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Kommentar Das Zeitalter des Weltraumtourismus beginnt – jedoch nicht für Virgin Galactic

Richard Branson ist als erster Privatmann ins All geflogen. Aber auf lange Sicht wird er den Wettbewerb mit seinen Konkurrenten Blue Origin und SpaceX wohl nicht gewinnen.
12.07.2021 - 10:12 Uhr 3 Kommentare
Der Weltraumflug des Milliardärs ist ein Achtungserfolg, doch langfristig dürfte das Geschäft für ihn schwierig werden. Quelle: AP
Richard Branson

Der Weltraumflug des Milliardärs ist ein Achtungserfolg, doch langfristig dürfte das Geschäft für ihn schwierig werden.

(Foto: AP)

Der Triumph von Richard Branson ist perfekt. Zusammen mit einer Handvoll Mitarbeiter von Virgin Galactic hat er Geschichte geschrieben. Als erster Zivilist besuchte er mit einem Privatunternehmen das All.

Der Flug markiert den Beginn des kommerziellen Raumfahrtzeitalters. Ganz der Showman, kam Branson seinem Rivalen Jeff Bezos zuvor, der in ein paar Tagen mit seinem Unternehmen Blue Origin ebenfalls in höhere Stratosphären aufbrechen will. Auch Elon Musk schickt mit SpaceX im September die ersten Touristen in die Umlaufbahn.

Doch sosehr Branson jetzt in den Schlagzeilen steht – das von ihm gegründete Virgin Galactic wird es schwer haben, so an dem Boom des New Space Age teilzunehmen, wie er es verspricht.

2025 will Virgin Galactic fast 600 Millionen Dollar mit rund 400 Flügen umsetzen. Selbst wenn sich jetzt genügend Kunden finden, erscheint das Ziel schwer erreichbar. Nach Analyse von Paragon Intel braucht das Unternehmen dafür 2024 insgesamt acht einsatzbereite Raumgleiter. Derzeit testet Virgin Galactic mit der VSS Imagine aber nur einen weiteren. Laut Paragon reicht die bisherige Zulieferkapazität bei Weitem nicht aus, um die Flugkapazität zu erreichen.

Auch sind Zweifel an der Nachfrage berechtigt. Nicht jeder hat 250.000 Dollar, um drei oder vier Minuten in der Schwerelosigkeit verbringen zu können. Und der Preis könnte steigen, schließlich stammt er noch aus dem Jahr 2014. Damals kam es zu einem tödlichen Absturz bei einem Testflug, Virgin Galactic stellte daraufhin die Verkäufe ein.

Milliardär Richard Branson im All: Testflug von Virgin Galactic erfolgreich

Branson macht zu große Versprechungen

Analysten rechnen inzwischen mit bis zu 400.000 Dollar. Viel Geld – dabei ist der Preis angesichts der Kosten eigentlich günstig. Aber selbst diejenigen, die sich einen Flug mit Virgin Galactic leisten können, werden es sich aus anderen Gründen zweimal überlegen. Passagiere sehen ganz oben auf dem Flug die Erdkrümmung. Atemberaubend. Aber der Blick reicht nur 500 Kilometer weit – also ungefähr von Köln nach München. 

Auch Branson selbst scheint nicht so recht an den Erfolg zu glauben. Immer noch kontrolliert er 24 Prozent von Virgin Galactic. Aber seit dem Börsengang der Firma mit einem Spac-Mantel 2019 reduzierten der Engländer und die Virgin Group ihren Anteil, zuletzt verkauften sie im April Aktien für 150 Millionen Dollar. Das Geld braucht Branson für seine Fluggesellschaft Virgin Atlantic, die wie viele andere Reiseunternehmen in der Pandemie herbe Geschäftseinbußen erlitten hat. Aber der schrittweise Rückzug bei Virgin Galactic ist eben auch kein Vertrauensbeweis. 

Was am meisten gegen Virgin Galactic spricht: Die Technologie des Unternehmens ist hochinteressant, aber zu unkonventionell. Das Raumschiff startet nicht vom Boden aus, sondern wird von einem Trägerflugzeug auf 15 Kilometer Höhe gebracht und ausgeklinkt – um erst dort per Raketenmotor nach oben zu schießen.

Das ist fehleranfällig, weil der Ansatz anders als die Raketentechnik von Blue Origin oder SpaceX nicht auf eine lange bewährte Technologie aufbaut. Auch eignet sich Virgin Galactics Technologie gut für einen Ausflug in den Weltraum, aber weniger für den viel größeren Markt der Interkontinentalflüge.

Nach Prognose von Analysten könnten Raketenflieger superschnelle Flüge für Langstrecken wie von Tokio nach Frankfurt anbieten. Nach Schätzung der UBS liegt der Umsatz 2030 bei 20 Milliarden Dollar. Der Weltraumtourismus soll zum gleichen Zeitpunkt nur knapp vier Milliarden Dollar erbringen.

Eine Idee, mit Virgin Galactics Technik kleine Satelliten auszusetzen, ist äußerst interessant und bereits mehrfach erfolgreich durchgeführt worden. Der Satellitenmarkt wird aufgrund von neuen Angeboten wie dem schnellen Internet aus dem All viele Jahre boomen. Einziger Schönheitsfehler: Den Geschäftszweig gliederte Virgin Galactic 2017 als Virgin Orbit aus.

Fazit: Die Technologie von Virgin Galactic ist interessant und innovativ. Aber Blue Origin und SpaceX investieren ungleich viel mehr Geld in ihre Raketensysteme. Das Wettrennen kann Branson kaum gewinnen. Sein Flug an den Rand des Weltalls war eine mutige Tat. Aber jetzt folgt eine schwierige Zeit.

Mehr: Jetzt beginnt das Zeitalter der Weltraumtouristen: Richard Branson fliegt ins All

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3 Kommentare zu "Kommentar: Das Zeitalter des Weltraumtourismus beginnt – jedoch nicht für Virgin Galactic"

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  • @Herr Hans Weber:
    Der Raketentourismus entwickelt sich genau in jenem Land, das VW zu rd. 20 Mrd. an Strafen und Auflagen verdonnerte, für rd. eine halbe Million manipulierter Diesel. Lt. HB Bericht vom 30.6.2021 bezifferte jüngst das Oberste Gericht in Ohio die noch theoretisch denkbaren Geldbußen auf „mehr als eine Billion Dollar“. Das ist alles sehr schwer zu verstehen.

  • @Lothar:
    Würde Branson von D aus fliegen, wäre auch er genötigt. Aber D (und ebenso die D-Sichtweise bzgl. Klima) ist nicht die Sichtweise von großen Teilen der restlichen Welt, auch nicht den USA (noch nicht). Insofern passt nur die D-Sichtweise nicht (mehr) zu unserer Zeit. Oder glauben Sie, man hat in D die Wahrheit gefressen?
    Übrigens müssten Sie auch dieses Prinzip erkannt haben: Links blinken, und rechts abbiegen. Damit fährt man auch in D sehr gut.


  • Während die Normalbürger genötigt sind, ihr Scherflein an der CO2 Reduktion zu leisten, um unsere Erde zu schützen, propagieren andere den Raketentourismus.
    Das passt nicht mehr in unsere Zeit, ist eine unnütze Verschwendung von Ressourcen, ist eine grobe Vergiftung der Atmosphäre. Ein wirklich effizienter Weg für den „Luxus“ einiger weniger, die Erde zu belasten.

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