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Russisches Verlegeschiff im Hafen von Wismar

Die Pipeline Nord Stream 2 ist zu 90 Prozent fertig. Nun müssen sich die Politiker einigen.

(Foto: dpa)

Nord Stream 2 Die wichtigsten Fakten zum Pipelineprojekt Nord Stream 2

Nach jahrelangen Debatten haben sich die USA und Deutschland auf einen Kompromiss geeinigt. Die Pipeline zwischen Russland und Deutschland kann nun endlich fertig gestellt werden.
22.07.2021 - 14:06 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf Die Pipeline Nord Stream 2 soll Erdgas aus Russland durch die Ostsee nach Deutschland leiten. Doch wie ist der aktuelle Stand des Projektes, wo verläuft die Gaspipeline und wann wird sie fertig? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Pipelineprojekt Nord Stream 2 im Überblick.

Nord Stream 2 - Verlauf, aktueller Stand und Fertigstellung

Was ist Nord Stream 2?

Nord Stream 2 ist ein Pipelineprojekt, das Erdgas aus Russland nach Deutschland transportieren soll. Die Rohrleitung ist rund 1200 Kilometer und führt quer durch die Ostsee. Nord Stream 2 ist das Folgeprojekt der bereits existierenden Gasleitung Nord Stream. Diese wurde bereits vor neun Jahren im November 2011 in Betrieb genommen. Beide Pipelines haben ein Fassungsvermögen von bis zu 110 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Nord Stream 2 selbst soll davon jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland und Mitteleuropa liefern. 

Der Eigentümer der neuen Pipeline ist der russische Staatskonzern Gazprom. Als Finanzinvestoren waren zu Beginn aber auch fünf europäische Energiekonzerne am Projekt beteiligt: der französische Konzern Engie, OMV aus Österreich, der britisch-niederländische Konzern Shell sowie Wintershall und Uniper aus Deutschland. Diese fünf Konzerne finanzieren bis zu 50 Prozent des ursprünglich bezifferten Investitionsvolumen, das bei acht Milliarden Euro liegt. Zinsen für ihre Kredite sehen die Investoren allerdings erst, wenn das Gas fließt.

Ende Januar wurde bekannt, dass Bilfinger aus Angst vor weiteren US-Sanktionen ausgestiegen und die Verträge gekündigt hat. Auch der Versicherer Zurich Insurance Group hat sich Mitte Januar für einen Rückzug aus dem Pipeline-Projekt Nord Stream 2 entschieden. Grund waren ebenfalls die Verschärfung von US-Sanktionen. Zurich sollte die Bauarbeiten der Pipeline versichern. Für Nord Stream 2 war das ein weiterer gravierender Rückschlag.

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    Die Entscheidung von Zurich folgt auf den Ausstieg des norwegischen Zertifizierers DNV GL und des dänischen Ingenieurbüros Ramboll in den vergangenen Wochen, erläutert der US-Energieexperte Benjamin Schmitt. Ohne Versicherung und unabhängige Zertifizierung werde „Gazprom extreme Schwierigkeiten haben, das Projekt in Betrieb zu nehmen“.

    Wann ist die Fertigstellung von Nord Stream 2 geplant?

    Noch 2021 könnte Nord Stream 2 fertiggestellt werden. Denn der wichtigste Schritt ist getan: die USA und Deutschland haben sich auf eine Fertigstellung geeinigt. Damit geben die USA ihren Widerstand gegen das Pipelineprojekt auf.

    Konkret sieht der Kompromiss vor, dass Deutschland die Hilfen für die Ukraine massiv aufstockt und dem Land hilft, zum Exporteur von grünem Wasserstoff zu werden.

    Dafür soll ein „grüner Fonds für die Ukraine“ mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar aufgelegt werden. Die USA und Deutschland wollen den Befürchtungen der Ukraine begegnen, im Falle einer Inbetriebnahme von Nord Stream 2 vom Gastransit abgekoppelt zu werden.

    Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Nachfrage nach russischem Gas wegen der Energiewende in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren steigt und erst mittel- bis langfristig absinkt. Daher habe auch Russland ein Interesse daran, das Pipelinenetz der Ukraine weiter zu nutzen, heißt es. Sollte Russland dennoch versuchen, Nord Stream 2 als Druckmittel gegen die Ukraine einzusetzen, sollen neue Wirtschaftssanktionen verhängt werden.

    Der Kompromiss ist für US-Präsident Joe Biden ein politisches Risiko. Im US-Kongress gibt es großen Widerstand gegen Nord Stream 2. Auch von Angehörigen seiner Partei, den Demokraten. „Wenn sich Deutschland und Russland verbünden, zahlen die Menschen in Mittel- und Osteuropa den Preis“, sagte die demokratische Abgeordnete Marcy Kaptur nach der Einigung.

    Der Kongress werde „jeden Deal ablehnen, der die transatlantische Sicherheit und die Souveränität der Ukraine nicht schützt.” Der texanische Senator Ted Cruz sprach von einer „Katastrophe für die USA und unsere Verbündeten”. Zuvor drohten die USA lange mit Sanktionen, sollte das Projekt realisiert werden. Die Amerikaner befürchteten, dass sich Europa und Deutschland mit der Gaspipeline von Russland abhängig machen würden. 

    Matthias Warnig, Chef von Nord Stream 2, geht davon aus, dass die Bauarbeiten an der Gaspipeline noch im August 2021 abgeschlossen sein werden. Ein genaues Datum der Fertigstellung der Gaspipeline ist allerdings weiterhin nicht bekannt.

    Wie ist der Verlauf von Nord Stream 2?

    Die Gaspipeline hat ihren Anfang im russischen Ust-Luga nahe Sankt Petersburg und verläuft von dort durch die Ostsee bis zum Endpunkt in Lublin bei Greifswald an der Ostseeküste Deutschlands. Die Gesamtlänge der Pipeline beläuft sich nach der Fertigstellung auf 1200 Kilometer.

    Grafik

    Wie ist der aktuelle Stand bei Nord Stream 2?

    Russland erhöht das Tempo der Verlegearbeiten. Derzeit ist mit der „Fortuna“ aber lediglich ein Schiff aktiv, um den Bau der Gaspipeline zu vollenden. Die Pipeline umfasst zwei Stränge von jeweils gut 1200 Kilometer Länge. Derzeit fehlen insgesamt knapp 150 Kilometer bis zur Fertigstellung. Nord Stream 2 ist also zu 87,5 Prozent fertig und steht im Grunde kurz vor der Fertigstellung. Ende August könnte es soweit sein.

    Was hatte der Fall Nawalny mit Nord Stream 2 zu tun?

    Im Sommer 2020 wurde der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny vergiftet. Im Labor der Bundeswehr wurde bestätigt, dass Nawalny mit einem Nervengift der Gruppe der russischen Chemiewaffe Nowitschok vor seinem Abflug aus dem sibirischen Tomsk vergiftet worden war. Der Fall hat internationale Reaktionen ausgelöst und die Kritik an Russland und damit auch dem Pipelineprojekt Nord Stream 2 verstärkt.

    Die EU hatte daraufhin Einreise- und Vermögenssperren gegen mutmaßliche Verantwortliche aus dem Umfeld von Präsident Wladimir Putin verhängt. Russland revanchierte sich dann mit Einreisesperren gegen leitende Beamte, gab die Namen aber nicht bekannt. Ex-Präsident Donald Trump hatte im Fall Nawalny von Strafmaßnahmen gegen Moskau abgesehen. Als aber Nawalny nach seiner Genesung im Berliner Charité Mitte Januar 2021 zurück nach Russland reiste, wo er unmittelbar festgenommen wurde, reagierten auch die USA.

    Unter Joe Biden verhängten die USA Sanktionen gegen Russland. Betroffen sind mehrere ranghohe Staatsfunktionäre. Die Strafmaßnahmen orientieren sich an den Sanktionen, die kurz zuvor von der EU auf den Weg gebracht wurden. Moskau reagierte kritisch und erklärte, das Vorgehen des Westens werde wirkungslos bleiben.

    Doch der Druck der USA hat dazu geführt, dass 18 europäische Unternehmen ihre Teilnahme an dem umstrittenen Projekt beendet oder ihren Rückzug zugesichert haben, wie aus einem Bericht des US-Außenministeriums an den Kongress hervorgeht.

    Fraglich ist aber, ob der Fall Nawalny und moralische Bedenken gegenüber der russischen Regierung oder eigene Interessen den Konflikt leiten:

    Zum einen warnen die USA, dass mit der Fertigstellung von Nord Stream 2 eine zu große Abhängigkeit ihrer Partner in Europa von Russland entsteht. Ende 2019 waren die Bauarbeiten an der Pipeline kurz vor der Fertigstellung gestoppt worden, nachdem die USA ein erstes Sanktionsgesetz (Peesa) gegen die Spezialschiffe in Kraft gesetzt hatten, die die Rohre verlegten. Kritiker der USA argumentieren dagegen, die Vereinigten Staaten wollten vielmehr ihr eigenes Gas in Europa verkaufen.

    Mehr: Der Kommentar zu Nordstream 2: Der Pipeline-Deal ist eine Notlösung – und provoziert neue Probleme

    • si
    • aiv
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    1 Kommentar zu "Nord Stream 2: Die wichtigsten Fakten zum Pipelineprojekt Nord Stream 2"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Also, die USA bestimmt die deutsche Energiepolitik. Nichts neues und natürlich völlig uneigennützig.
      Schon ganz schön hart, dass wir uns US-Fracking-Gas aufzwingen lassen sollen. Wann werden aus BRD... Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette ...endlich Partner auf Augenhöhe? Zurzeit jedenfalls schlägt das Imperium zu.

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