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Kommentar Das Commerzbank-Beben ist ein Desaster für den Finanzplatz Deutschland

Die Ereignisse bei der Bank sind nach dem Wirecard-Skandal weitere Belege dafür, wie schlecht es um den Finanzstandort bestellt ist. Banken fehlen Geschäftsmodelle.
05.07.2020 - 15:55 Uhr 1 Kommentar
Dem Geldhaus stehen unruhige Zeiten bevor. Quelle: Reuters
Commerzbank-Logo

Dem Geldhaus stehen unruhige Zeiten bevor.

(Foto: Reuters)

Zum Abschied hat Commerzbank-Chef Martin Zielke ehrenwerte Worte gefunden. Das Abschneiden von Deutschlands zweitgrößter Privatbank sei unbefriedigend, sagte er. „Und dafür trage ich als CEO die Verantwortung.“ Zielke tritt deshalb – genauso wie Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann – vorzeitig ab und macht damit den Weg für einen Neuanfang frei.

Wenn man die Nachricht isoliert betrachtet, könnte man den Doppelrücktritt als konsequenten Schritt bei einem börsennotierten Konzern bezeichnen, der seit Jahren seine Kapitalkosten nicht verdient und seine Ziele wiederholt verfehlt hat.

Blickt man darüber hinaus, ist das Commerzbank-Beben ein weiterer Beleg dafür, wie schlecht es um den Finanzplatz Deutschland bestellt ist. Denn auch viele andere Geldhäuser haben es mehr als zehn Jahre nach der Finanzkrise nicht geschafft, ein Geschäftsmodell zu finden, mit dem sie auskömmliche Gewinne erzielen können.

Die bittere Analyse trifft nicht nur für die privaten Banken zu, sondern auch für den öffentlich-rechtlichen Finanzsektor. Dort wurde erst im vergangenen Jahr die Norddeutsche Landesbank mit Milliarden vor dem Aus gerettet. Dennoch konnte sich die Finanzgruppe bisher nicht zu einer umfassenden Konsolidierung des Landesbankensektors durchringen.

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    Die von Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis propagierte Schaffung eines Zentralinstituts für alle Sparkassen wäre sinnvoll, wird aus den eigenen Reihen aber seit Jahren torpediert. Darüber hinaus hat eine Analyse der Finanzaufsicht offengelegt, dass es auch beim gemeinsamen Sicherungssystem von Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen zahlreiche Schwachstellen gibt.

    Neben der fragilen Lage der Banken hat der Skandal um den Finanzdienstleister Wirecard gezeigt, dass es in Deutschland auch bei der Kontrolle von Finanzkonzernen große Mängel gibt. Das liegt nicht nur daran, dass es der Finanzaufsicht Bafin manchmal am nötigen Biss fehlt, sondern auch daran, dass die Bonner Behörde weniger Befugnisse hat als Finanzaufseher in anderen Ländern.

    Deutschlands Ruf ist beschädigt

    Viele Politiker, die nun verbal über die Bafin herfallen, sollten sich selbst die Frage stellen, warum sie in den vergangenen Jahren nicht schärfere Gesetze zur Kontrolle von Zahlungsdienstleistern wie Wirecard vorangetrieben haben.

    Für den schlechten Zustand des Finanzplatzes tragen also alle Verantwortung: die Politik, die Aufsichtsbehörden und an erster Stelle die verantwortlichen Manager. Der Vorstand der Deutschen Bank hat beispielsweise lange versucht, mit den großen US-Instituten im Investmentbanking mitzuhalten, und dabei das Kerngeschäft mit Unternehmenskunden vernachlässigt.

    Zudem beschädigte die Bank mit unzähligen Skandalen ihren eigenen Ruf und den des Finanzplatzes Deutschland. Der seit 2018 amtierende CEO Christian Sewing hat die überfällige Kehrtwende eingeleitet, doch über den Berg ist Deutschlands größtes Geldhaus noch lange nicht. Dass die Entwicklung derzeit von vielen so positiv gesehen wird, liegt auch an dem desolaten Zustand der Konkurrenz.

    Die Commerzbank sticht dabei besonders hervor, schließlich hat sie im Frühjahr 2019 noch über eine Fusion mit der Deutschen Bank verhandelt. Nach dem Scheitern der Gespräche legte deren Chef Sewing innerhalb von drei Monaten einen radikalen Sanierungsplan vor, der unter anderem den Abbau von 18.000 Stellen vorsieht.

    Commerzbank-Chef Zielke erweckte dagegen den Eindruck, bei seinem Institut gebe es keinen großen Anpassungsbedarf. Es gehe bei der neuen Strategie der Commerzbank lediglich darum „ob wir an der einen oder anderen Stelle noch einmal nachschärfen“, sagte er. Im September legte er dann einen Plan vor, der den Abbau von 4300 Stellen, die Schließung von 200 Filialen sowie eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent bis 2023 vorsah.

    Zielke fehlt der Rückhalt

    Zielkes Ziele wurden von Investoren wie Cerberus und der Bankenaufsicht zu Recht als unzureichend und wenig ambitioniert kritisiert. Es ist somit richtig, dass der Vorstandschef nun die Konsequenzen zieht und abtritt.

    Ihm fehlt schlicht der Rückhalt, um eine neue, verschärfte Strategie zu beschließen und umzusetzen. Dass Aufsichtsratschef Schmittmann ebenfalls abritt, weil er Zielkes Kurs unterstützt hat und sich nicht wegducken will, ist ehrenwert und passt zu seiner geradlinigen Art.

    Schmittmann setzt sich damit beispielsweise von seinem Amtskollegen Paul Achleitner ab, der bei der Deutschen Bank mehrfach den Vorstandschef ausgetauscht hat, selbst jedoch im Amt geblieben ist.

    Für die Commerzbank ist der Doppelrücktritt dennoch bitter, denn nun entsteht ausgerechnet in der Coronakrise ein Machtvakuum an der Spitze. Das Institut muss jetzt schnellstmöglich einen neuen Aufsichtsratschef und einen neuen Vorstandsboss finden – und dann auch noch zeitnah eine neue Strategie verabschieden. Ein geordneter Übergang sieht anders aus.

    Klar ist jedoch schon heute, dass es harte Einschnitte geben muss. Es wäre allerdings falsch, bei der Diskussion über die Ausrichtung der Bank ausschließlich auf die Kosten zu schauen.

    Denn ohne ertragreiches Geschäft wird das Institut ebenfalls nicht überleben können. Die neue Commerzbank-Spitze wird deshalb als Erstes die Frage beantworten müssen, in welchen Bereichen das Institut künftig sein Geld verdienen will.

    Mehr: Die wichtigsten Fragen und Antworten nach dem Doppelrücktritt bei der Commerzbank.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Das Commerzbank-Beben ist ein Desaster für den Finanzplatz Deutschland"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist völlig richtig auf die Suche nach den Ursachen zu gehen. Dabei wurde aber nicht erwähnt, dass die Rahmenbedingungen für die gesamte Finanzwirtschaft bedingt durch die Politik der Bundesregierung und der EZB äußerst schlecht sind. Bedrängt durch die Zinspolitik der EZB und eingeengt durch unsinnige Regulierungen verkommen die Banken mehr und mehr zu Marionetten einer Art von öko-sozialistischer Planwirtschaft. Da ist es billig mit dem Finger auf die Führungsmannschaft zu zeigen. Die Bundesregierung hätte sich hinter die Führung stellen müssen. Stattdessen goutiert sie amerikanische Hire+Fire Politik.

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