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GastkommentarEuropa muss seine Wirtschaft jetzt klimasicher machen

Der grüne Wandel ist nicht nur für den Schutz unserer Umwelt wichtig, sondern auch für den Schutz unserer Wirtschaft, argumentieren Fatih Birol, Werner Hoyer und Christine Lagarde. 24.11.2023 - 08:09 Uhr Artikel anhören

Die Autoren: Fatih Birol ist Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur. Christine Lagarde ist Präsidentin der Europäischen Zentralbank. Werner Hoyer ist Präsident der Europäischen Investitionsbank.

Foto: dpa, Reuters, Bloomberg

Der Klimawandel beschleunigt sich. Die Zeit, die uns bleibt, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, läuft ab. Wir können entweder unseren Beitrag im Rahmen unserer Mandate leisten, oder wir bekommen die verheerenden Folgen unserer Untätigkeit zu spüren.

Führende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft sowie zivilgesellschaftliche Organisationen bereiten sich auf die Klimaverhandlungen vor, die nächste Woche im Rahmen der COP28 in Dubai stattfinden. Derweil wird 2023 mit einiger Sicherheit das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Extreme Wald- und Flächenbrände, Dürren und Überschwemmungen fordern weltweit einen hohen menschlichen und wirtschaftlichen Tribut.

Die Datenlage ist eindeutig, und Untersuchungen der Europäischen Zentralbank zeigen: Je länger wir den Emissionsabbau und den Übergang zu einer grüneren Wirtschaft hinauszögern, desto höher sind die Kosten. Die Investitionsumfrage 2023 der Europäischen Investitionsbank zeigt, dass zwei von drei europäischen Unternehmen bereits mit Schäden und Verlusten durch den Klimawandel konfrontiert sind.

Zugleich verändert sich die Art und Weise, wie wir unsere Volkswirtschaften mit Energie versorgen, die Energiewende schreitet rasch voran. Die unverminderte Nutzung fossiler Brennstoffe und die Erderwärmung würden unsere Umwelt weiter zerstören.

Eine Kombination aus politischen Maßnahmen, Innovation, CO2-Bepreisung sowie privater und staatlicher Finanzierung – auch im Rahmen des europäischen Green Deals – beschleunigt Investitionen in Technologien, die zur Reduzierung dieser Zerstörung beitragen.

Auf globaler Ebene würde die CO2-Bepreisung für Transparenz sorgen

Die Ausgaben für saubere Energie sind weltweit so hoch wie nie zuvor, wie der World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur zeigt. Diese Neuorientierung hin zu saubereren Energien beruht nicht allein auf gutem Willen, sie ist auch wirtschaftlich sinnvoll.

Die Nutzung erneuerbarer Energien ist inzwischen preiswerter und schneller als der Bau neuer Infrastrukturen für fossile Brennstoffe. In einer Welt, die von erhöhter geopolitischer Unsicherheit geprägt ist, tragen saubere Energietechnologien dazu bei, die Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit der Länder in puncto Energie zu stärken.

Der grüne Wandel ist nicht nur für den Schutz unserer Umwelt wichtig, sondern auch für den Schutz unserer Wirtschaft. Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, in Energiequellen zu investieren, die immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen, und so technologische Durchbrüche zu verpassen, die den Energiemix der Zukunft prägen werden. Wenn Europa die globale Energierevolution verpasst, wird seine Wettbewerbsfähigkeit irreparabel beschädigt.

Um dies zu vermeiden, muss Europa vorausschauend, ehrgeizig und entschlossen handeln. Es muss ein stabiles und günstiges regulatorisches Umfeld mit klar definierten strategischen Zielen schaffen, in dem privates Kapital gezielt in grüne Technologien gelenkt wird. Um Innovationen zu ihrer vollen Entfaltung zu bringen, müssen zudem weltweit gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen.

Finanzierungsinstrumente wie von der EU ausgegebene grüne Anleihen werden dazu beitragen, Durchbrüche im Bereich sauberer Technologien zu finanzieren. In einer Kapitalmarkunion, die vollständig umgesetzt ist, würden solche Instrumente eine noch stärkere Wirkung entfalten.

Maßgeschneiderte Finanzierungslösungen oder Garantien zur Minderung der Risiken, die mit privaten Investitionen in hochinnovative Projekte verbunden sind (wie schwimmende Windkraftanlagen, grüner Wasserstoff oder neue Batterietechnologien), werden zum Aufbau der Infrastruktur beitragen, die Europa benötigt, um klimaneutral zu werden.

Auf globaler Ebene würde die CO2-Bepreisung für Transparenz sorgen. Dies wäre ein Anreiz für Verbraucher und Investoren, sich nachhaltigen und energieeffizienten Produkten und Vermögenswerten zuzuwenden.

Klimapolitik muss zu oft als Sündenbock herhalten

Doch ein Alleingang Europas wird nicht ausreichen: Andere müssen ebenfalls handeln, sonst sind wir alle zum Scheitern verurteilt. Initiativen wie der europäische Green Deal sollten mit einer ehrgeizigen Entwicklungspolitik einhergehen, die Entwicklungsregionen außerhalb Europas bei der Einführung sauberer Energiequellen unterstützt. Investitionen in europäische Spitzentechnologien können und werden etwas bewirken.

Wir müssen bei der Umgestaltung unserer Wirtschaft dafür sorgen, dass wir alle mitnehmen. Europa muss einen gerechten, inklusiven und ausgewogenen Wandel anstreben.

Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Klimaschutz und dem grünen Wandel können die schwächsten Unternehmen und Haushalte am härtesten treffen. Wir brauchen gezielte, befristete fiskalpolitische Maßnahmen und Umschulungsinitiativen, um die Lasten des Wandels gerecht zu verteilen.

Angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen muss die Klimapolitik zu oft als Sündenbock herhalten. Nicht zu handeln hätte indes weitaus schlimmere Folgen.

Unsere Ambitionen zu verwässern ist nicht die Lösung. Vielmehr müssen wir das volle Potenzial unserer Innovatoren freisetzen. So können wir die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähiger und widerstandsfähiger machen und eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft für alle gewährleisten.

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Auf der COP28 können die EU und Länder auf der ganzen Welt zeigen, dass sie entschlossen sind, im Kampf gegen den Klimawandel eine führende Rolle zu übernehmen. Und sie können diese Entschlossenheit durch konkrete Maßnahmen unter Beweis stellen. Im Rahmen unserer Mandate werden wir unseren Teil zu diesem gemeinsamen Unterfangen beitragen.

Die Autoren: Fatih Birol ist Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur. Werner Hoyer ist Präsident der Europäischen Investitionsbank. Christine Lagarde ist Präsidentin der Europäischen Zentralbank.

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