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Analyse Teslas Vorsprung wächst – aber die deutsche Autoindustrie hat noch eine Chance

Der Elektroauto-Pionier Tesla ist gekommen, um zu bleiben. Trotzdem hat die deutsche Autoindustrie ihr Schicksal immer noch in der eigenen Hand.
23.07.2020 - 10:56 Uhr 3 Kommentare
Technologie-Vorsprung: Tesla-Chef Elon Musk baut weltweit Werke für Elektroautos. Quelle: Reuters
Tesla-Chef Elon Musk mit Model 3

Technologie-Vorsprung: Tesla-Chef Elon Musk baut weltweit Werke für Elektroautos.

(Foto: Reuters)

Vor einigen Jahren besuchte die BBC mehrere Ex-Nokia-Manager für eine journalistische Autopsie des finnischen Handy-Herstellers. Nokia hatte den Mobiltelefon-Markt einst wie Goliath beherrscht, bis ihm Apple-Chef Steve Jobs 2007 einen 135 Gramm schweren Mini-Computer mit Touchscreen genau zwischen die Augen schleuderte.

Auch knapp zehn Jahre nach dem iPhone-Start klangen die Finnen, als hätten sie noch nicht ganz begriffen, was sie da eigentlich ausgeknockt hatte. „Bei unseren Geräten hielt die Batterie eine Woche“, sagte einer dem britischen Journalisten. „Dann kommt da dieses neue Gerät. Es ist toll, aber man muss es jeden Tag laden. Wie bringt man so was an den Mann?“

Tesla-Chef Elon Musk gilt als Steve Jobs des Automarkts

Kein Unternehmen wird so häufig mit Apple unter Steve Jobs verglichen wie Tesla. Der Hersteller eines revolutionären Hardware-Produkts, angeführt von einem ebenso charismatischen wie launischen Chef. Wie Jobs ist Elon Musk ein disruptionserfahrener, unbändig willensstarker Unternehmer, der eine an ihren Margen fettgefressene, in ihren Konventionen gefangene Industrie riechen kann wie ein Hai Blut.

Für Tesla-Anleger ist die iPhonisierung des Automarkts schon jetzt praktisch abgeschlossen: Der Aktienkurs hat sich innerhalb eines Jahres versechsfacht – ein Wertzuwachs, für den Apple nach dem iPhone-Start mehr als fünf Jahre brauchte.

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    Teslas Technologie-Vorsprung lässt Aktienkurs steigen

    Nach dem vierten profitablen Quartal in Folge dürfte Tesla bald in den S&P 500 aufsteigen. Der wertvollste Autohersteller der Welt ist der Konzern aus Palo Alto schon jetzt, an der Börse höher bewertet als die gesamte deutsche Autoindustrie.

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    Und anders als Nokia hat die ja nicht mal die besseren Batterien. Rund 650 Kilometer soll ein Tesla Model 3 bald mit einer Ladung zurücklegen. „Von Los Angeles bis San Francisco – und dann bleibt immer noch ein bisschen was“, sagte Musk in der Analystenkonferenz zu den Quartalszahlen. Das ist mehr, als Audis E-Tron, Porsches Taycan oder irgendein anderes E-Auto eines Traditionsherstellers schafft.

    Batterie von Model 3 zeigt Teslas Technologie-Vorsprung

    Teslas Vorsprung bei der Batterieleistung ist wohlbekannt und könnte sich nach den Ankündigungen des lange erwarteten Battery Day im September noch vergrößern. Doch so wie Batterieleistung Nokia nicht rettete, dürfte sie bei Tesla nicht für immer das durchschlagende Argument bleiben.

    Selbst in der Pendlernation USA fahren Autobesitzer an einem durchschnittlichen Tag keine 50 Kilometer, Deutsche noch etwas weniger. Wenn die deutschen Autobauer weiter Fortschritte bei der Batterieleistung und dem Ausbau des Ladenetzes machen, können sie Teslas Vorsprung vielleicht nicht einholen, aber ihm seine Bedeutung nehmen.

    Tesla bei Software, App und Reichweite führend

    Die Reichweitenangst, die E-Autos lange zurückhielt, wird nicht für immer ein Faktor für Autokäufer bleiben. Der Grenznutzen einer höheren Reichweite geht mit der Zeit gegen null. Nur wer es für absolut essenziell hält, ohne Stopp von Berlin nach München oder von Los Angeles nach San Francisco fahren zu können, wird am Model 3 nicht vorbeikommen.

    Der Automarkt war nie einer, der zum Monopol tendierte. Preis, Ausstattung, Sicherheit, Komfort, Zuverlässigkeit, Markentreue, selbst Nationalstolz sind Kriterien, die Autokäufern wichtig waren und sind. In manchen, der Software und seiner App etwa, hat Tesla Erstaunliches geleistet.

    Nachholbedarf bei Zuverlässigkeit und Verarbeitung

    In anderen, der Zuverlässigkeit und Verarbeitung, leidet Tesla bis heute an seinen Kinderkrankheiten, wie eine Studie des Marktforschers JD Power kürzlich wieder bestätigte.

    Teslas klappern häufiger, sind ungenau lackiert, und der Fahrtwind erzeugt Geräusche, was er nicht sollte. Bei der Zuverlässigkeit belegte Tesla unter 32 Marken den letzten Platz, bei der Begeisterung für das eigene Auto dagegen den ersten. Tesla-Fahrer lieben ihre Autos – trotz ihrer Fehler.

    Von einer begeisterten Gruppe von Avantgardisten sollte man aber nicht auf alle schließen. Autokäufer, denen ein klapperndes Auto Todesangst einjagt, sind nicht plötzlich ausgestorben.

    Tesla verkauft weltweit die meisten Elektroautos

    Tesla hat im abgelaufenen Quartal weltweit gut 90.000 Autos verkauft. Auf dem heutigen Markt für E-Autos reicht das für die Marktführerschaft, entspricht aber nicht mal dem Monatsoutput des VW-Werks Wolfsburg.

    Das soll Teslas Leistung kein bisschen schmälern. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist es keinem Unternehmer mehr gelungen, einen neuen Autokonzern zu etablieren. Spätestens seit diesem Jahr ist klar: Tesla ist angekommen. Musk wird voraussichtlich als der Henry Ford seiner Generation in die Geschichte eingehen – inklusive der Charaktermängel.

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    Teslas Technologie-Vorsprung nicht für immer sicher

    Das iPhone fegte das Nokia 3410 und seine Geschwister vom Markt, weil es ein völlig anderes Wesen war. Kein Telefon mit Tastatur, sondern ein tragbarer Computer mit perfekt abgestimmter Software, das dank dem App Store zur Taxizentrale, zum Nachrichtenportal und Knotenpunkt unseres Soziallebens wurde.

    Ein Tesla ist und bleibt fürs Erste ein Auto, das potenzielle Käufer nach den gleichen Kriterien bewerten wie andere Autos. Ein Auto, dem Audi, Porsche und zuletzt die Volvo-Tochter Polestar konkurrenzfähige, elektrische Alternativen entgegengestellt haben.

    Dass Tesla in der beginnenden Elektrifizierung des Automarkts seine Spitzenposition behält, ist alles andere als ausgemacht – auch wenn die in den Aktienkurs bereits eingepreist ist. Der Rennen beginnt erst.

    Elon Musk sieht im autonomen Fahren den Gamechanger

    Softwaremärkte tendieren zu Oligopolen, Hardwaremärkte nicht. Samsung ist bei Smartphones sogar Weltmarktführer, ohne sein Betriebssystem zu kontrollieren. Die Software in Autos wird wichtiger, aber die Bedeutung wie in einem Smartphone wird sie allenfalls in einem selbstfahrenden Auto bekommen.

    Wenn das eines Tages als fahrende Büro- und Unterhaltungskabine und als Teil einer mietbaren Roboterflotte durch unsere Städte kreist, ändert sich die Marktdynamik, wie Musk am besten weiß. Autonomie sei der „Mega-Gamechanger“, sagte der Tesla-Chef vor Analysten, bevor er sich korrigierte: der „Giga-Gamechanger“.

    Davon sind wir aber technologisch und regulatorisch weiter entfernt, als Musk uns weismachen will. Von den 100.000 autonomen Teslas, die bis Ende des Jahres unterwegs sein werden, redet er nicht mehr. Sein Autopilot ist ein gutes Fahrerassistenzsystem, aber nicht mal ein „Gamechanger“ ohne Präfix.

    Volkswagen könnte an Tesla scheitern

    Die deutsche Autoindustrie hat ihr Schicksal noch in der eigenen Hand. Das ist nicht als Entwarnung gemeint. Der VW-Konzern hat sich nach seinen mutigen Investitionen in E-Mobilität und Autonomie zuletzt vor allem mit Führungsquerelen beschäftigt und unter anderem seinen fähigen Softwarechef Christian Senger abberufen.

    Wer glaubt, Softwareentwicklung alten Konzernhierarchien überstülpen zu können, fährt mit Vollgas ins Desaster. Wenn VW nicht an Tesla scheitert, kann es immer noch an sich selbst und den alten, lähmenden Wolfsburger Machtkämpfen scheitern. Man sollte sich dann nur bewusst sein, woran es gelegen hat. Könnte ja sein, dass die BBC nachfragt.

    Mehr: Tesla wird seinem Hype gerecht – fürs Erste

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    3 Kommentare zu "Analyse: Teslas Vorsprung wächst – aber die deutsche Autoindustrie hat noch eine Chance"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Tesla und Wirecard. Was sind die Parallelen? Beiden Unternehmen wurde eine Manipulation der Börsenkurse nachgewiesen. In beiden Fällen hat die zuständige Finanzaufsicht das Unternehmen nicht geschlossen.

    • Sehr guter Beitrag, Batterien sind sehr gut, es gibt allerdings auch viele ? bei Tesla.

    • Sehr guter Kommentar.

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