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Homo oeconomicus Monika Schnitzer: Verbraucher dürften von der befristeten Mehrwertsteuersenkung profitieren

Ob die Unternehmen die Steuersenkung an die Kunden weitergeben würden, war zu Beginn der Maßnahme unklar. Nun spricht vieles dafür.
16.09.2020 - 16:37 Uhr Kommentieren
Schnitzer ist Inhaberin des Lehrstuhls für Komparative Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Monika Schnitzer

Schnitzer ist Inhaberin des Lehrstuhls für Komparative Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Das Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung hat eine Überraschung enthalten, mit der niemand gerechnet hatte: eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16, beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent. Gerade in der Befristung der Maßnahme sehen einige Makroökonomen einen besonderen Vorteil.

Die Überlegung ist: Weil die Kunden zum Jahreswechsel wieder mit Preissteigerungen rechnen müssen, haben sie jetzt einen Anreiz, größere Anschaffungen vorzuziehen, um von dem aktuellen Preisvorteil zu profitieren. So fallen zum Beispiel beim Kauf eines Autos zum Nettopreis von 30.000 Euro statt 5700 Euro Mehrwertsteuer nur 4800 Euro an.

Bei Gütern des täglichen Bedarfs geht es nicht um das Vorziehen von Käufen, sondern schlicht darum, dass die Güter preiswerter werden, sodass am Ende des Monats noch Geld übrig bleibt für Käufe, die sonst nicht drin gewesen wären.

Die Frage, die sich in beiden Fällen sofort aufdrängt, ist freilich: Werden die Preise wirklich gesenkt, also kommt die Mehrwertsteuersenkung bei den Verbrauchern tatsächlich an? Oder stecken sich die Unternehmen den Steuernachlass am Ende selbst in die Tasche? Was möglicherweise auch seine Berechtigung hätte, schließlich mussten viele Unternehmen hohe Einnahmenausfälle hinnehmen.

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    Was die Menschen auch umtreibt: Wie gerecht geht es dabei zu? Wer profitiert am meisten von der Mehrwertsteuersenkung?

    Viele Discounter korrigierten Preise nach unten

    In einer ersten Auswertung der aktuellen Preisentwicklung für Kraftstoffe an deutschen Tankstellen konnten wir erste Antworten auf diese Fragen geben. Tankstellen können ihre Preise ohne jeden Aufwand ändern, und sie tun das sehr häufig, oft mehrmals am Tag. In unserer Analyse können wir zeigen, dass die Mehrwertsteuersenkung tatsächlich an die Verbraucher weitergegeben wurde.

    Allerdings nicht vollständig und nicht für alle Kraftstoffe gleichermaßen. Am meisten profitiert bisher, wer Diesel tankt, am wenigsten, wer mit Superbenzin E5 fährt.

    Woran könnte das liegen? Dieselfahrer fahren im Schnitt doppelt so viele Kilometer wie Benzinfahrer – und achten deshalb vermutlich stärker auf die Preise. Das würde erklären, warum die Tankstellen sich beim Diesel stärker unter Druck sehen, die Mehrwertsteuersenkung an ihre Kundschaft weiterzugeben.

    Dazu passen auch andere Beobachtungen. Viele Discountsupermärkte haben ihre Preise nach unten korrigiert, während die Kaffeekette Starbucks mit der Ankündigung in den Schlagzeilen stand, ihre Preise nicht anzupassen.

    Bisher deutet also einiges darauf hin, dass vor allem die Kundengruppen profitieren, die auf Preise achten (müssen). Wenn sich das auch in anderen Bereichen bewahrheiten würde, dann wäre das Ergebnis der Mehrwertsteuersenkung immerhin gerecht. Und die Konjunkturmaßnahme hoffentlich auch wirksam.

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