Kryptowährungen: Bitcoin fällt unter 30.000 Dollar – Kryptomarkt verliert 80 Milliarden Dollar an Wert
Beide Kryptowährungen verzeichnen derzeit sinkende Kurse.
Foto: action pressFrankfurt. Wer in der ersten Hälfte des Jahres am Kryptomarkt bei hohen Kursen eingestiegen ist, dürfte diesen Moment gefürchtet haben: Die Digitalwährung Bitcoin ist am Dienstag unter die Marke von 30.000 US-Dollar gefallen. Am Mittag kostete die älteste und gemessen an der Marktkapitalisierung größte Kryptowährung laut Daten des Analysehauses Coinmarketcap im Tief 29.362 Dollar. Noch im April vermeldete der Bitcoin einen Höchststand bei knapp 65.000 Dollar.
Viele Händler halten die Marke von 30.000 Dollar für eine wichtige Stütze. Fällt der Kurs nachhaltig unter dieses Niveau, könnte das weitere Verkäufe auslösen, die wiederum fallende Kurse mit sich bringen könnten.
Zuletzt war der Bitcoin-Kurs am 22. Juni unter 30.000 Dollar gerutscht. Damals gab es ähnliche Bedenken, letztendlich nutzten aber Großinvestoren wie Cathie Wood den Rücksetzer zu Schnäppchenkaufen und stoppten den Kursverfall bei knapp unter 29.000 Dollar. Von dort startete die Kryptowährung eine Gegenbewegung und lag zwei Tage später wieder bei knapp 34.000 Dollar.
Ob sich eine solche Gegenbewegung aktuell wiederholen kann, ist bislang noch fraglich. Zuletzt war das Handelsvolumen so niedrig wie im vergangenen Oktober, das lässt auf eine geringe Nachfrage schließen.
Timo Emden, Marktanalyst bei Emden Research, sieht derzeit noch ein kleines Polster für den Bitcoin, bevor es weiter abwärtsgehen könnte: „Sollte der Kurs nachhaltig unter die Marke von 28.000 Dollar fallen, drohen weitere Kursturbulenzen. Anleger müssten sich spätestens dann mit der Marke von 20.000 Dollar auseinandersetzen.“
Auch andere Digitalwerte wie Ether standen unter Druck. Die nach dem Bitcoin zweitgrößte Digitalwährung gab bis auf ein Tagestief von 1722 Dollar nach. Der Wert aller Kryptowährungen kombiniert sank in der Spitze um 80 Milliarden Dollar.
Ether hat damit in den vergangenen fünf Tagen um mehr als 13 Prozent nachgegeben, nachdem der Kurs in den vergangenen Monaten immer wieder angezogen hatte. Auf zwölf Monate gerechnet verzeichnet die Kryptowährung noch immer ein Plus von über 630 Prozent.
Grund für die Rally ist unter anderem, dass viele der immer beliebter werdenden Anwendungen im sogenannten dezentralen Finanzsystem, kurz Defi, auf der Ethereum-Blockchain laufen. Dabei wird Ether, die Währung der Ethereum-Blockchain, für viele Transaktionen im Defi-Bereich gebraucht.
Harte Regulierung, schlechte Aktienmarktstimmung
Für den Druck, der aktuell auf dem Kryptomarkt lastet, gibt es verschiedene Gründe. Einerseits verschärften Staaten wie China ihre Regulierung und gehen gezielt gegen Kryptowährungen und die Betreiber von Unternehmen vor, die Rechenleistung für das Schaffen neuer Bitcoins zur Verfügung stellen. Viele der sogenannten Miner wandern derzeit in andere Staaten wie etwa Kasachstan ab oder sind auf der Suche nach neuen Standorten.
Anfang dieser Woche sorgte zudem die malaysische Regierung für Aufmerksamkeit, als sie in einer medienwirksamen Aktion Rechner im Wert von über einer Million Euro mit einer Straßenwalze zerstören ließ. Die Rechner sollen dem illegalen Mining von Kryptowährungen gedient haben, dabei sollen die Betreiber Strom gestohlen haben, sodass es zu Problemen in der Elektrizitätsversorgung gekommen sei, wie unter anderem der US-Nachrichtensender CNBC berichtete.
US-Finanzministerin nimmt Stablecoins ins Visier
Zudem drängt mittlerweile die US-Finanzministerin Janet Yellen die führenden Aufsichtsbehörden dazu, neue Regeln zur Überwachung sogenannter Stablecoins schneller zu prüfen. Stablecoins sind eine besondere Art von Kryptowährungen, die besonders im dezentralen Finanzwesen von Bedeutung sind. In den letzten Monaten haben sie ein besonders schnelles Wachstum an den Tag gelegt, was Aufseher teils mit Sorge beobachten.
„Die Ministerin unterstrich die Notwendigkeit, schnell zu handeln, um sicherzustellen, dass ein angemessener US-Regulierungsrahmen vorhanden ist“, erklärte das Finanzministerium am Montag in einer Stellungnahme nach einer Sitzung der Finanzmarkt-Arbeitsgruppe des Präsidenten. Die Gruppe „erwartet, in den kommenden Monaten Empfehlungen herauszugeben“, heißt es in der Erklärung.
Der Wert eines Stablecoins ist an einen Gegenwert gekoppelt, beispielsweise eine nationale Währung wie den US-Dollar. Er wird durch Reserven dieses zugrunde liegenden Vermögenswerts gedeckt. Besonders beliebt in der Kryptowelt sind die Stablecoins Tether oder USDC.
Auch die zuletzt schlechtere Aktienmarktstimmung lastet auf risikobehafteten Anlagewerten, zu denen auch Kryptowährungen zählen. Außerdem verstärken große Zentralbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Bemühungen, im Rennen um die neuartigen Digitalwährungen nicht ins Hintertreffen zu gelangen.
Analysten warnen vor Konsolidierung
Einige Analysten sagen nun eine Abkühlung der Stimmung auf dem Kryptomarkt voraus. „Es könnte nun eine längere Phase der Konsolidierung folgen, bevor es zur nächsten Rally kommt“, prognostiziert Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. „In der Zwischenzeit müssen die Anleger akzeptieren, dass eine verstärkte Regulierung dieses Marktes unausweichlich ist.“
Kryptowährungen wie Bitcoin sind extrem schwankungsanfällig. Das zeigt sich schon daran, dass sich der Wert eines Bitcoins innerhalb von gerade einmal drei Monaten knapp halbiert hat. Dass die Kurse vieler Digitalwährungen nach dem Bitcoin- Rekordhoch von Mitte April einbrachen, überraschte Brancheninsider wenig. Sie betrachten die starke Volatilität als Teil des Marktes.
Bevor es zu einem neuen Bullenmarkt kommen könne, müsse eine neue Basis geschaffen werden, sagt Vijay Ayyar, Leiter des asiatisch-pazifischen Raums bei der Kryptowährungsbörse Luno in Singapur. Er prognostiziert: „Wir werden den Rest des Jahres zwischen 20.000 und 40.000 Dollar liegen.“