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Rückzahlungen Verbraucherschützer kritisieren Gutscheinlösungen für abgesagte Reisen und Veranstaltungen

Für Reisen und Veranstaltungen, die wegen der Coronakrise abgesagt wurden, können Kunden Gutscheine erhalten. Worauf Verbraucher achten sollten.
20.04.2020 Update: 20.04.2020 - 16:15 Uhr 1 Kommentar
Verbraucherschützer kritisieren Gutschein-Lösungen für abgesagte Reisen Quelle: imago images/Moritz Müller
Anzeigetafel am Düsseldorfer Flughafen

Die meisten Flüge fallen aus, auch Reisen und andere Veranstaltungen werden wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

(Foto: imago images/Moritz Müller)

Frankfurt Die Coronakrise stellt das Leben von Bürgern und Unternehmern auf den Kopf. Gemeinsam durch die Geschäfte bummeln, essen gehen, Konzerte besuchen, reisen – alles verboten. Vor diesem Hintergrund werden Verbrauchern aktuell unterschiedliche Arten von Gutscheinen angeboten. Sie sollen die Kosten für bereits gebuchte Reisen und Veranstaltungen kompensieren – oder Einzelhändler und Restaurants während der Zeit der Ladenschließung unterstützen. Was Verbraucher dabei beachten müssen.

Veranstaltungen

Kultur- und Sportveranstaltungen sind bundesweit abgesagt. Die Folge: Kunden können weder ihr Konzertticket noch ihr Theater-Abo oder ihre Fußballdauerkarte nutzen. Für solche Fälle hat die Bundesregierung Anfang April beschlossen, dass Veranstalter Kunden Gutscheine ausstellen dürfen und diese bis Ende 2021 gelten. Wenn Verbraucher sie bis dahin nicht einlösen, müssen Veranstalter das Geld auszahlen. Die Zustimmung des Bundestags steht noch aus. Nach den bisherigen Regeln mussten Veranstalter zwei Wochen nach einer Absage das Geld erstatten.

Die Regelung soll für Tickets gelten, die man vor dem 8. März gekauft hat. Sie greift auch für Dauerkarten, beispielsweise für Museen und für Fitnessstudios. Ziel der Regierung ist, die Unternehmen zu schützen, damit sie nicht durch eine große Zahl an Rückforderungen in Liquiditätsengpässe geraten.

Verbraucherschützer dagegen kritisieren die geplante Neuregelung. Klaus Müller, Vorstand beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), moniert, dass Verbraucher auf eine „unzumutbare und unfaire Weise“ belastet würden. Er rügt auch, dass Gutscheine im Fall der Pleite eines Anbieters nicht abgesichert seien. Sollte ein Anbieter pleitegehen, blieben Verbraucher vermutlich auf den Kosten sitzen.

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    Strittig ist zudem, ob eine entsprechende Neuregelung überhaupt im Nachhinein greifen könnte. Allerdings gibt es auch Anbieter, die Ticketpreise bereits zurückgezahlt oder das zumindest angekündigt haben. Prominentes Beispiel: Der Fußball-Bundesligaverein Borussia Dortmund erklärte kürzlich, er biete allen Fans die Ticket-Rückerstattung an – und dankte zugleich jenen, die auf den Anspruch verzichten.

    Stornierte Reisen

    Hart gerungen wird in der Frage, ob auch Reiseveranstalter ihren Kunden Gutscheine ausstellen dürfen, statt – wie bisher vorgeschrieben – die Kosten zu erstatten. Schließlich sind Urlaubsreisen fürs Erste nicht möglich, und meist geht es hier um hohe Summen. Das sogenannte Corona-Kabinett der Bundesregierung entschied, dass die Gutscheinlösung auch für Pauschalreisen und Flugtickets gelten soll. Die Regierung versucht nun, dass eine entsprechende Regelung, die aktuellem EU-Recht zuwiderläuft, doch erlaubt wird.

    Verbraucherschützer greifen den Vorstoß scharf an. „Wir halten das schlicht für unzulässig“, sagt der VZBV-Reiserechtsexperte Felix Methmann. Er pocht darauf, dass bereits gezahlte Gelder innerhalb von zwei Wochen nach der Stornierung an die Kunden zurückgezahlt werden. „Der nationale Gesetzgeber darf nicht gegen die europäische Pauschalreiserichtlinie verstoßen.“

    Methmann fordert, dass der Reisebranche mit einem eigens dafür einzurichtenden Reisesicherungsfonds geholfen wird. „Das muss jetzt schnell angegangen werden“, sagt er.

    Grob gesagt würde dabei die Bundesregierung einen Fonds auflegen, aus dem Reiseunternehmen für Rückzahlungen an Kunden Geld entnehmen können. Diese Mittel müssten die Unternehmen binnen einiger Jahre an den Fonds zurückzahlen.

    Der VZBV-Rechtsexperte weist darauf hin, dass auch in diesem Fall Gutscheine nicht insolvenzgesichert wären und Kunden womöglich gar keine Gegenleistung erhielten. „Wir fürchten, dass die Ausstellung von Gutscheinen das Problem für die Reiseveranstalter nur nach hinten verschiebt. Nach der Krise, wenn Kunden die Gutscheine einlösen, kommen die Unternehmen dadurch auch nicht an frisches Geld.“

    Einige Reiseveranstalter zahlen derweil bereits unkompliziert zurück. Andere umgarnen Kunden, indem sie zusätzlich zum Gutschein eine weitere Gutschrift für den nächsten Urlaub gewähren.

    Sollte es Schwierigkeiten bei der Rückzahlung geben, rät Marija Linnhoff, Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros, dazu, nicht lockerzulassen: „Kunden müssen in solchen Fällen den Reiseveranstalter selbst anschreiben – und das teils mehrfach“, sagt Linnhoff.

    „Ich kann Kunden nur empfehlen: Wenn Sie Ihr Geld haben wollen, bleiben Sie standhaft und verweisen notfalls darauf, dass Sie einen Anwalt einschalten.“ Auch wer ungefragt einen Gutschein vom Veranstalter erhalten habe und lieber das Geld wolle, sollte den Gutschein Linnhoff zufolge „umgehend zurückschicken und auf der Rückzahlung bestehen“.

    Gutschein lokaler Händler

    Seit mehr als vier Wochen sind Restaurants und Geschäfte geschlossen, ebenso Cafés, Friseure und Theater. Manche Läden dürfen unter strengen Auflagen an diesem Montag wieder öffnen. Friseure müssen bis zum 4. Mai warten, und Restaurants bleiben auf unbestimmte Zeit weiter zu.

    Um lokale Firmen zu unterstützen, sind in den vergangenen Wochen unterschiedliche Internetportale entstanden, auf denen Verbraucher Gutscheine ihrer Lieblingsläden kaufen können. Die Idee: Sie bezahlen den Gutschein jetzt, verschaffen dem Unternehmen damit Liquidität und helfen so, dass es nach den Corona-Beschränkungen wieder öffnen kann.

    Eine dieser Plattformen heißt „PayNowEatLater.de“, ein ähnliches Angebot, „Hilfelokal.de“, hat das Finanz-Start-up Optiopay entwickelt und wird dabei vom Handelskonzern Metro unterstützt. Daneben gibt es auch regional beschränkte Anbieter wie zum Beispiel „HelfenFRM.de“ in der Rhein-Main-Region. Die Plattformen erheben für ihre Dienstleistung teils eine Gebühr. Bei „HelfenFRM.de“ zahlt der Kunde für die Bearbeitung aktuell zusätzlich 2,5 Prozent (zuvor vier Prozent) des Gutscheinwerts. Bei Optiopay gehen in der Regel knapp vier Prozent zulasten des Händlers.

    Meist erhalten die Nutzer die Gutscheine per E-Mail. Zur Gültigkeitsdauer erklärt Oliver Buttler, Experte für Verbraucherrecht der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Ein Wertgutschein ist in der Regel drei Jahre lang gültig. Wenn es zum Beispiel um eine Saisonkarte geht und der Preis steigt innerhalb dieser drei Jahre, kann es sein, dass der Verbraucher den Preisaufschlag zusätzlich selbst zahlen muss.“

    Die Plattformen weichen jedoch teils davon ab: Bei „PayNowEatLater.de“ sollen die Gutscheine mindestens drei Jahre gültig sein. Bei Optiopay dagegen können Händler individuell über die Gültigkeit entscheiden, verbreitet sind daher auch Gutscheine, die nur ein oder zwei Jahre gelten. Der Anbieter begründet die Flexibilität damit, dass die Angebote teils Preisschwankungen unterlägen.

    Zugleich besteht auch bei den Gutscheinen lokaler Firmen die Gefahr, dass Kunden am Ende leer ausgehen. Buttler warnt: „Das Risiko im Insolvenzfall trägt der Kunde.“ Den fehlenden Insolvenzschutz hat auch der genossenschaftliche Versicherer R+V entdeckt. Er startete vergangene Woche das Portal „VR-ExtraPlus Hilft“ – eine eigene Variante der Plattform „Hilfelokal“. Hier sind je Firma Gutscheine über insgesamt maximal 10.000 Euro abgesichert. Die Summe kann allerdings schnell erreicht sein. R+V behält sich nach eigenen Angaben vor, sie später anzuheben.

    Mehr: So können Versicherungskunden in der Coronakrise sparen.

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    1 Kommentar zu "Rückzahlungen: Verbraucherschützer kritisieren Gutscheinlösungen für abgesagte Reisen und Veranstaltungen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Meine Frau als Ärztin kann in der aktuellen Situation keinen neuen Urlaub beantragen. AIDA lehnt der Stornierungswunsch ab, drängt auf Umbuchung bzw. reagiert nicht mehr.

      Schade, dass hier der Gesetzgeber Rettungspakete startet, während der Aktionär zur Stützung des Unternehmens villeicht selbst beisteuern könnte. Gleiche Abgeordnete stehen auf und klatschen für all die Ärzte, Pfleger, etc... Was für ein blanker Hohn!!!

      AIDA ist hier nicht besser als Adidas. Adidas hat zumindest erkannt, dass es nicht richtig ist.

      Kein Wunder, das britisch-US-amerikanischen Carnival Corporation & plc ist das größte Kreuzfahrtunternehmen der Welt, in Panama-Stadt registriert ist, unterliegt sie dem Steuerrecht Panamas. Dort fallen keine Gewinnsteuern auf Geschäfte an, die außerhalb des Landes getätigt wurden. Es werden keine Steuern auf Dividenden, Zinsen und Gebühren erhoben, die im Ausland entstanden sind. Auslandseinnahmen unterliegen nicht der Körperschaft- und Einkommensteuer.

      Da Carnival Corporation & plc nicht nur keine Steuern in Deutschland, sondern beutet in der Krise auch die betroffene Kunden aus, um keine externe Finanzierung für die Überbrückung der Krise in Anspruch nehmen zu müssen.

      Sehr schade, dass sich manch Politiker zum Retter stilisiert. Viele der aktullen Probleme sind auf auf das Versagen der aktuelen Politiker zurückzuführen. Das lässt sich nicht mehr ändern, daher soll sich die Politik sehr gut überlegen, welche Unternehmen hier gestützt werden sollen, und im Gegenteil weniger Klatschen!

      Bei all der Annerkennung für all die Maßnahmen, für mich und meine Frau brauche ich kein Applaus von den Versagern, die nun fließig daran arbeiten, dass wir nicht mals unser Geld zurückbekommen können.

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