1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Märkte
  4. Marktberichte
  5. Trump beruhigt die Märkte – vorerst

BörseTrump beruhigt die Märkte – vorerst

Eine dramatische Börsenwoche endet mit guten Nachrichten. Anleger wagen sich aus der Deckung. Doch die kommende Woche bringt neue Risiken.Astrid Dörner 14.03.2020 - 10:37 Uhr

Der US-Präsident hat wegen des Coronavirus den nationalen Notstand ausgerufen.

Foto: REUTERS

New York. Endlich bekommen die Investoren, was sie gefordert haben. US-Präsident Donald Trump rief am Freitag kurz vor Börsenschluss in New York den nationalen Notstand aus und kündete eine Reihe von neuen Maßnahmen an, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Das sorgte für eine Erleichterungsrallye an der Wall Street. 

Der Leitindex Dow Jones und der breiter gefasste S&P 500 schlossen knapp zehn Prozent im Plus. Nach Börsenschluss folgte dann eine weitere gute Nachricht. Nancy Pelosi, die Mehrheitsführerin im demokratisch geführten Repräsentantenhaus signalisierte, sie habe sich mit Trumps Republikanern auf ein Stimuluspaket geeinigt, das ihre wichtigsten Forderungen enthält und noch in der Nacht zum Samstag von ihrer Kammer verabschiedet wurde.

Die guten Nachrichten beenden eine historische und dramatische Börsenwoche: Schon am Montag zog der scharfe Ölpreisrutsch die Aktien tief ins Minus. Am Mittwoch beendete der Dow Jones den längsten Bullenmarkt aller Zeiten, am Donnerstag folgte der S&P 500. Auch das Who-is-Who der Wall Street, das am Mittwoch im Weißen Haus versammelt war, konnte US-Präsident Donald Trump nicht zu einem schnellen fiskalpolitischen Hilfspaket bewegen. 

Nach dem von Trump überraschend verhängten Einreisestopp für Europäer hatte der S&P am Donnerstag rund zehn Prozent verloren und den größten Kurssturz seit dem „Schwarzen Montag“ von 1987 verzeichnet. Mehrmals sprangen die sogenannten Circuit-Breaker an, die den Handel automatisch um 15 Minuten aussetzen, wenn der S&P 500 um mehr als sieben Prozent einbricht. Das soll verhindern, dass die Kurse ins Bodenlose fallen. Am Freitag folgte immerhin die größte Tages-Rallye seit der Finanzkrise. Händler sind sich einig, es war die wildeste Woche seit 2008.

Die Bilanz bleibt trotz der Rallye vom Freitag düster: Die großen Aktien-Indizes haben seit Jahresbeginn rund 18 Prozent an Wert verloren. Die Geschwindigkeit, mit der der Bärenmarkt eintrat – ein Kursrutsch von mindestens 20 Prozent vom letzten Rekordhoch – war ebenfalls Rekord. Noch nie ging es so schnell so tief abwärts.

Turbulenzen in allen Anlageklassen

Doch es waren nicht nur Aktien: US-Staatsanleihen legten an einem Tag zu, fielen am nächsten Tag wieder. Devisen waren so volatil wie lange nicht mehr. Der Goldpreis fiel allein am Freitag um knapp fünf Prozent, nicht das, was man von einem sogenannten sicheren Hafen erwarten würde. Die größte digitale Währung Bitcoin, stürzte um rund 50 Prozent ein. Zudem zogen die Renditeaufschläge bei Schuldtiteln an, was die US-Notenbank zu neuen Eingriffen in Billionenhöhe veranlasste.

Nach den guten Nachrichten geben sich die ersten Investoren verhalten zuversichtlich. Doch viele Probleme und Unsicherheiten bleiben, was in den kommenden Tagen und Wochen zu neuen Turbulenzen an den Märkten führen könnte.

Die Optimisten halten Ausschau nach guten Kaufgelegenheiten, auch wenn sie noch nicht das Ende der Turbulenzen ausgerufen haben. Stephanie Link, führende Aktienstrategin bei TIAA Investments hält Cisco und Home Depot für solide Titel, die derzeit günstig zu haben sind und in einigen Monaten wieder deutlich zulegen können, erklärte sie im US-Börsensender CNCB. Gleiches gelte für Chewy, einem Online-Lieferanten für Hundefutter.

Auch der Analyst und frühere Hedgefondsmanager Whitney Tilson gibt sich zuversichtlich. „Die Kurseinbrüche waren natürlich schmerzhaft, doch man muss auch sagen: Aktien sind jetzt sehr billig“, gab er zu bedenken. Dass die Regierung die Corona-Krise nun endlich ernst nehme, sei ein gutes Zeichen. Und die US-Wirtschaft sei in guter Verfassung. „Die Haushalte sind deutlich weniger verschuldet als vor der Krise 2008.“

Eine andere Dimension als frühere Krisen

Wie lange die gute Stimmung vom Freitag anhält, muss sich zeigen. Das vom Repräsentantenhaus verabschiedete Simulus-Paket muss noch durch den republikanisch geführten Senat und braucht die Unterschrift von US-Präsident Trump. Am Mittwoch steht der Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve an. 

Ökonomen wie Torsten Slok von der Deutschen Bank gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen um einen ganzen Prozentpunkt auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent senken wird. So eine drastische Maßnahme hat es zuletzt Ende 2008, drei Monate nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers gegeben.

Und die Angst der Investoren sitzt nach der vergangenen Woche tief. „So einen Tag wie den Donnerstag habe ich seit der Finanzkrise nicht gesehen – so extreme Angst, so viel Kapitulation“, sagt ein Händler, der seinen Namen lieber nicht im Internet lesen will.

Das Corona-Virus hat eine andere Dimension als frühere Krisen. „Wir können mit Adrenalin umgehen, mit Angst, mit Bären- und mit Bullenmärkten“, sagt Peter Tuchman von Quattro M Securities, dem „Wall Street Journal“, der mit 35 Dienstjahren einer der erfahrensten Händler der New York Stock Exchange ist. „Wir werden nicht emotional, wenn es ums Geld geht. Aber wenn unsere Gesundheit auf dem Spiel steht, dann zehrt das an den Nerven.“ 

Ein anderer gestand der Zeitung: „Ich habe mich gerade unter meinem Schreibtisch übergeben. Könnte Corona sein oder einfach die Situation an den Anleihemärkten. Beides ist schlecht.“

Die Lage hat sich seit Donnerstag für Menschen überall auf der Welt dramatisch verschärft, auch in den USA. Schulen bleiben geschlossen, Großveranstaltungen werden abgesagt. Am Broadway in New York gingen die Lichter aus. Eine Reihe von Banken haben ihre Notfallpläne aktiviert, trennen ihre wichtigsten Händler räumlich voneinander. Die Börsenbetreiber CME und CBOE haben ihre Handelssäle geschlossen und setzten komplett auf elektronischen Handel.

Verwandte Themen
Donald Trump
Fed
S&P 500
USA
New York Stock Exchange
Dow Jones

Die New York Stock Exchange will den traditionsreichen Parketthandel vorerst weiter betreiben, wie NYSE-Chefin Stacey Cunningham erklärte. Doch die Vorkehrungen wurden auch dort verschärft: Besucher haben keinen Zutritt mehr. Die Händler essen in einer separaten Kantine und haben einen separaten Eingang, um sie von den anderen Mitarbeitern der Börse abzuschirmen. Wie es in der nächsten Woche weitergehen soll, ist noch völlig unklar. Und eine Prognose will niemand wagen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt