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Gastkommentar Stewart Butterfield: Das Büro-Zeitalter neigt sich dem Ende

Die Corona-Pandemie hat die Transformation der Arbeitswelt um bis zu zehn Jahre beschleunigt. Fünf Ratschläge für Führungskräfte, wie sie dies meistern können.
  • Stewart Butterfield
16.10.2020 - 01:32 Uhr Kommentieren
Stewart Butterfield ist CEO und Mitbegründer der Kommunikationsplattform Slack. Quelle: Bloomberg
Der Autor

Stewart Butterfield ist CEO und Mitbegründer der Kommunikationsplattform Slack.

(Foto: Bloomberg)

Diesen Abend werde ich nie vergessen. Es war der 11. März dieses Jahres. Ich war für Termine in New York, hatte lange gearbeitet und traf danach noch Freunde auf Drinks in der Canal Street. Während wir zusammensaßen, überschlugen sich die Nachrichten.

Tom Hanks gab bekannt, dass er sich mit Corona infiziert habe. Die Basketball-Profiliga (NBA) unterbrach aufgrund des Virus die Saison. Und die US-Regierung verhängte ein Einreiseverbot für zahlreiche europäische Staaten. Spätestens da war mir klar, dass es für uns alle kein „back to normal“ geben würde.

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In den Tagen darauf schlossen wir bei Slack alle 16 Büros weltweit und schickten unsere knapp 2200 Mitarbeiter ins Homeoffice. Auch ich richtete mich zu Hause ein und machte meine ersten Videokonferenzen vom Waschkeller aus, weil ich dort den besten WLAN-Empfang hatte.

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    Ähnliche Szenen haben wir in den ersten Wochen des nahezu weltweiten Lockdowns wohl alle erlebt. Die Corona-Pandemie hat alles Gewohnte auf den Kopf gestellt und die Veränderung der Arbeitswelt um fünf bis zehn Jahre beschleunigt.

    „Lass keine Krise ungenutzt“, hat Winston Churchill einst gesagt. Aus diesem Grund haben wir im Slack-Report „The Disruption of Work“ fünf Faktoren identifiziert, auf die sich Führungskräfte nun konzentrieren sollten, um als Gewinner aus der Krise zu gehen:

    Erstens: Das Büro ist nicht mehr das Maß aller Dinge hinsichtlich Produktivität, Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Work-Life-Balance. Schon der US-Architekt und Systemtheoretiker Richard Buckminster Fuller forderte: „Unsere Bürogebäude stehen die Hälfte der Zeit leer. Wir sollten endlich anfangen, uns Gedanken darüber zu machen.“

    Technologische Entwicklungen wie Smartphones, Laptops, Cloudcomputing und VPN haben es möglich gemacht, dass Anwendungen und Daten heute ohne Sicherheitsbedenken an jedem beliebigen Ort verfügbar sind. Zudem schätzen viele die Option auf Homeoffice, weil sie flexibler und unabhängiger sein können. Eltern haben mehr von ihren Kindern, Pendler mehr Freizeit.

    Eine Umfrage von Owl Labs bestätigt: 80 Prozent der US-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter wollen auch weiterhin teilweise von zu Hause aus arbeiten.

    Zudem hat die Produktivität, wie von vielen befürchtet, im Homeoffice nicht nachgelassen, sondern ist Untersuchungen von Prodoscore zufolge in diesem Jahr sogar um 47 Prozent gestiegen. Es geht aber nicht nur darum, mehr zu Hause zu sein, sondern auch darum, dass man künftig überall arbeiten kann: am Flughafen, im Hotel, Café oder Park.

    Remote Work spart zudem Gebäude- und Fahrtkosten. So kann ein Unternehmen laut Global Workplace Analytics für jede mobile Arbeitskraft pro Jahr durchschnittlich 11.000 Dollar einsparen. Außerdem ziehen Büros und Anfahrt einen immensen CO2-Fußabdruck nach sich, der enorm reduziert werden kann. Darum sollten Unternehmen Remote Work fördern und hybride Arbeitsmodelle anbieten. Bei Slack etwa können unsere Mitarbeiter nun auch permanent mobil arbeiten.

    Anstatt zum Status quo ante zurückzukehren, sollten Führungskräfte Agilität nun weiter vorantreiben

    Zweitens: Agilität ist der neue Maßstab. In einer Welt, die immer dynamischer und unsicherer wird, ist Agilität, also die Fähigkeit, trotz sich wandelnder Herausforderungen stets abgestimmt zu agieren, der grundlegende Geschäftsvorteil von Unternehmen. Schon vor der Pandemie hatte der Druck, agiler zu werden, massiv zugenommen. Konzepte wie Scrum, Kanban, DevOps, Design-Thinking und agiles Projektmanagement wurden in vielen Firmen erstmals getestet.

    Anstatt zum Status quo ante zurückzukehren, sollten Führungskräfte Agilität nun weiter vorantreiben und aktiv nach Möglichkeiten suchen, die Arbeit schlanker, flexibler, resilienter und antifragil zu gestalten. Die erfolgreichsten Unternehmen des kommenden Jahrzehnts werden diejenigen sein, die am agilsten und reaktionsschnellsten sind.

    Um zu diesem Kreis zu gehören, müssen Unternehmen Hierarchien und Bürokratie abbauen, ihren Mitarbeitern mehr Befugnisse geben und schnellere Entscheidungen ermöglichen. Zudem ist Agilität nur möglich, wenn man aus einer stabilen Position heraus agiert. Daher sollte für jeden im Unternehmen klar sein, welche Werte, Mission und Strategie die Zusammenarbeit prägen.

    Drittens: Offenheit und Transparenz gewinnen an Bedeutung. Die Zeiten von Entscheidungen hinter verschlossenen Türen und streng kontrollierten Informationen sind vorbei. Dieser Führungsstil der alten Schule wurde in vielen Ländern schon vor der Pandemie durch eine Bottom-up-Arbeitskultur ersetzt, in der Wissens- und Prozesssilos aufgerissen werden, um ein effizienteres Arbeiten zu ermöglichen. Entscheidungen werden hier transparent getroffen und Mitarbeiter und Kunden stärker eingebunden.

    Die E-Mail ist in diesen Unternehmen nur noch selten das bevorzugte Kommunikationsmittel. Stattdessen setzen sie auf Channel-basierte Kollaborationsplattformen wie Slack, um Personen, Informationen und Tools miteinander zu verbinden und die Arbeit offener, transparenter und effizienter zu gestalten. Wie wir mit unserer „State of Work“- Studie herausgefunden haben, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen einer regelmäßigen Kommunikation der Unternehmensstrategie und der positiven Bewertung eines Unternehmens.

    Kurzum: Gut informierte Mitarbeiter sind im Job zufriedener. Eine offene Arbeitskultur hat zudem immense Vorteile für Unternehmen. Entscheidungen werden von besser informierten und koordinierten Mitarbeitern getroffen, die sich stärker mit den Unternehmenswerten identifizieren und effizienter zusammenarbeiten. Und nicht zuletzt können Unternehmen schneller auf Veränderungen im Markt reagieren.

    Viertens: Das analoge Arbeiten hat ausgedient. Sicherlich, der digitale Wandel war schon lange vor der Pandemie in vollem Gange. Die Digitalisierung verändert alle Bereiche von Vertrieb, Kundenservice und Marketing bis hin zu Personalwesen, Entwicklung und Buchhaltung. Doch die plötzliche Umstellung auf Remote Work, die quasi über Nacht erfolgte, hat die Transformation vieler Unternehmen um mehrere Jahre beschleunigt.

    Führungskräfte müssen eine durchdachte Transformationsstrategie fahren

    Schließlich hat die Pandemie genau jene Prozesse aufgedeckt, die am dringendsten verändert werden müssen: manuelle, analoge Prozesse. Unternehmen haben direkt miterlebt, dass bereits digitalisierte Prozesse im Homeoffice problemlos funktionieren, während manuelle Prozesse auf der Strecke bleiben.

    Führungskräfte müssen eine durchdachte Transformationsstrategie fahren, die die neue Arbeitsrealität sowie die Erwartungen von Mitarbeitern und Kunden berücksichtigt. Sie sollten nun dafür sorgen, dass Prozesse so weit wie möglich automatisiert, integriert, Cloud-fähig und Mobile first sind, damit ihre Unternehmen für die Zukunft gewappnet sind.

    Fünftens: Unternehmenskultur wird zur Priorität. Die Pandemie hat es deutlich gemacht. Unternehmen, in denen eine ausgeprägte, auf klare Werte ausgerichtete Unternehmenskultur herrscht, können sich schneller weiterentwickeln und Krisen besser überstehen. Die Vorteile einer starken Kultur liegen auf der Hand: bessere Ergebnisse, geringere Fluktuation, positivere Kundenerfahrung. Laut einer Studie von Sage People geben 92 Prozent internationaler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, dass ein gutes Arbeitsklima der größte Motor für mehr Produktivität ist.

    Natürlich war eine ausgeprägte Unternehmenskultur schon immer ein zuverlässiger Erfolgsindikator. Aber die Bedeutung nimmt zu in einer Welt des drastischen Wandels und der Unsicherheit, in der das dezentrale Arbeiten zur Norm geworden ist. Blickt man hinter die Kulissen erfolgreicher Unternehmen, stellt man fest, dass eine starke Kultur nicht mühelos entsteht, sondern aktiv und bewusst entworfen, aufgebaut und gepflegt werden muss.

    Eine gute Unternehmenskultur entsteht, weil strategisch in sie investiert wird. Für Unternehmen ist es darum an der Zeit, in die Bereiche Mitarbeitererfahrung, kontinuierliches Feedback, Schulungen und Weiterbildung zu investieren, um ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen.

    Bei Slack sind wir überzeugt davon, dass Unternehmen, die diese fünf Faktoren beherzigen, erfolgreich aus der Krise gehen werden. Wer, unabhängig von Größe, Branche oder Markt, die neue Realität der Arbeitswelt anerkennt, Traditionsdenken überwindet und die Chancen dieser Entwicklung nutzt, kann den Wandel meistern.

    Unternehmenslenker sollten darum jetzt die Gelegenheit ergreifen, dass auch ihr Unternehmen zu diesem Kreis gehört – egal, ob sie vom Büro aus arbeiten oder vom heimischen Waschkeller

    Mehr: Kampf um das Büro – So will sich Slack gegen Microsoft behaupten.

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