US-Dollar: Für eine starke US-Währung gibt es drei gute Gründe
Ausschlaggebend für den Dollar-Aufschwung sind drei Gründe: die relativ hohen Zinsen in den USA, die Wachstumsstärke der größten Volkswirtschaft der Welt sowie deren Verschuldung.
In den USA sind die Zinsen derzeit zwischen eins und 1,25 Prozentpunkte höher als in der Euro-Zone. Aus diesem Grund legen Investoren ihr Kapital lieber in den USA an, was der Währung dort Auftrieb gibt. Dieser Effekt dürfte sich verstärken, weil die Differenz möglicherweise noch größer wird.
Während die Europäische Zentralbank (EZB) bereits in diesem Monat mit einer ersten Zinssenkung seit fünf Jahren die geldpolitische Wende eingeleitet hat, ist derzeit noch völlig unklar, wann die US-Notenbank Fed nachziehen wird. Die Währungshüter signalisierten zuletzt, dass angesichts des noch immer recht hohen Preisdrucks, der starken Konjunktur und wegen des robusten Arbeitsmarkts in diesem Jahr maximal ein Zinsschritt nach unten drin sein dürfte. Manche Ökonomen erwarten sogar gar keine Zinssenkung mehr.
Beim zweiten Grund ist es strittig, ob die besondere Wachstumsstärke der USA dem Dollar wirklich hilft oder ihn schwächt. Skeptiker argumentieren, dass in den USA zwar mehr produziert wird, aber die US-Konsumenten einen Großteil ihres Einkommens für ausländische Produkte ausgeben. Daher wächst die heimische Nachfrage nach US-Gütern nicht im gleichen Tempo mit der Produktion.
Erst am Donnerstag veröffentlichte Daten zeigen, dass die US-Wirtschaft mehr Güter und Dienstleistungen importiert als exportiert. Die Leistungsbilanz der USA im ersten Quartal weist ein deutliches Defizit von gut 237 Milliarden Dollar aus.
Folglich müssten US-Produkte im Ausland billiger werden, damit sie dort mehr Abnehmer finden. Das ginge aber nur mit einem schwächeren Dollar, da die Preise nicht schnell genug in der Breite nachgeben können.
Begehrte US-Produkte
Vieles spricht aber für eine andere Sichtweise: Gemessen am Bruttoinlandsprodukt importiert die US-Wirtschaft in der Tendenz immer weniger. In den vergangenen zwölf Jahren ist der Anteil um ein knappes Fünftel auf 14 Prozent gesunken. Analysten der Commerzbank leiten die Wachstumsstärke der USA vor allem daraus ab, dass US-Güter und -Dienstleistungen, maßgeblich aus den besonders gefragten Technologiesparten, international immer begehrter werden.
Der Hype um den inzwischen weltweit höchsten Börsenwert Nvidia und die Übermacht der Handvoll Tech-Riesen im internationalen Aktienindex MSCI World sind Beleg dafür. Die extreme Nachfrage nach deren besonderen Produkten im Ausland führt zu einem stärkeren Dollar, da die Ware in Dollar verkauft wird. Weil dieser Trend anhalten dürfte, sehen Analysten noch viel Potenzial beim Dollar.
Darüber hinaus könnte selbst die stark steigende Verschuldung der USA den Dollar stärken. Die Regierung muss für ihre immer weiter steigenden Schulden höhere Zinsen für US-Staatsanleihen bieten, über die sie ihre Ausgaben finanziert. Solange die internationalen Investoren sich nicht zu sehr wegen der Verschuldung sorgen und die Bonds kaufen, nimmt die Nachfrage nach Dollar zu, was die Devise teurer macht.
Sollten Investoren jedoch irgendwann an der Schuldentragfähigkeit zweifeln, dürfte die Fed wohl einspringen und die Bonds kaufen – und somit die Schuldenlast tragen. Das gilt momentan jedoch als wenig wahrscheinlich.
Daher sollten sich Anleger mit einem starken Dollar anfreunden, der ihnen Chancen bei US-Anleihen und -Aktien bietet. Aber auch internationale Firmen, die einen Großteil ihres Geschäfts in den USA machen, dürften profitieren.