Rohstoffe: Riskante Neuordnung: Südamerika baut Position als globaler Öllieferant aus
Salvador. Es waren martialische Worte, die Venezuelas Diktator Nicolás Maduro erst vor wenigen Tagen auch an den Nachbarstaat Guyana richtete. „Wir werden für das kämpfen, was uns gehört“, drohte er. Die Regierung in Caracas hatte zuvor eine umstrittene Volksbefragung durchgeführt, um die seit langem erhobenen Ansprüche auf einen Teil des Nachbarlandes Guyana neu zu legitimieren.
Guyana, bislang eines der ärmsten Länder der Welt, exportiert Öl in wachsendem Umfang. Schon 2025 könnte das Land, das weniger als einer Million Einwohnern zählt, mehr ins Ausland verkaufen als die vier traditionell wichtigsten Ölförderer Südamerikas zusammen. Damit würde das Land von der Größe Rumäniens zum Big Player, nämlich gerechnet pro Kopf zum größten Ölexporteur der Welt.
Das schafft Begehrlichkeiten: Beobachter des von Venezuela künstlich angefachten Konflikts schließen nicht mehr aus, dass Maduro auch militärisch versuchen könnte, sich die rohstoffreiche Region Guyanas einzuverleiben. Mehrere südamerikanische Länder hatten Venezuela und Guyana aufgerufen, den Streit friedlich zu klären.
Die Ereignisse in der Karibik zeigen: In Lateinamerika verlieren traditionelle Ölnationen wie Venezuela den Anschluss, neue Produzenten wie Guyana steigen auf. Die Entwicklung birgt ein hohes Konfliktpotenzial in sich. Das führt der Konflikt zwischen Venezuela und Guyana der Welt exemplarisch vor Augen – mit Auswirkungen auf den globalen Ölmarkt.