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Märkte InsightMisstrauensvotum für den Kryptomarkt

Die Pleite der Kryptobörse FTX hat den Markt für Digitalwährungen in eine tiefe Vertrauenskrise gestürzt. Das Thema verfolgt Anleger bis heute – und wird jetzt akut.Andreas Neuhaus 19.09.2023 - 18:52 Uhr Artikel anhören

Kryptowährungen konnten noch nicht vom absehbaren Ende des Zinserhöhungszyklus profitieren.

Foto: Getty Images

Am Finanzmarkt hat sich eine Ansicht durchgesetzt: Der Zinsgipfel ist vorerst erreicht. Die Europäische Notenbank (EZB) hat am vergangenen Donnerstag signalisiert, dass sie vorerst das letzte Mal ihren Leitzins erhöht hat. Die US-Notenbank Fed könnte es ihr an diesem Mittwochabend gleichtun.

Für Risikoanlagen sind das gute Nachrichten. Diese tun sich in einem Umfeld steigender Zinsen schwer und profitieren, wenn sich ein Ende des Zinserhöhungszyklus abzeichnet.

Das trifft beispielsweise auf Tech-Aktien zu. Der US-Tech-Index Nasdaq 100 ist in den vergangenen fünf Monaten, in denen sich die Hoffnungen auf ein Ende der Zinserhöhungen immer mehr verfestigten, um 17 Prozent gestiegen. Damit schneidet er in diesem Zeitraum um 18 Prozentpunkte besser ab als der deutsche Leitindex Dax, der am Dienstag 0,4 Prozent schwächer bei 15.664 Zählern schloss.

Ein weiteres Risikoasset konnte dagegen nicht von dem erhofften Ende des Zinserhöhungszyklus profitieren: Kryptowährungen. Und das hat viel mit der Kryptobörse FTX zu tun.

FTX war einst die weltweit drittgrößte Kryptohandelsplattform. Doch im Zuge eines Kurseinbruchs am Markt und von Spekulationen um das Geschäftsmodell kam es im November des vergangenen Jahres zu einem Bankrun. In der Folge konnte die Börse viele Kunden nicht ausbezahlen und musste Insolvenz anmelden.

Wie sich herausstellte, fehlen Milliarden an Anlegergeldern. Gründer Sam Bankman-Fried muss sich vor Gericht verantworten. Als er in Handschellen auf den Bahamas abgeführt wurde, ging das Foto um die Welt. Der FTX-Kollaps war die spektakulärste von vielen Pleiten in der Kryptobranche und hat zu einer tiefen Vertrauenskrise geführt.

Das ist auch ein Grund, warum der Kryptomarkt nicht so stark von dem erwarteten Zinsgipfel profitiert wie Tech-Aktien: Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen liegt laut der Analyseseite Coinmarketcap bei gut einer Billion Dollar und damit unter dem Niveau von vor fünf Monaten. Gegenüber dem Hoch aus dem November 2021 beträgt das Minus mehr als 60 Prozent.

Die Tragweite der Pleite ist noch immer nicht absehbar

Das liegt nicht nur an der durch FTX ausgelösten Vertrauenskrise, sondern auch daran, dass die Tragweite der Pleite immer noch nicht absehbar ist. Denn ein US-Gericht erlaubte FTX zuletzt den Verkauf von Vermögenswerten, um damit Gläubiger auszuzahlen. Das Unternehmen verfügt nach den jüngsten Gerichtsunterlagen über 3,4 Milliarden Dollar in Kryptowährungen, darunter 1,1 Milliarden Dollar in Solana sowie insgesamt 870 Millionen Dollar in Bitcoin, Ether und Tether. Die Verkäufe erfolgen in Blöcken von 50 bis 100 Millionen Dollar pro Woche.

Die extrem liquiden Märkte für Bitcoin und Ether sollten diese Verkäufe absorbieren können, wie eine Auswertung des Datenanbieters Kaiko zeigt. Der Bitcoin hat demnach ein tägliches Handelsvolumen von knapp neun Milliarden Dollar, Ether von 3,5 Milliarden. Bei den restlichen Digitalwährungen, auch Altcoins genannt, sieht das anders aus.

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Denn die Markttiefe, also die Fähigkeit, große Order zu verarbeiten, ist mit der Vertrauenskrise am Kryptomarkt deutlich gesunken. „Bei den liquidesten Altcoins in der FTX-Bilanz ist die Liquidität von 90 Millionen Dollar vor dem Zusammenbruch auf 50 Millionen Dollar gesunken“, schreibt Kaiko. Das ist gerade einmal die Hälfte der wöchentlichen Verkaufsobergrenze von 100 Millionen Dollar.

Damit könnte es schwierig werden, die Preise stabil zu halten, wenn FTX einen signifikanten Anteil seiner Altcoin-Bestände liquidiert. Ein Ausverkauf bei Altcoins ist allerdings genau das Gegenteil von dem, was der Markt gerade braucht.

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