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KommentarBörsianer feiern 7,7 Prozent Inflation in den USA – Das Gegenteil wäre angebracht

Die Märkte reagieren geradezu euphorisch auf die gesunkene US-Inflationsrate. Die Hoffnung, dass Fed-Chef Powell seine Geldpolitik nun entschärft, könnte trügen.Jens Münchrath 10.11.2022 - 17:29 Uhr Artikel anhören

Der Vorsitzende der Federal Reserve steht für die Zinserhöhung der US-Zentralbank.

Foto: imago images/UPI Photo

Gleich um 450 Punkte springt der Dax nach oben, nur weil die Inflation in den USA etwas stärker gesunken ist als erwartet. Im Oktober waren es jetzt 7,7 Prozent, und es ist das dritte Mal in Folge, dass die US-Inflation nun gesunken ist.

Das ist der gute Teil der Nachricht. Der schlechte: Die Preissteigerungsrate wird sich trotz des Rückgangs wahrscheinlich auf einem Niveau einpendeln, das weit jenseits der Zielmarke der Notenbank von zwei Prozent liegen wird.

Die Reaktion der Finanzmärkte zeigt einmal mehr, wie abhängig sie von den Notenbanken sind. Die Beamten an der Spitze der geldpolitischen Behörden sind die Marktmacher.

Die Hoffnung, dass die Fed sich bei den Zinsschritten nach oben etwas mäßigen könnte, reicht, um die Börsianer in Euphorie zu versetzen. Ein Zeichen der Stabilität ist das nicht: Das Gegenteil ist der Fall.

Inflation ist und bleibt das große Thema in den USA. Und die Demokraten können sich glücklich schätzen, dass die Nebenwirkungen der Inflationsbekämpfung durch die Notenbank noch nicht in ihrer ganzen Dimension spürbar waren.

Denn die notwendigen Anpassungen werden stattfinden – früher oder später. Ein untrügliches Zeichen dafür ist die geradezu historisch anmutende Aufwärtsdynamik der vergangenen Monate an den Anleihemärkten. In der Folge ziehen auch die Hypothekenzinsen kräftig an, was wiederum die Immobilienpreise unter Druck setzen wird.

Und trotz der kurzfristigen Euphorie an den Börsen: Die Regel, dass kräftig anziehende Zinsen für Aktien tendenziell schlecht sind, ist nicht außer Kraft. Schwache Aktienmärkte wiederum könnten den börsenverliebten Amerikanern den Konsum verderben, der für die Volkswirtschaft so wichtig ist. Die entscheidende Frage wird sein, wie sich am Ende der bislang überraschend robuste Arbeitsmarkt hält.

Erst wenn die Inflation unter Kontrolle ist, gibt es nachhaltiges Wachstum

Fest steht: Wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat auch Fed-Chef Jerome Powell zu spät und zu zögerlich auf die Inflationsdynamik reagiert – und anders als in Europa ist die Inflation dort nachfragegetrieben und wurde zudem von den gigantischen Stützungspaketen der Regierung extrem beschleunigt.

Insofern ist es für die US-Wirtschaft gar keine schlechte Nachricht, sollten der exorbitanten Ausgabenfreude des Präsidenten nun durch eine republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus Grenzen gesetzt werden.

Denn erst wenn die Inflation wirklich unter Kontrolle ist, sind die Voraussetzungen für einen gesunden Aufschwung gegeben. Dass der Weg dorthin schmerzhaft sein wird, hängt letztlich mit der Tatsache zusammen, dass Politik, Wirtschaft und vor allem auch die Notenbanken sich allzu lange bequem in jener Welt eingerichtet haben, die wirtschaftshistorisch betrachtet eher die Ausnahme als die Regel ist: 15 Jahre mit kaum messbarer Inflation, Geld zum Nulltarif, immerhin teilweise moderate Wachstumsraten.

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