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Prüfers KolumneWarum der Golf Golf heißt

Unser Kolumnist ist genau so alt wie der Bestseller von Volkswagen. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Vor allem der Name irritiert ihn.Tillmann Prüfer 15.06.2024 - 11:19 Uhr
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“. Foto: Handelsblatt

Ich habe feststellen dürfen, dass der VW Golf 50 Jahre alt geworden ist. Das war irgendwie rührend für mich. Dass man eine Autobaureihe ein halbes Jahrhundert alt werden lässt. Man hätte auch schon in den 1980er-Jahren einen anderen Namen wählen können, das Auto hätte ja auch „Boom!“ oder „Wow!“ heißen können. Stattdessen heißt es bis heute Golf.

Wie kann man ein Auto überhaupt Golf nennen? Es gibt heute nur etwa 650.000 golfspielende Menschen in Deutschland – und das sind vielleicht nicht alles Golffahrer. Aber vielleicht wollte man in den 1970er-Jahren einfach einen exklusiven Sport als Namensgeber haben.

Die kleine Schwester von Golf heißt ja Polo. Bei Polospielern ist es schon unwahrscheinlich, dass sie einen Polo fahren, schon deshalb, weil man ja eine Anhängerkupplung und einen starken Antrieb benötigt, um den Pferdeanhänger von Turnier zu Turnier fahren zu können. Es wäre damals wahrscheinlich nicht gut angekommen, ein neues Auto „Fußball“ zu nennen. Auf jeden Fall wäre das nicht 50 Jahre alt geworden.

Aber in den 70ern wollte man noch, dass man bei einem Auto an etwas denkt. Eine andere schöne VW-Marke heißt ja Passat. Wie nett ist doch der energetische und unaufhörliche Passatwind als Bild, der Segelschiffe um die Erde treibt.

Gleichzeitig hat ja auch Opel 125. Geburtstag. Opel hat eigentlich auch sehr schöne Autonamen in die Welt gebracht. Es gab den Opel „Capri“, der sehr elegant war und den „Rekord“. Und dann jede Menge Ämter, die in Autos gefasst wurden. Etwa den Opel „Kapitän“, den Opel „Diplomat“, den Opel „Admiral“ und den Opel „Kadett“. Da hat man sich doch gleich Herren von Rang vorgestellt, die so ein Auto fahren wollten. Oder der Opel Manta, ein mächtiger Knorpelfisch als Identifikationstier.

Wie langweilig ist dagegen die neue deutsche Unart, Autos mit Nummern und Buchstabenfolgen zu versehen. Von was soll man träumen, wenn man einen Audi A8 50 TDI vor sich hat oder einen BMW G60? Vermutlich soll das das Ingenieursmäßige betonen. Man braucht eine Nummer, um das Auto klar in einer Baureihe verorten zu können. Es gibt aber nur wenige Zahlen, bei denen das mit der Emotion klappt, etwa beim Porsche 911.

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Heute haben Autos wieder öfter Namen statt Nummern, aber so richtig schön sind die nicht. Es gibt ein Auto von Skoda, das heißt „Enyaq“. Irgendwie scheint es wichtig zu sein, irgendwo ein „Q“ unterzubringen, es gibt ja auch die Mercedes-Limousinen „EQE2 und „EQS“. Bei Audi gibt es das E-Auto „e-tron“. Das gibt aber Probleme, weil Étron auf Französisch Kothaufen heißt, wie die Süddeutsche Zeitung neulich wissen ließ.

Dass man mit bildhaften Wortschöpfungen Erfolg haben kann, zeigt aber wieder einmal VW. Der weltweit erfolgreichste Wagen des Herstellers heißt „Tiguan“. Das soll eine Mischung aus Tiger und Leguan sein, und ein solches Tier kann man sich doch ganz gut vorstellen, oder? Es könnte sogar einen Manta fressen.

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