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Kommentar Die Nähe zur Macht zahlt sich für Oracle aus

Beim Verkauf von Tiktok scheint mit Oracle ein unerwarteter Bieter zu gewinnen. Ohne Chinas Einfluss würde dieser Deal aber nicht zustande kommen.
14.09.2020 - 20:05 Uhr Kommentieren

Ob es dabei bleibt, kann noch keiner sagen. Der Verkauf von Tiktok in den USA ist kein normaler Deal, und Donald Trump ist kein normaler Präsident. Was also die Verhandlungen unter massivem Zeitdruck genau erbringen und was der sprunghafte Politiker davon halten wird, ist offen. Dass statt Microsoft aber Oracle die Kontrolle über die beliebte Videoplattform übernehmen soll, ist in dieser Geschichte, die sich vermutlich für eine Wirtschaftskrimiserie eignen dürfte, ein neuer unerwarteter Twist.

Das Finale ist noch nicht erreicht, die Lehre aus der Geschichte aber klar: Mit Exekutivverordnungen und Twitter prägt Trump im Alleingang Märkte, wie das Politiker sonst selten tun. Oracle könnte davon profitieren, um das eigene Cloud-Geschäft, dem es an Größe fehlt, zu stärken. Dass Gründer Larry Ellison und Chefin Safra Catz die Nähe des Präsidenten gesucht haben, schadet nicht. Ohne den Einfluss Chinas würde der Deal in dieser Form allerdings auch nicht zustande kommen.

Die Gründe für das politische Vorgehen gegen Tiktok wirken zwar fadenscheinig: Daten über amerikanische Nutzer kann China auf anderem Weg bequemer bekommen, im Zweifel bei einem Dienstleister, der Profile verkauft, wie es in den USA erlaubt ist – auch Oracle ist übrigens in diesem Geschäft tätig. Eher ein Risiko für die nationale Sicherheit scheint der Algorithmus zu sein, der die Auslieferung der Videos steuert und somit zumindest theoretisch für Desinformation missbraucht werden könnte.

In seiner Aggression gegenüber China differenziert Trump aber ohnehin nicht. Er tut fast alles, um Technologieunternehmen aus dem Reich der Mitte aus den USA zu verbannen, ob Huawei, Tencent oder eben die Tiktok-Mutter Bytedance. Für eine Demokratie ist das ohne Beispiel: Die Politik im Westen verhindert zwar immer wieder Übernahmen, etwa 2018 nach dem Gebot des Chipherstellers Broadcom für Qualcomm. Sie hat aber bislang noch nicht den Verkauf eines Geschäftes mit Millionen Nutzern erzwungen, indem sie einer Firma mit der Schließung droht.

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    In China sind Eingriffe in den Markt üblich, und so verwundert es nicht, dass das Regime den Verkauf des Vorzeigeunternehmens nicht einfach so zulassen will. Es hat kurzfristig neue Exportkontrollen eingeführt, die nach Einschätzung der Experten auch für Empfehlungssysteme wie den Tiktok-Algorithmus gelten dürften. Sprich: Bytedance darf das US-Geschäft nicht ohne Genehmigung aus Peking veräußern, zumindest nicht mit der Erfolgsformel, die die Nutzer so an die App fesselt.

    Sicherheit herrscht erst, wenn ein Vertrag unterzeichnet ist.

    Dass Bytedance Microsoft offiziell abgesagt hat, ist nur konsequent: Zum einen kann sich gerade ein chinesisches Unternehmen nicht den Vorgaben aus Peking verwehren, zum anderen dürfte das Management nicht erpicht sein, den wichtigen Algorithmus preiszugeben. Der amerikanische Softwarehersteller wollte jedoch Tiktok so vollständig wie möglich kaufen.

    Für Oracle ergibt sich daraus eine unerwartete Chance. Der Softwarehersteller ist zwar nach wie vor die Nummer eins bei Datenbanken und macht mit einem neuen Programmpaket für Unternehmenssoftware SAP Konkurrenz. Im Geschäft mit Infrastruktur aus der Cloud ist er jedoch abgehängt. Hier dominieren die Amazon-Tochter AWS und Microsoft. Oracle sortiert der Marktforscher Gartner bislang in der Kategorie „Sonstige“ ein.

    Dabei soll es nicht bleiben. Oracle-Gründer Larry Ellison, der als Technikvorstand und inoffizieller Co-Chef bis heute in einer operativen Rolle tätig ist, verspricht regelmäßig, dass er Marktführer AWS einholen wolle. Ob das realistisch ist, sei dahingestellt, jedenfalls hat der IT-Konzern in den letzten Jahren einiges getan, um ein wettbewerbsfähiges Angebot zu entwickeln. Ein Deal mit dem Videodienst Zoom bestätigt das.

    Eine Partnerschaft mit Tiktok passt zu dieser Strategie: Die Millionen Videos, die Nutzer bei dem Social-Media-Dienst abrufen, würden die Auslastung der Oracle-Rechenzentren auf einen Schlag enorm steigern und damit für dringend benötigte Kosteneffekte sorgen. Auch das Geschäft mit Nutzerprofilen könnte von einer Kooperation profitieren. Auf den eigentlichen Betrieb der Videoplattform samt der schwierigen Moderation von Inhalten kann der Konzern dagegen gut verzichten – dafür fehlt es ihm an Erfahrungen.

    Die Politik in den USA und China hat Oracle zur einmaligen Gelegenheit verholfen, das momentan wohl interessanteste Internetunternehmen zu übernehmen. Sicherheit herrscht aber erst, wenn ein Vertrag unterzeichnet ist. So gilt es, die US-Regierung von einer Konstruktion zu überzeugen, in der Bytedance weiter eine Rolle spielt, was den Forderungen einer vollständigen Abkopplung widerspricht.

    Für Larry Ellison könnte sich die Nähe zu Donald Trump auszahlen. Der 75-jährige Unternehmer gehört im Silicon Valley zu den wenigen Unterstützern des US-Präsidenten. Nun muss er dem „Deal-Maker“ erklären, warum seine Lösung die richtige ist. Ansonsten ist ein letzter Twist des Krimis denkbar: eine Absage des Geschäfts und womöglich die Schließung von Tiktok in den USA.

    Mehr: Oracle gewinnt offenbar Wettstreit um Tiktok.

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