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Asia TechonomicsGrößenwahnsinnig oder visionär? Vietnams reichster Mann tritt mit Vinfast in die Fußstapfen von Elon Musk

Der Gründer des vietnamesischen E-Autoherstellers sorgt mit ambitionierten Plänen für Aufsehen. Nun will Pham Nhat Vuong an der New Yorker Börse durchstarten – und in Deutschland.Mathias Peer 07.12.2022 - 16:48 Uhr Artikel anhören

Der reichste Mann Vietnams setzt darauf, dass seine Elektroautos international gut ankommen.

Foto: Bloomberg

Vietnams reichster Mann tritt in die Fußstapfen von Elon Musk, so viel scheint sicher. Offen ist nur noch, welchen Teil von Musks Karriere Pham Nhat Vuong nachahmen wird.

Gelingt es dem 54-jährigen Milliardär aus Hanoi, mit einem weitgehend unbekannten Start-up die Autobranche aufzumischen, wie es Musk mit Tesla einst tat? Oder macht er sich einen Namen als Superreicher, der sich mit einer riskanten Milliardenwette außerhalb seines Kerngeschäfts selbst in Bedrängnis bringt – so wie Musk es derzeit bei Twitter erlebt?

Die Frage, ob Vuong ein genialer Visionär oder überehrgeiziger Träumer ist, stellt sich nun auch für Anleger an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq. Dort will der Milliardär in Kürze mit seinem Elektroautohersteller Vinfast durchstarten. Den Antrag zum Börsengang reichte das Unternehmen am Mittwoch bei der Börsenaufsicht SEC ein. Die Notierung sieht Vinfast als einen wichtigen Schritt bei der Umsetzung seiner ambitionierten globalen Expansionspläne.

Vielen US-Investoren dürfte der Name des neuen Tesla-Konkurrenten noch unbekannt sein: Gegründet wurde Vinfast als Teil von Vuongs Konglomerat Vingroup, zu dem in Vietnam unter anderem Immobilienentwickler, Einzelhandelsketten und Privatkrankenhäuser gehörten, erst vor fünf Jahren.

Bislang war der Autobauer lediglich am vietnamesischen Heimatmarkt aktiv. Verkauft hat Vinfast dort bisher in erster Linie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor – mit Technologie, die zu großen Teilen von deutschen Zulieferern stammte.

Im Angebot hat das Unternehmen ausschließlich Elektro-SUVs.

Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Anfang des Jahres beschloss die Firma aber, komplett auf Elektromobilität umzustellen – und die USA als ersten Auslandsmarkt zu erschließen. Die ersten Stromautos sollen in Kalifornien noch in diesem Monat ausgeliefert werden – 999 Exemplare wurden dafür vor wenigen Tagen von der vietnamesischen Industriestadt Haiphong Richtung Los Angeles geschickt.

1,1 Millionen Elektrofahrzeuge pro Jahr

Aus Sicht der vietnamesischen Automarktneulinge soll das erst der Anfang sein: Bis 2026 will Vinfast seine Produktionskapazität auf 1,1 Millionen Elektrofahrzeuge pro Jahr steigern – von derzeit rund 300.000. Helfen soll dabei auch ein weiteres Werk im US-Bundesstaat North Carolina, in dem die Produktion Mitte 2024 anlaufen soll.

Auch eine deutsche Fabrik zog Vinfast, das im vergangenen Jahr für wenige Monate vom ehemaligen Opel-Chef Michael Lohscheller geführt wurde, zuletzt in Erwägung. Neben den USA, Kanada, Frankreich und den Niederlanden sieht das Unternehmen Deutschland als einen seiner Kernmärkte im Ausland. Einen seiner ersten europäischen Ausstellungsräume eröffnete Vinfast diese Woche in Köln.

Im Angebot hat das Unternehmen ausschließlich Elektro-SUVs. Das Versprechen lautet: „Premiumqualität zu einem wettbewerbsfähigen Preis“. Billig sind die vietnamesischen Elektroautos aber nicht: Das günstigste Modell ist ab 61.700 Euro zu haben. Nur wer bereit ist, die Batterie zu mieten, statt zu kaufen, kommt mit niedrigeren Anschaffungskosten davon.

In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Foto: Klawe Rzeczy

Sich auf Vinfast einzulassen ist sowohl für Autokäufer als auch für Aktionäre eine riskante Angelegenheit: Noch sind die Erfahrungen mit dem Unternehmen gering – selbst im Heimatmarkt Vietnam muss sich Vinfast als Elektroautohersteller erst noch beweisen.

Dass es noch viel Überzeugungsarbeit vor sich hat, ist dem Management bewusst. „Wir sind mit Risiken konfrontiert, die sich aus der Tatsache ergeben, dass wir ein neuer Marktteilnehmer in der Elektroautoindustrie sind“, heißt es in dem Börsenprospekt mit Blick auf die Vermarktung der Fahrzeuge in Ländern, in denen die Marke weitgehend unbekannt ist.

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Potenzielle Investoren erfahren in dem Dokument auch, dass das Unternehmen bisher viel Geld verschlingt: 2021 beliefen sich die Verluste auf 1,3 Milliarden Dollar, in den ersten neun Monaten dieses Jahres waren es 1,5 Milliarden Dollar. Und Vinfast geht davon aus, dass noch weitere hohe Ausgaben nötig sein werden, damit es tatsächlich die Chance auf einen Durchbruch gibt.

Noch weiß aber niemand, ob das reichen wird, um Tesla, Volkswagen und Co. die Stirn zu bieten. Auch das räumt Vinfast in seinem Prospekt in trockenen Worten ein: „Der Automarkt ist hart umkämpft, und es könnte sein, dass wir im Wettbewerb in dieser Branche nicht erfolgreich sind.“

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