Dax Aktuell: US-Angriff ängstigt deutsche Anleger – Dax verliert knapp 170 Punkte
Bereits am zweiten Handelstag des Jahres zeigen sich die Börsenhändler besorgt.
Foto: dpaDüsseldorf. Nach einem guten Jahresauftakt hat der Konflikt zwischen den USA und Iran den Dax am Freitag in die Verlustzone gedrückt. Der deutsche Leitindex schloss 1,3 Prozent im Minus bei 13.219 Punkten. Damit verteidigte das Frankfurter Börsenbarometer zumindest die Marke von 13.200 Zählern, nachdem es zwischenzeitlich mehr als zwei Prozent im Minus gelegen hatte.
Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 0,6 Prozent. In Europa schloss der EuroStoxx 50 0,5 Prozent im Minus.
Für Verunsicherung am Aktienmarkt sorgte die zugespitzte geopolitische Lage im Nahen Osten. In der Nacht zum Freitag hatten die USA mit einem gezielten Luftangriff auf den Flughafen im irakischen Bagdad den hochrangigen iranischen General Ghassem Soleimani getötet. Nach Aussagen des Pentagons erfolgte der Angriff auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump, um weitere Angriffe auf US-Kräfte zu verhindern. Der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, kündigte eine „harsche Vergeltung“ für die Angriffe an.
„Die Finanzmärkte haben somit ihren ersten geopolitischen Belastungsfaktor in diesem Jahr“, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Jochen Stanzl, Analyst vom Online-Broker CMC Markets, ergänzte: „Investoren wägen jetzt das Risiko einer stärkeren militärischen Auseinandersetzung bis hin zu einem Krieg in der Region ab.“ Bislang gingen sie jedoch davon aus, dass es nicht zum Äußersten kommen werde.
Als Reaktion auf den Angriff kletterte der US-Ölpreis auf den höchsten Stand seit Mai 2019. WTI verteuerte sich um mehr als 2,5 Prozent, der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg um gut drei Prozent.
Der Sprung beim Ölpreis hatte auch direkte Auswirkung auf die Airline-Aktien, die erfahrungsgemäß besonders sensibel auf geopolitische Spannungen reagieren – zumal der gestiegene Ölpreis auch die Treibstoffkosten der Fluggesellschaften erhöht. So sackten die Titel der Lufthansa als Schlusslicht im Dax um 6,5 Prozent ab. Die Anteilsscheine von Air France-KLM büßten 7,9 Prozent ein.
Anleger spekulierten daraufhin auf verstärkte Nachfrage nach dem Treibstoff Bio-Ethanol, der aus Rohzucker gewonnenen wird. Der US-Kontrakt auf Rohzucker stieg um 2,1 Prozent.
Ansonsten griffen Anleger bei Anlageklassen zu, die in Krisenzeiten als sicher gelten. Der Goldpreis stieg um mehr als ein Prozent auf bis zu 1551 Dollar je Feinunze und war damit so hoch wie zuletzt vor etwa vier Monaten. Die älteste und wichtigste Kryptowährung Bitcoin verteuerte sich am Freitag um gut sechs Prozent.
Spürbaren Zulauf bekamen auch die als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen. An anderen europäischen Anleihemärkten gaben die Renditen ebenfalls nach, besonders gefragt waren dabei die Staatsanleihen der Schweiz.
Blick auf die Einzelwerte
Lufthansa: Die Luftfahrt-Branche leidet neben den Spannungen am Golf, die zu erhöhten Treibstoffkosten führen, unter der Prognose eines Passagier-Rückgangs. „Der Luftverkehr am Standort Deutschland wird im Jahr 2020 den Wachstumspfad der letzten Jahre nicht halten können“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel der FAZ. Der Verband rechne mit 0,7 Prozent weniger Passagieren bei 2,9 Prozent weniger Starts und Landungen, berichtete die Zeitung. Die Lufthansa-Aktie verlor 6,5 Prozent.
Fraport: Im MDax verlor die Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt Fraport 3,8 Prozent. Der französische Titel der Fluggesellschaften Air France verlor fast acht Prozent, die Papiere der Fluggesellschaftsholding IAG sackten um knapp zu zwei Prozent ab.
Commerzbank und Comdirect: Das Frankfurter Geldhaus teilte am Freitag mit, dass es das Comdirect-Aktienpaket des Hedgefonds Petrus Advisers erworben hat und damit nun mehr als 90 Prozent an Comdirect hält. Dadurch kann die Commerzbank ihre Tochter nun komplett übernehmen. Zuvor gab es immer wieder Probleme bei der geplanten Übernahme. Die Comdirect-Aktie schloss 0,6 Prozent fester, während die Commerzbank 1,8 Prozent verlor.
Volkswagen: Am Vortag wurde bekannt, dass der Autohersteller und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) in Vergleichsgespräche einsteigen – die 440.000 teilnehmenden Kläger haben damit höhere Chancen, ihre Ansprüche gegen VW durchzusetzen. Die Volkswagen-Aktie verlor 2,1 Prozent.
Evotec: In den vergangenen acht Wochen hat die Aktie des Forschungsunternehmen gute 25 Prozent zugelegt, fast fünf Mal so viel wie der MDax. Anleger nutzten am Freitag die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen, die Aktie verlor 3,5 Prozent.
Grenke: Die im MDax notierte IT-Leasingfirma wächst zwar weiter, die operative Marge sank jedoch zuletzt. 4,4 Prozent schwächer zeigte sich das Grenke-Papier.
Was die Charttechnik sagt
Seit November pendelt der deutsche Leitindex auf dem hohen Niveau von über 13.200 Punkten. Das Jahreshoch wurde bei 13.425 Zählern erst in der letzten Woche markiert, seitdem hat der Index aber wieder korrigiert.
Technische Indikatoren lassen darüber hinaus wenig Zuversicht aufkommen, dass sich an der Seitwärtsphase schnell etwas ändert. Alles in allem ist wohl nach einer Verschnaufpause zunächst auf neue Impulse zu warten. Ob sich diese im gewöhnlich „dünnen“ Feiertagshandel nachhaltig einstellen, ist fraglich.
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