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Digitale Währungen„Eine neue Generation des E-Commerce“ – Visa-Krypto-Chef glaubt an Online-Shopping mit Krypto-Geld

Cuy Sheffield erklärt, warum der Kreditkartenkonzern stark auf NFTs setzt und wie er die alte Finanzwelt mit Kryptowährungen verbinden will.Astrid Dörner 02.12.2021 - 16:43 Uhr Artikel anhören

Das entsprechende NFT hat Visa für 150.000 Dollar gekauft.

Foto: Unsplash (M)

New York. Cuy Sheffeild war lange der „nervige Krypto-Typ“. Der Manager hat es sich zur Aufgabe gemacht, Visa zum Einstieg in die Kryptowelt zu bewegen. Immer wieder löcherte er Kollegen, um dafür die richtigen Wege und Konzepte zu finden.

Heute hat er alle Widerstände überwunden und führt als Krypto-Chef des Kreditkartenkonzerns eine groß angelegte Initiative. Sheffield sieht großes Potenzial beim Thema NFTs. Das sind digitale Echtheitszertifikate, die auf der Blockchain abgebildet werden und gerade die digitale Kunstwelt auf den Kopf stellen. Das sei jedoch erst der Anfang, ist Sheffield überzeugt.

NFTs können in vielen Bereichen eine Rolle spielen, in neuen sozialen Medien, aber auch bei Konzerttickets und im Sport, wenn es um Sammlerstücke und die Anbindung von Fans geht“, sagt Sheffield. „Für uns sieht es so aus, als könnte sich hier die neue Generation des E-Commerce abzeichnen.“

Auch in den 1990er-Jahren hätte Visa eine wichtige Rolle dabei gespielt, Kreditkartenzahlungen über das Internet sicher zu machen und somit den Wandel zum Onlineshopping zu ermöglichen. Ähnliches hat Visa nun wieder vor. Der Kreditkartenkonzern hat zum Potenzial der NFTs ein Whitepaper veröffentlicht und spricht nun mit Händlern, aber auch mit Banken.

Für den Kreditkarten-Anbieter bedeuten Kryptowährungen keine Konkurrenz zu traditionellen Währungen. Sheffield will Visa zu einer Art Brückenbauer zwischen den digitalen und den regulären Währungen machen, aber auch zwischen der klassischen und der neuen blockchainbasierten Finanzwelt.

Lesen Sie hier das gesamte Gespräch mit Cuy Sheffield

Herr Sheffield, wie wichtig sind digitale Währungen für Visa?
Schon seit 2018 widmen wir dem Thema viel Zeit und haben ein Produktteam für Kryptowährungen aufgebaut und haben jede Menge vor. Wir wollen eine Art Brückenbauer werden, zum einen zwischen Kryptobörsen und Einzelhändlern. Und zum anderen auch zwischen dem klassischen Finanzsystem und der Kryptowelt. Der erste Schritt war, dass wir zu einer Art Zufahrtsrampe für Coinbase, FTX und andere Börsen geworden sind.

Sie helfen also dabei, dass Kunden mit ihrer Debitkarte Bitcoin und andere digitale Währungen kaufen können?
Wir wollten es einfacher machen für die Nutzer, Kryptowährungen zu kaufen und diese auch als Zahlungsmittel zu verwenden. Und dadurch haben wir festgestellt: Es gibt auch einen Bedarf für Debitkarten, die von uns gemeinsam mit Kryptobörsen herausgegeben werden und Rabatte zum Beispiel direkt in Kryptowährungen auszahlen können. Zum Visa-Netzwerk gehören 70 Millionen Händler weltweit. Wer zum Beispiel eine Visa-Karte von Coinbase hat, kann auf sein Kryptodepot zurückgreifen, um damit im Laden zu bezahlen.

Er will Visa zum Brückenbauer zwischen digitalen und regulären Währungen machen.

Foto: Visa

Wobei die Kryptowährungen kurz vor dem Bezahlen in lokale Währungen wie Euro oder Dollar umgewandelt werden.
Genau. Dabei ist wichtig, dass nicht jede Transaktion mit Kryptowährungen getätigt werden muss. Die Kunden können auch regulär mit Euro oder Dollar bezahlen. Aber falls sie zum Beispiel mit Bitcoin bezahlen wollen, die in ihrem Depot liegen, dann können sie das tun.

Wie funktioniert das konkret?
Angenommen, Sie haben eine Visa-Debitkarte von Coinbase. Dann wählen Sie über die App aus, dass Sie mit Bitcoin bezahlen wollen. Coinbase wandelt die Bitcoin dann im Moment des Bezahlens in Dollar um, sodass der Händler regulär Dollar in der Kasse hat. Für den Händler sieht die Transaktion damit genau gleich aus, als wenn sie von einer regulären Debitkarte getätigt wurde. Und die Kunden ersparen sich lästige Schritte. Klassischerweise muss man Kryptowährungen verkaufen und die erlösten Dollar zurück auf sein Bankkonto überweisen, bevor man das Geld dann im Laden ausgeben kann.

Non Fungible Token
NFT steht für Non-Fungible Token. Das ist ein digitales Echtheitszertifikat, das auf einer Blockchain abgebildet wird. Dadurch lässt sich zum Beispiel zuordnen, wem ein digitales Kunstwerk oder Sammlerstück gehört. Diese Token sind daher anders als die größte digitale Währung Bitcoin nicht austauschbar („fungible“).NFTs haben in diesem Jahr einen beispiellosen Boom erlebt. Allein im dritten Quartal stieg das Transaktionsvolumen auf 10,7 Milliarden Dollar, wie aus Zahlen des Analysehauses Dapp-Radar hervorgeht. Im Vergleich zum zweiten Quartal ist das ein Plus von mehr als 700 Prozent. Nutzer bezahlen zum Teil mehrere Millionen Dollar, um das Original eines digitalen Bildes im JPG-Format zu besitzen. Das hat auch Diskussionen um eine Blase ausgelöst. Die zugrundeliegende Technologie hat abseits des Hypes jedoch bereits eine Reihe von Anwendungen, zum Beispiel in Videospielen.

NFTs sind derzeit der neuste große Hype der Kryptowelt. Visa hat für 150.000 Dollar ein digitales Kunstwerk aus der beliebten Reihe der Kryptopunks gekauft. Warum?
Wir halten NFTs für eine der wichtigsten Entwicklungen im Bereich des Onlinehandels und haben dazu auch ein Konzeptpapier veröffentlicht, um zu erklären, was in Zukunft alles möglich sein könnte. Daher war es uns wichtig, dass wir selbst ausprobieren, wie es funktioniert, ein NFT zu kaufen, wo man es aufbewahrt. Visa hat in den vergangenen 60 Jahren eine ganze Reihe an historischen Gegenständen gesammelt, um den Wandel zu dokumentieren. Sie erinnern sich vielleicht noch an diese Ritsch-ratsch-Maschinen, mit denen man Durchschläge von Kreditkarten erzeugt hat. Die sind auch Teil der Sammlung.

NFTs sind vereinfacht gesagt digitale Echtheitszertifikate, die auf einer Blockchain abgebildet werden. Der Hype stellt gerade die Welt für digitale Kunst auf den Kopf. Wie will Visa da mitmischen?
NFTs können in vielen Bereichen eine Rolle spielen, in neuen sozialen Medien, aber auch bei Konzerttickets und im Sport, wenn es um Sammlerstücke und die Anbindung von Fans geht. Für uns sieht es so aus, als könnte sich hier die neue Generation des E-Commerce abzeichnen. Sie erinnern sich vielleicht: Am Anfang haben sich viele nicht getraut, mit ihrer Kreditkarte im Internet zu bezahlen. Auch da haben wir eine wichtige Rolle gespielt und wollen das nun wieder tun.

Das müssen Sie genauer erklären.

Ein NFT zu kaufen ist im Moment noch ziemlich kompliziert. Man muss sich über eine Kryptobörse die entsprechende digitale Währung besorgen, diese dann an eine bestimmte Wallet schicken und von ihr aus dann das NFT kaufen. Wir glauben jedoch, dass NFTs genauso einfach zu erwerben sein sollten wie andere Dinge, die wir online kaufen: Mit einer Karte, die man bei seinem favorisierten digitalen Kunstmarkt hinterlegt hat. Damit würden wir das NFT-Commerce-System von der Bedingung entkoppeln, dass NFTs mit einer Kryptowährung gekauft werden müssen. Auch für die Verkäufer von NFTs würde es damit einfacher werden, ihre digitalen Produkte sicher an den Kunden zu schicken. Wir führen dazu gerade viele Gespräche mit Händlern.

Und dafür würden Sie dann eine Gebühr verlangen?
Wir glauben, dass dies eine wichtige Gelegenheit für Visa ist, neue Dienstleistungen für Händler anzubieten. Das ist ein wichtiger Schritt, damit NFTs im Mainstream ankommen. Wir sind noch ganz am Anfang dieser Entwicklung. Aber wir sehen hier eine Parallele zu den Anfängen des Internets in den 1990er-Jahren. Noch gibt es in der Kryptowelt viele Reibungspunkte, und wir können dabei helfen, diesen Prozess einfacher zu gestalten.


Vita: Cuy Sheffield
Cuy Sheffield war Manager beim Fintech Trialpay aus San Francisco, das 2015 von Visa übernommen wurde. Seit 2018 befasst er sich bei Visa mit dem Thema Blockchains und wurde vor zwei Jahren zum Krypto-Chef ernannt.
Privat investiert Sheffield in digitale Kunst von afroamerikanischen Künstlern. Er sieht NFTs als einen Weg, um ihnen mehr Gehör und mehr finanzielle Vorteile zu geben, als das dies in der traditionellen Kunstszene der Fall ist.


Was würde das für die Kryptoszene bedeuten, wenn Visa die NFTs von den digitalen Währungen abkoppeln würde?
Meiner Meinung nach würde es die Adoption von Kryptowährungen deutlich beschleunigen. Am Anfang haben viele Nutzer Kryptowährungen gekauft, um damit zu spekulieren. Jetzt gibt es allerdings eine ganze Reihe von Anwendungen, die nichts mit Finanzen oder Investieren zu tun haben. Die Krypto-Wallet…
...also die digitale Geldbörse, in der wir unsere Kryptowährungen und NFTs aufbewahren,
...kann zu einer Art neuem sozialem Netzwerk werden. Dort kann man Kunst, Musik, und Sammlerstücke halten, die wir wirklich gern besitzen und die wir mit anderen Seiten verbinden können, um mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. Wir glauben, dass es eine endlose Zahl an Anwendungen gibt, die man auf Basis der Blockchain-Technologie entwickeln kann. Dafür muss die Nutzung jedoch deutlich einfacher werden.

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Sie wollen es auch für Banken einfacher machen, Kryptowährungen anzubieten. Wie ist da der aktuelle Stand?
Wir wollen zur Schnittstelle zwischen Banken und dem Krypto-Ökosystem werden. Daher schauen wir uns gerade an, wie Banken am ehesten Kryptowährungen integrieren wollen und welche Schnittstellen Visa hier liefern kann.

Und?
Viele Banken interessieren sich zunächst einmal dafür, ebenfalls Debitkarten mit Bitcoin-Cashback anzubieten. Da sehen die Institute im Moment eine sehr große Nachfrage. Dafür müssen sie Zugang zu der Kryptowährung bekommen und diese auch irgendwo lagern können. Hier haben wir ein Pilotprojekt gestartet. Darauf kann man dann eine ganze Reihe von anderen Diensten aufbauen, zum Beispiel den Handel mit Kryptowährungen. Fintechs wie Paypal und Revolut bieten jetzt ja auch schon an, Krypto- und klassische Währungen in einer digitalen Geldbörse zu vereinen.

Kriegen Sie keinen Druck von Regulierungsbehörden?
Wir spüren die grundsätzliche Auffassung, dass Kryptowährungen nicht mehr verschwinden werden. Daher ist es wichtig, dass es große, globale und neutrale Marken gibt, die wie wir jahrzehntelange Erfahrung bei Bezahlsystemen und auch beim Thema Compliance haben. Wir sind im engen Austausch mit Notenbanken, Regulierern und Politikern auf der ganzen Welt. Und wir arbeiten mit den ältesten Banken zusammen, genauso wie mit schnell wachsenden Fintechs. Für unsere Krypto-Kunden haben wir eine verschärfte Form der Due Diligence und setzen dafür auch moderne Analysetools ein. Der Bereich wächst so schnell, daher ist es wichtig, dass es einen regen Austausch gibt.

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Herr Sheffield, vielen Dank für das Interview.

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