Märkte Insight: Schlechte Geschäfte, trübe Aussichten

Anleger sollten sich auf einen trüben Sommer einstellen, warnt Handelsblatt-Redakteurin Anke Rezmer.
Foto: ImagoDiese Woche könnte unangenehme Wahrheiten für Europas Wirtschaft aufdecken: Nach dem deutlichen Rückgang der viel beachteten Einkaufsmanagerindizes in Deutschland und den anderen drei großen Ländern der Euro-Zone am Montag folgen an jedem Tag Kerndaten, die einen Abschwung der Konjunktur dokumentieren dürften. Anleger sollten sich auf einen trüben Sommer einstellen.
Gleich am Montag haben die sehr schwachen Unternehmensumfragen gezeigt, dass eine Rezession in der Euro-Zone immer wahrscheinlicher wird. Besonders die deutsche Industrie leidet. Dem Einkaufsmanagerindex zufolge sind deren Geschäfte im Juni so schlecht gelaufen wie seit über drei Jahren nicht.
Der Index des Finanzdienstleisters S&P Global ist um deutliche 2,6 auf 40,6 Punkte abgesackt, erst ab 50 signalisiert das Barometer ein Wachstum. Die 430 befragten Firmenmanager beklagten vor allem einen anhaltenden Rückgang ihrer Neuaufträge, weshalb sie ihre Produktion den zweiten Monat in Folge drosselten.
In der Euro-Zone sank der Einkaufsmanagerindex für die Industrie um 1,4 Punkte auf niedrige 43,3 Punkte. In Deutschland stellt S&P die ausgeprägteste Nachfrageschwäche fest, doch auch in Frankreich, Italien und Spanien zeigt das Barometer eine schrumpfende Konjunktur an. „In Europa mehren sich die Warnhinweise auf eine sich abkühlende Wirtschaft“, sagt Chefanlagestratege Jan Viebig der Bank Oddo BHF.
Bisher reagieren Anleger halbwegs gelassen darauf. Der deutsche Leitindex Dax bewegt sich zögerlich oberhalb der Marke von 16.000 Punkten, nachdem er Mitte Juni ein neues Rekordhoch bei 16.427 Punkten erreicht hatte. Direkt danach stürzte er gut 700 Punkte ab, um sich dann wieder etwas zu erholen. Am Montag verlor der Dax 0,4 Prozent auf 16.081 Punkte. In der Euro-Zone zeigt sich ein ähnliches Bild.
Investoren rechnen mit noch zwei Zinsschritten
Dass Anleger die jüngsten Schwächesignale bislang hinnehmen, dürfte damit zusammenhängen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ebendiesen Effekt herbeiführen will: Über höhere Zinsen will die Notenbank die noch immer hohe Geldentwertung bekämpfen, was die Wirtschaftsaktivität dämpft.
Und das könnte sich verschärfen: EZB-Chefin Christine Lagarde hat mit Blick auf die zuletzt auf 5,4 Prozent leicht gestiegene, um Energie und Nahrungsmittel bereinigte Kerninflation in der Euro-Zone bereits eine weitere Leitzinserhöhung im Juli auf dann 4,25 Prozent angekündigt, „sofern sich die Aussichten nicht wesentlich ändern“.
Am Kapitalmarkt rechnen viele Investoren mit noch zwei Zinsschritten. Stratege Viebig sagt: Bei immer noch erhöhter Kerninflation sollten sich die Anleger darauf einstellen, dass die Notenbanken ihre restriktive Ausrichtung noch etwas länger beibehielten – und das Wirtschaftswachstum zumindest in diesem Jahr bescheiden ausfällt.
Wie sehr der Abschwung Europa in der Breite treffen dürfte, werden in dieser Woche weitere wichtige Konjunkturdaten signalisieren: Am Dienstag kommen deutsche Exportzahlen, die für knapp die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone stehen.
Am Mittwoch folgen Einkaufsmanagerindizes für den die Wirtschaft dominierenden Dienstleistungssektor. Zudem werden Einzelhandelsumsätze in der Euro-Zone sowie Auftragseingänge und die Industrieproduktion für Deutschland veröffentlicht.
Strategen rechnen mit einem düsteren Bild für Deutschlands Konjunktur sowie Anzeichen für eine breite Abkühlung in der Euro-Zone. So fürchten sie einen besonders schwierigen Börsensommer mit deutlichen, zweistelligen Kursrücksetzern. Als Trost bleibt, dass die ohnehin im internationalen Vergleich recht preiswerten europäischen Aktien dann noch günstiger werden.