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  4. Inflation in der Euro-Zone: Rate bei 4,1 Prozent wegen Energiepreisen

VerbraucherpreiseInflation in der Euro-Zone steigt auf höchsten Stand seit 13 Jahren

Hohe Energiepreise treiben die Teuerung im Euro-Raum weiter an: Im Oktober liegt die Inflationsrate bei 4,1 Prozent. Auch Lebensmittel verteuerten sich besonders stark.Marie Vandenhirtz und Jan Mallien 29.10.2021 - 12:18 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Volkswirte der EZB gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise nach 2022 wieder unter das Ziel von zwei Prozent fallen.

Foto: Bloomberg

Frankfurt/Luxemburg. Die Inflation im Euro-Raum ist im Oktober weiter gestiegen. Die Verbraucherpreise kletterten um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das europäische Statistikamt Eurostat auf Basis einer Schnellschätzung mitteilte.

Dies ist der höchste Wert seit Juli 2008. Er liegt über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Inflation von zwei Prozent für den Währungsraum anstrebt. Schon im September lag die Inflation bei 3,4 Prozent. Am Donnerstag hatte das Statistische Bundesamt bereits für Deutschland eine Inflationsrate von 4,5 Prozent für Oktober vermeldet. Diese berechnet sich etwas anders als das europäische Inflationsmaß.

Stärkster Preistreiber war im Oktober Energie, die sich um 23,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr verteuerte. Im September hatte der Anstieg dort noch bei 17,6 Prozent gelegen. Klammert man Energie und unverarbeitete Lebensmittel aus, lag die Inflationsrate im Oktober bei 2,1 Prozent.

„Die Energie hat damit maßgeblich zum Anstieg der Inflationsrate beigetragen“, urteilt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Er geht davon aus, dass die Inflationsrate im November ihren Hochpunkt erreichen wird und dann ab Anfang 2022 wieder deutlich niedriger ausfallen wird.

Andrew Kenningham, Ökonom von Capital Economics, sieht das ähnlich. Er verweist allerdings auf gestiegene Risiken, dass die Inflation länger über zwei Prozent verharren könnte. Solange abzusehen sei, dass die Angebotsengpässe nachlassen, dürfte das aus seiner Sicht aber keinen großen Einfluss auf die Geldpolitik haben.

Viele Experten gehen von vorübergehendem Effekt aus

Die EZB und viele Ökonomen argumentieren, dass der Preisanstieg hauptsächlich auf vorübergehende Sonderfaktoren zurückzuführen ist. Dazu zählen zum Beispiel sogenannte Basiseffekte, die sich bei den Energiepreisen bemerkbar machen. In der Pandemie war der Ölpreis drastisch eingebrochen.

Dadurch liegt er nun im Vergleich zu den sehr niedrigen Vorjahreswerten entsprechend höher. Dieser Effekt dürfte auslaufen, wenn die Vergleichswerte wieder höher liegen. Hinzu kommen pandemiebedingte Lieferengpässe und Nachholeffekte beim Konsum.

In Deutschland macht sich außerdem die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer im vergangenen Jahr bemerkbar. In der zweiten Jahreshälfte 2020 hatte die Bundesregierung diese von 19 auf 16 Prozent gesenkt, wodurch die Preise im vergangenen Jahr ebenfalls gedrückt wurden und jetzt entsprechend höher liegen.

EZB-Mitglieder bewerten Inflationsrisiken unterschiedlich

Notenbankchefin Christine Lagarde bekräftigte zuletzt ihre Sicht, dass es sich bei der hohen Inflation um ein vorübergehendes Phänomen handelt. Auf ihrer Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung am Donnerstag räumte sie allerdings ein, dass die Phase hoher Inflation länger anhalten könnte als zunächst erwartet. Sie gehe aber weiter davon aus, dass sich die Preisentwicklung im Laufe des kommenden Jahres abschwächt.

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Wenn die Energiepreise auf dem aktuellen Niveau bleiben oder weiter steigen, könnten sie auch in der ersten Jahreshälfte 2022 noch für eine hohe Inflation sorgen – und so auch den Jahresdurchschnitt nach oben treiben.

Innerhalb des EZB-Rats diskutieren die Mitglieder kontrovers über die Inflationsrisiken. Eine kritische Frage in der Debatte ist, welche Eigendynamik hohe Preise entfalten, wenn sie länger anhalten. Manche Vertreter warnen vor sogenannten Zweitrundeneffekten. Dazu kann es kommen, wenn die Tarifparteien bei ihren Lohnverhandlungen mehr Inflation einkalkulieren und entsprechend höhere Lohnabschlüsse vereinbaren. EZB-Präsidentin Lagarde betonte, dass die Notenbank die Lohnentwicklung sehr genau beobachtet. Aktuell sieht sie aber keine Anzeichen für deutlich höhere Lohnabschlüsse.

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