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Gastkommentar – Homo oeconomicus Die Finanzglobalisierung verschärft die Einkommensungleichheit

Bei der Diskussion um den Zusammenhang von Ungleichheit und Globalisierung muss der Fokus vom Handel auf die Finanzströme verschoben werden, fordert Philipp Heimberger.
22.06.2021 - 11:50 Uhr Kommentieren
Die Einkommensungleichheit nimmt zu. Quelle: AFP
Restaurant in Los Angeles

Die Einkommensungleichheit nimmt zu.

(Foto: AFP)

Seit den 1980er-Jahren hat die Einkommensungleichheit innerhalb der Nationalstaaten deutlich zugenommen. Ein möglicher Erklärungsfaktor dafür ist die Marktintegration im internationalen Handel, die in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat.

In der ökonomischen Theorie dominiert eine Auseinandersetzung mit dem Stolper-Samuelson-Theorem, das besagt, dass eine zunehmende internationale Handelsintegration zwar die Einkommensungleichheit innerhalb von Schwellenländern verringere, die Ungleichheit in entwickelten Volkswirtschaften jedoch erhöhe. Die empirische Evidenz zu dem Theorem ist gemischt.

In zunehmendem Maße rücken jedoch auch Aspekte der Globalisierung in den Fokus, die sich nicht um den klassischen Warenhandel drehen. Die internationale Integration der Finanzmärkte und die wachsende Zahl an Finanzkrisen führten in den vergangenen Jahrzehnten zu zahlreichen Untersuchungen, die sich mit der finanziellen Dimension der Globalisierung beschäftigen.

Erhöht die Öffnung der Finanzmärkte das Wirtschaftswachstum und senkt die Ungleichheit? Nimmt die Ungleichheit tendenziell vor dem Hintergrund erhöhter Anfälligkeit für Finanzkrisen zu? Empirische Studien zu der Frage, wie sich Finanzglobalisierung auf die Ungleichheit auswirkt, kommen ebenfalls zu gemischten Ergebnissen.

Angesichts einer Vielzahl von Studienergebnissen zu Globalisierung und Einkommensungleichheit empfiehlt es sich, diese per sogenannter Meta-Analyse systematisch auszuwerten, anstatt sich selektiv einzelne Resultate herauszupicken. Dabei werden Ergebnisse und Eigenschaften einer Vielzahl von Studien zu diesem Thema gesammelt und mithilfe statistischer Methoden ausgewertet.

Finanzmärkte müssen streng reguliert werden

Meine Studie „Does economic globalisation affect income inequality? A meta-analysis“ untersucht mehr als 1000 in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publizierte Einzelergebnisse zu den Verteilungseffekten von Globalisierung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Globalisierung die Ungleichheit erhöht. Das gilt insbesondere für die Finanzglobalisierung.

Die Handelsglobalisierung hat die Einkommensungleichheit in geringerem Maße erhöht. Überraschenderweise scheint es dabei keine systematischen Unterschiede zwischen Hocheinkommens- und Schwellenländern zu geben.

Philipp Heimberger ist Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).
Der Autor

Philipp Heimberger ist Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).

Natürlich spielen andere Faktoren für die Entwicklung von Ungleichheit ebenfalls eine Rolle – etwa Bildung und Arbeitsmarktinstitutionen. Doch Finanzglobalisierung hat erheblich zu gestiegener Einkommensungleichheit beigetragen.

Die Deregulierung der Finanzmärkte und die Abschaffung von Kapitalverkehrskontrollen beförderten die Finanzglobalisierung und die Anfälligkeit gegenüber Finanzkrisen. Um die gestiegene Ungleichheit zu reduzieren, müssen Politiker heute Maßnahmen ergreifen, um die Finanzglobalisierung zu zügeln und die Finanzmärkte streng zu regulieren.

Mehr: Die Suez-Krise zeigt den Preis der Globalisierung – ein Kommentar.

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