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Märkte-InsightKI ist wichtiger als Notenbanken

Die großen Tech-Aktien dominieren die Entwicklung der US-Börsen. Daran dürfte sich trotz der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen so schnell nichts ändern.Andrea Cünnen 15.06.2023 - 16:07 Uhr Artikel anhören

„Alles rund um KI ist für den bedeutendsten Leitindex der Welt derzeit wichtiger als die Notenbanken."

Foto: Bloomberg, Getty Images

US-Notenbankchef Jerome Powell und EZB-Chefin Christine Lagarde haben Aktionärinnen und Aktionären das Leben nicht gerade erleichtert. Mit Blick auf die Zinsen haben sie zwar das geliefert, was Investorinnen und Investoren erwartet hatten: Die US-Notenbank (Fed) ließ die Leitzinsen unverändert, und die Europäische Zentralbank (EZB) hob sie um einen Viertelprozentpunkt an.

Doch die Fed überraschte mit der aus den Erwartungen der Fed-Mitglieder ableitbaren Aussicht auf noch zwei weitere Zinserhöhungen. Die EZB nahm Anlegern die Hoffnung auf eine Zinspause. Das kam vor allem an den europäischen Märkten nicht gut an. Der deutsche Leitindex Dax verabschiedete sich zwischenzeitlich deutlich von seinem am Mittwoch erreichten Allzeithoch von 16.336 Punkten.

Von seinem Tagestief konnte er sich aber erholen und schloss mit 16.290 Punkten nur 0,1 Prozent unter dem Vortagsschluss. Dass es den Dax nicht härter traf, lag wohl vor allem an den Vorgaben der Wall Street. Dort hatte der Leitindex S&P 500 am Mittwoch mit einem hauchdünnen Plus geschlossen.

Diese robuste Verfassung verdankt die US-Börse wie schon seit geraumer Zeit nur einer Handvoll Aktien. Dabei geht es um die großen Technologiekonzerne, die vom Trendthema Künstliche Intelligenz (KI) profitieren.

So gehörten die Aktien des Chipherstellers Nvidia, der Facebook-Mutter Meta, der Google-Mutter Alphabet und die von Apple, Amazon und Microsoft größtenteils auch am Mittwoch und auch am frühen Donnerstag erneut zu den Gewinnern an der Wall Street und zogen den S&P 500 nach oben.

Seit Januar ist der Kurs der Nvidia-Aktie um 190 Prozent in die Höhe geschnellt. Die Meta-Aktie gewann 130 Prozent, und die Papiere von Alphabet, Apple, Microsoft und Amazon legten zwischen 40 und 50 Prozent zu. Ohne diese sechs Aktien hätte der S&P 500 in diesem Jahr nicht 14 Prozent, sondern nur drei Prozent gewonnen. Das bedeutet: Alles rund um KI ist für den bedeutendsten Leitindex der Welt derzeit wichtiger als die Notenbanken.

Die große Frage ist nun für Investoren wie Peter van der Welle vom Asset-Manager Robeco, ob die rasche Verbreitung von KI tatsächlich so schnell zu einem tief greifenden positiven Wandel in allen Wirtschaftssektoren führt.

Die Papiere bleiben trotz der Zinsanstiege größtenteils stabil.

Foto: Moment/Getty Images

Nur dann dürften auch die Kurse der anderen Unternehmen im S&P 500 nachziehen, meint van der Welle. Genau das lässt sich aber kaum absehen. Chris Iggo, einer der Chefanlagestrategen bei Axa Investment Managers, räumt ein: „Es ist unmöglich, den Kapitalwert von KI zu berechnen – also die Differenz aus künftigem wirtschaftlichem und sozialem Nutzen und Risiken.“ Unabhängig davon dürften Investoren aber zumindest noch eine Weile auf die großen Tech-Unternehmen gerade in den USA setzen.

„Der Anstieg der Tech-Werte kann noch weitergehen“, meint Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management. Die großen Technologiekonzerne seien schließlich profitabel und hätten kaum Schulden. Damit erfüllen sie die Kriterien als Qualitätswachstumsunternehmen.

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Und genau die finden viele Investoren in Zeiten mit schwächerem Wirtschaftswachstum und höheren Zinsen attraktiv. Ganz wohl ist Investoren angesichts des Hypes um die großen Tech-Aktien aber nicht. Das hat in dieser Woche die monatliche Umfrage der Bank of America unter rund 250 Fondsmanagerinnen und Fondsmanagern gezeigt.

Mehr als die Hälfte der Befragten meint, dass „Big Tech“ der „most crowded trade“ ist – also das Segment, in dem sich die meisten Investoren tummeln. Das könnte zum Problem werden, wenn die Stimmung kippt.

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