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Kommentar Der Chefwechsel bedeutet eine strategische Zeitenwende für Siemens

Die Abspaltung des Energiegeschäfts ist Höhepunkt und Abschluss der Ära Kaeser. Sein Nachfolger Busch muss das verbliebene Unternehmen zusammenhalten.
30.09.2020 - 08:39 Uhr Kommentieren
Der scheidende Siemens-Chef und sein Nachfolger haben den Konzern in den vergangenen Jahren stark umgebaut. Quelle: Reuters
Joe Kaeser (l.) und Roland Busch

Der scheidende Siemens-Chef und sein Nachfolger haben den Konzern in den vergangenen Jahren stark umgebaut.

(Foto: Reuters)

Es ist die Woche des Umbruchs bei Siemens. Am Montag hat der Traditionskonzern sein Energiegeschäft an die Börse gebracht. Damit trennt sich Siemens nicht nur von gut einem Drittel seines Umsatzes, sondern auch von einem Teil seiner historischen Wurzeln. Und am Donnerstag übernimmt Vizechef Roland Busch die Verantwortung für das neue Geschäftsjahr. Die Ära von Joe Kaeser klingt dann noch ein paar Monate aus, ehe er den Vorstandsvorsitz Anfang kommenden Jahres offiziell abgibt.

Auch strategisch steht nun eine Wende an. Zwar hat Busch, erst als Strategiechef, dann als Vorstand und schließlich als Kronprinz Kaesers, die „Vision 2020“ mitverantwortet. Einen radikalen Kurswechsel wird es schon deshalb nicht geben. Doch verschiebt sich der Schwerpunkt.

Der Ex-Finanzer Kaeser hat viel Portfoliopolitik betrieben. Er hat den Geschäften mehr Eigenständigkeit gegeben, das Gesundheitsgeschäft und nun die Energietechnik an die Börse gebracht. Am Ende könnten drei Siemens-Ableger im Dax notiert sein.

Solche Neuaufstellungen unterliegen immer Modetrends. Mal sind Mischkonzerne angesagt, die konjunkturelle Schwankungen besser ausgleichen können. Zurzeit aber sind Spezialisten gefragt, Größe an sich ist kein Wert mehr. Bei diesem Trend in Richtung Fokussierung ging der Unternehmertyp Kaeser voran, andere – von Daimler bis Continental – folgten.

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    Siemens ist so unter Kaeser besser durch die vergangenen Jahre gekommen als andere. Das einstige große Vorbild General Electric ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Zwar steht Siemens nicht in allen Kennziffern viel besser da als bei Kaesers Machtübernahme. Auch der selbstbewusste CEO leistete sich Fehler – der teure Kauf des US-Kompressorenherstellers Dresser-Rand war einer davon. Doch ist Siemens bislang robust durch die Coronakrise gekommen.

    Die Gesamtbilanz der Ära Kaeser wird man erst mit deutlich mehr Abstand beurteilen können. Der Medizintechniksparte unter dem eher unglücklichen Namen Healthineers hat die Eigenständigkeit jedenfalls nicht geschadet, eher gutgetan. Die Abspaltung von Siemens Energy nun birgt große Chancen, aber auch Risiken. Das zeigte die erste vorsichtige Börsenbewertung von nur 16 Milliarden Euro – im Hause Siemens hatten manche auf 21 bis 22 Milliarden Euro gehofft.

    Die kommenden Jahre werden für Siemens Energy nicht leicht. Doch als eigenständiger Konzern, der sich selbst finanziert, gibt es zumindest wieder eine Zukunftsperspektive. Der Energiemarkt ist schwierig, weil stark von staatlicher Regulierung abhängig, doch wird er in den kommenden Jahrzehnten wachsen.

    Weder weitere Abspaltungen noch große Zukäufe sind für Busch eine Option

    Und Siemens? Der Wechsel von Kaeser zu Busch läuft derzeit harmonischer, als viele befürchtet hatten. Zwar muss der neue Chef Busch seine Macht konsolidieren; solche Übergänge lähmen Organisationen zeitweise, erst recht so politische Unternehmen wie den Siemens-Konzern. Doch gibt es bislang keine Querschüsse. Es ist zu hören, dass sich Kaeser im Vorstand und bei Aufsichtsratssitzungen zurückhält und Busch oft das Wort und die Führung überlässt. Der geordnete Übergang könnte gelingen. Es wäre der erste bei Siemens seit vielen Jahren.

    Busch aber steht vor einer schweren Aufgabe. Er muss die verbliebene kleinere Siemens AG nun zusammenhalten und ausbauen. Weitere Aufspaltungen, die Investoren immer mal wieder fordern werden, führen nur in die Marginalisierung.

    Quelle: Kostas Koufogiorgos
    Karikatur
    (Foto: Kostas Koufogiorgos)

    Es ist gut, dass die Bahntechniksparte – eher zufällig aufgrund eines Vetos der Wettbewerbshüter – noch immer zu Siemens gehört. Es ergibt Sinn, Züge zu bauen und dann die Daten aus dem Betrieb von rollendem Material und Signaltechnik zu nutzen. Zudem profitiert Siemens in der Konjunkturkrise von den langfristigen Bahn-Aufträgen. Auch Konglomerate haben ihre Stärken.

    In der Vorzeigesparte „Digitale Fabrik“ ist die starke Position bedroht. Neue Herausforderer wie Microsoft mit Azure drohen dem Automatisierungsweltmarktführer das Wasser abzugraben. Bei der „Intelligenten Infrastruktur“, dem zweiten großen Standbein, ist das Geschäft noch kleinteilig und der Softwareanteil zu gering.

    Um Lücken auszugleichen, kann Busch zumindest in den kommenden beiden Jahren kaum auf große Akquisitionen setzen. Den Spielraum hat ihm Kaeser mit seinem letzten großen Paukenschlag genommen: der 16-Milliarden-Übernahme des US-Krebstherapiespezialisten Varian. Angesichts der nun recht hohen Verschuldung warnen die Ratingagenturen vor weiteren Großeinkäufen.

    Die neue, fokussierte Siemens AG muss vor allem aus sich selbst heraus mit eigenen Innovationen wachsen. Der Ingenieur Busch, der auch ein Verständnis für die digitalen Wertschöpfungsketten hat, könnte der richtige Mann dafür sein.

    Mehr: Abspaltung von Siemens Energy: Ein Börsengang mit Risiken

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