Kommentar: Das Erfolgsmodell der deutschen Industrie weicht einer neuen Realität

Wer verstehen möchte, wie sich die wirtschaftliche Dynamik auf der Welt gerade verändert, sollte nicht zuerst auf Wachstumsraten schauen. Auch nicht auf die Inflation. Sondern auf die Containerschiffe.
In Rotterdam, dem größten Hafen Europas, sank die Zahl der transportierten Container in Richtung USA im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 23 Prozent. Im Hamburger Hafen berichten die Betreiber von einem Minus von 19 Prozent. Auch die Zahl der Europäer, die in die USA reisen, ist um einen zweistelligen Prozentsatz zurückgegangen.
Eine derartige weltweite Disruption hatte bislang nur das Coronavirus ausgelöst. Doch damals war der Einbruch temporär. Nun steht die Containerflaute für eine neue Weltordnung, die vor allem Deutschland spüren wird.
Das Zollabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA wirkt wie ein letzter Versuch, die alte Ordnung zu retten. Tatsächlich ist es eine Kapitulation Europas vor Donald Trump – und kein Kompromiss unter Partnern. Deutlicher hätte Brüssel seine strategische Schwäche kaum demonstrieren können. Daran ändert auch der Streit über Formulierungen und Detailfragen des Deals nichts – der keine 48 Stunden nach dem Treffen zwischen Ursula von der Leyen und Donald Trump in Schottland ausgebrochen ist.