hoch bleiben werden“, kommentierten die Ökonomen Veronica Clark und Andrew Hollenhorst von der Citibank den Zinsentscheid. Der Kampf gegen die Inflation sei noch nicht vorbei.

Die Fed hatte zwar genau davor zuletzt immer wieder gewarnt, wirklich durchgedrungen war sie damit aber nicht. Matthew Ryan, Marktstratege beim Finanzdienstleister Ebury, stellt daher fest: „Unsere wichtigste Erkenntnis des Zinsentscheids ist die Verschiebung der mittleren Zinsprognosen für 2024 und 2025 nach oben. Das macht den Märkten klar, dass die Fed keine Eile hat, den Lockerungszyklus zu beginnen.“ Das kommt weder am Aktien- noch am Anleihemarkt gut an.

In den USA gab der Leitindex S&P 500 am Mittwoch 0,9 Prozent nach, der breite Technologie-Index Nasdaq Composite verlor 1,5 Prozent. Am Donnerstag setzen sich die Verluste zum Handelsstart fort. Zuvor war in in Asien der japanische Nikkei-Index 1,4 Prozent gefallen, in Europa notierte der deutsche Leitindex Dax am Nachmittag rund ein Prozent schwächer.

Am Anleihemarkt fielen die Kurse in Reaktion auf die Aussicht möglicher weiterer Zinserhöhungen, im Gegenzug zogen die Renditen an. Bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen erreichten sie mit 4,449 Prozent den höchsten Stand seit 2007. Die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen stiegen mit 2,759 Prozent auf den höchsten Stand seit März dieses Jahres.

Eine weitere Zinserhöhung ist möglich

Denn nachdem die Fed diesmal den Leitzins in einer Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent beließ, könnte er bereits auf der nächsten Sitzung im November erneut angehoben werden. Das geht aus den ebenfalls am Mittwochabend veröffentlichten Projektionen der Fed (Dots) hervor.

Demnach rechnet die Mehrheit der Fed-Mitglieder damit, dass der Leitzins zum Jahresende bei 5,50 bis 5,75 Prozent liegen wird. Das wäre der höchste Stand seit 2001.

Deutliche Zinssenkungen erwarten die Notenbanker dagegen vorerst nicht. Nach Einschätzung von Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners, ist das für die Börsen die eigentliche Enttäuschung: „Die Dots sehen im Mittel – vom jetzigen Zinsniveau weg – nur einen Zinsschritt nach unten. Die großen Zinssenkungen kommen nach den neuen Dots erst 2025.“

Rally am Aktienmarkt verliert an Schwung

Die Hoffnung auf schnellere Zinssenkungen werden damit vorerst enttäuscht. Sie waren jedoch ein Grund für die zuletzt steigenden Aktienkurse in den USA: Von Anfang Mai bis Ende Juli stieg der S&P 500 um zehn Prozent, der Nasdaq Composite sogar um 17 Prozent.
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Mit dem erneuten Anstieg der Anleiherenditen über die Oktoberhochs aus dem vergangenen Jahr verlor die Rally zuletzt allerdings schon an Schwung.

Ein Grund für den harten Kurs der Fed ist die unerwartet robuste Wirtschaft in den USA, erklärt Ökonomin Tiffany Wilding von Pimco: „Das reale BIP-Wachstum hat sich als wesentlich stabiler erwiesen, was zu erheblichen Korrekturen der Wirtschaftsprognosen der Fed-Mitglieder führte.“

Die neuen Projektionen gehen von einer deutlichen Beschleunigung der Produktivität aus, was einen höheren kurzfristigen natürlichen Zinssatz erfordert, soll die Inflation von zuletzt 3,7 Prozent auf den Zielwert von 2,0 Prozent gesenkt werden.

In der Vergangenheit gingen derart schnelle und deutliche Zinserhöhungen aber immer mit einer Rezession einher, einer mindestens zwei Quartale in Folge schrumpfenden Wirtschaft.

„Bis zum heutigen Tag hatten die Fed-Vertreter diese Tatsache immer indirekt anerkannt, wenn sie einen Anstieg der Arbeitslosenquote prognostizierten – was in der Vergangenheit mit einer Rezession verbunden war“, sagt Wilding.

„Mit den neuen Prognosen hat die Fed nun jedoch ihre wachsende Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass es dieses Mal anders ist.“

Für Aktienanleger wäre das eine gute Nachricht, stellt Chefanlagestratege Sven Streibel von der DZ Bank fest – auch wenn das höhere Zinsen bedeute. Denn: „Die Fed reagiert mit ihrer strikten Geldpolitik lediglich auf die weiterhin robust laufende US-Wirtschaft. Und genau das stützt mittelfristig die Aktienmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks.“

Ökonomen zweifeln an Wirtschaftsprognose

Dass es tatsächlich so kommt, stellt Pimco-Expertin Wilding aber infrage. „Wir halten das Eintreten einer Rezession für genauso wahrscheinlich wie deren Ausbleiben.“

„Wir halten das Eintreten einer Rezession für genauso wahrscheinlich wie deren Ausbleiben.“
Tiffany Wilding, Managing Director and Economist bei Pimco

Auch Ökonom Andreas Busch vom Vermögensverwalter Bantleon ist skeptisch. Seiner Einschätzung nach spiegeln die neuen Prognosen der Fed ein Idealszenario wider und stellen einen Widerspruch dar.

Denn würde die Wirtschaft, wie von der Fed prognostiziert, kaum an Fahrt verlieren und die Arbeitslosenquote niedrig bleiben, würde dadurch auch der Inflationsdruck hoch bleiben. „Das würde aber erneute Zinserhöhungen erforderlich machen“, argumentiert Busch.

Bereits zuletzt hatte sich gezeigt, dass sich der Rückgang der US-Inflation abschwächt. Im August war die Inflationsrate sogar wieder gestiegen. Ein Grund dafür ist der wieder stärkere Ölpreis.

Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins am Mittwochabend nicht weiter erhöht. Entgegen der Erwartungen der Wall Street ist jedoch erst im September 2024 mit der ersten Zinssenkung zu rechnen, erklärt Markus Koch.

Wilding und Busch sind allerdings der Ansicht, dass die Zinserhöhungen der Fed noch gar nicht vollständig in der US-Wirtschaft angekommen sind. Der Bantleon-Ökonom erklärt: „Wir sehen gute Gründe dafür, dass die stärkste geldpolitische Straffung seit vier Jahrzehnten zeitverzögert die Konsum- und Investitionsnachfrage deutlich bremsen und schließlich zu BIP-Rückgängen und einer Rezession führen wird.“

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Chefanlagestratege Marc Haefele von der Schweizer Bank UBS rechnet sogar bereits im vierten Quartal mit einer schwächeren US-Wirtschaft: „Das würde unsere Erwartungen für eine Phase stärkerer Schwankungen bei den Aktien unterstützen.“

Er rät vor diesem Hintergrund zu Aktien, die schwächer als der Markt gelaufen sind und noch Aufholpotenzial haben. Dazu gehören für ihn der gleichgewichtete S&P 500, defensivere Sektoren und Aktien aus Schwellenländern. Bei Anleihen rät er zu qualitativ hochwertigen Zinspapieren wie US-Treasuries und Unternehmensanleihen mit Investment-Grade.

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