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Europameisterschaft 2021 Trotz Corona: Der Businessplan der Fußball-EM duldet keine Zweifel

Die Uefa inszeniert eine „neue Normalität“, ihr Plan für die EM hat aber Schwächen. Er beweist einmal mehr, wie abgehoben der Fußball agiert.
06.06.2021 - 15:54 Uhr 2 Kommentare
Bei den vier Spielen der Fußball- Europameisterschaft in München dürfen 14.000 Zuschauer ins Stadion Quelle: AP
Allianz Arena in München

Bei den vier Spielen der Fußball- Europameisterschaft in München dürfen 14.000 Zuschauer ins Stadion

(Foto: AP)

Die langen Monate der Pandemie haben Markus Söder zur gewichtigen Figur der deutschen Politik gemacht. Als Hardliner der Corona-Maßnahmen brachte er es sogar zum Kanzlerkandidat-Kandidaten der Union. Vielleicht hat der bayerische Ministerpräsident deshalb eine Weile gezögert, ehe er eine große Lockerung verkündete: Zu der am Freitag startenden Fußball-Europameisterschaft dürfen je 14.000 Personen für vier Spiele ins Münchener Stadion, das 70.000 Plätze hat.

Die Veranstaltung sei eine „Sondersituation, die wir haben“, sagt der CSU-Chef. Seuchentechnisch geht die Sondermaßnahme in Ordnung – wenn man nur die hiesigen Verhältnisse betrachtet. Die Inzidenzen sind niedrig, es gibt strenge Sicherheitskonzepte. Jedoch stellt sich, einerseits, sofort die Frage der horizontalen Gerechtigkeit.

Schließlich erlaubt der weiß-blaue Freistaat im Hallenhandball etwa nur maximal 250 Zuschauer. Aber man will in Bayern nun mal guter Gastgeber für „König Fußball“ sein. Und hier zeigen sich, zweitens, gravierende Probleme.

Europas Fußballverband Uefa beharrt auf uralten Planungen und lässt – in der Endphase der dritten Corona-Welle – in elf europäischen Metropolen spielen. So reist der Tross der Kicker kreuz und quer über den Kontinent, wozu aus Erlösgründen auch Baku im vorderasiatischen Ölstaat Aserbaidschan gehört.

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    Die Finalspiele sind für London angesetzt, wo die indische Virus-Variante so sehr für Alarm sorgt, dass Einreisende nach Deutschland in Quarantäne müssen.

    Die Sponsoren sind zufrieden

    Alles sehr schräg. Dublin und Bilbao, die aus Corona-Vorsicht keine Zuschauerpräsenz garantieren wollten, wurden aus dem Uefa-Liste gestrichen, St. Petersburg übernahm. Der Businessplan duldet keine Zweifel. Die Uefa inszeniert gewinnbringend eine „neue Normalität“ – hoffend, dass es dazu auch kommt.

    Die Sponsoren sind zufrieden. Stadien mit Publikum sorgen für schöne TV-Bilder. Dennoch scheint strittig, ob das Konzept „Brot und Spiele“ aufgeht. Denn die „Euro 2020“ beweist erneut, wie abgehoben der Fußball agiert. Erst kürzlich hat die versuchte Etablierung einer europäischen „Super League“ durch 16 reiche Klubbesitzer die Fans weiter vom Ballbetrieb entfremdet.

    In Deutschland ist der Fußball ohnehin ein „König ohne Land“. Seit Monaten zerlegt sich der Deutsche Fußball-Bund in einem stupiden Machtkampf – und sein Marketingstolz, die Nationalelf, fällt durch sportliche Flops auf. Das Land hat den Neuaufbau seines Fußballwesens genauso verschlafen wie die Digitalisierung. An der Krise dieser Sportart ändert Söders disruptive Stadion-Öffnung nichts.

    Mehr: Bayern erlaubt rund 14.000 Zuschauer bei EM-Spielen in München

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    2 Kommentare zu "Europameisterschaft 2021: Trotz Corona: Der Businessplan der Fußball-EM duldet keine Zweifel"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hallo Herr Jakobs,
      seien Sie doch nicht so ein Pessimist!
      Die EM ist doch ein guter Test und endlich wurde auch mal Mut zum Risiko bewiesen.
      Das Risiko ist dabei gut kalkulierbar. Mindestens 50% der Zuschauer sind geimpft oder genesen und somit herrscht in der zu 20% gefüllten Stadien nahezu Herdenimmunität.
      Wenn es -wie zu erarten- keine extremen Ausbrüche gibt, wissen wir, dass auch solche Veranstaltungen wieder möglich sind. Wenn wir immer nur an das denken, was passieren könnte, müssten sich alle im Keller einschließen und sich über ihr dann langes Leben freuen. Freiheit bedeutet immer auch Risiko. Wer Risiko minimieren will, minimiert auch seine und unsere Freiheit. Die Diktatur der Sicherheitsfanatiker und Perfektionisten muss endlich ein Ende haben.

    • Sehr geehrter Herr Jakobs, ich teile Ihre Meinung hinsichtlich der schrägen und in einer Pandemie - selbst einer in Europa langsam abklingenden - völlig unverhältnismäßigen Veranstaltung über alle Ländergrenzen hinweg.
      Aber wieso Sie ein offenes Stadion, dass 70.000 Zuschauer fasst, mit einer Handballhalle vergleichen, um die Entscheidung des bayerischen MP zu kritisieren, kann ich nicht so ganz nachvollziehen.... Die Belegungsquote ist doch die relevante Größe und die beträgt in diesem Fall 20%. Wie viele Handballhallen gibt es denn in Bayern, die erstens so viel Frischluft haben wie ein Stadion und zweitens ein Fassungsvermögen von mehr als 1500 Zuschauern? Ich glaube, keine einzige!

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