Kommentar: Die Telekom hat ihre US-Tochter nicht richtig im Griff

Der Telekom-CEO ist seit dem Jahr 2013 Vorsitzender des Board auf Directors bei T-Mobile und damit Chefaufseher des Unternehmens.
Foto: action pressErneut musste die US-Tochter der Deutschen Telekom einen erfolgreichen Hackerangriff einräumen. Hacker konnten sensible persönliche Daten von mindestens 37 Millionen Menschen abgreifen. Das allein wäre schon schlimm genug. Die Situation bei T-Mobile US ist aber noch dramatischer.
Denn in den vergangenen fünf Jahren konnten bereits acht Mal Hacker erfolgreich in die Systeme des Unternehmens eindringen oder auf anderem Weg heikle Informationen abgreifen. Es geht nicht länger um einen schwerwiegenden Einzelfall. Vieles deutet auf ein systematisches Versagen hin.
Damit steht nicht nur das Management um CEO Mike Sievert in Bellevue in der Pflicht, sondern auch Telekom-Konzernchef Timotheus Höttges. Er steht dem Aufsichtsgremium vor und soll die Arbeit von T-Mobile US kontrollieren.
Nach jedem Skandal hatten Mike Sievert und sein Team Besserung gelobt. Aber vermutlich haben sie ihre Versprechen nicht ausreichend umgesetzt, und Höttges hat als Aufseher nicht umfassend genug nachgeprüft.
Das Problem zeigt sich auch an anderer Stelle: Eigentlich hat die Deutsche Telekom sich und allen ihren Landesgesellschaften strenge Datenschutzvorschriften auferlegt. Aber ausgerechnet die nach Umsatz, Gewinn und Kundenzahlen wichtigste Tochter in den USA hat die Vorgaben bis heute nicht ratifiziert.
Die Manager in Bellevue wollen sich nicht aus Bonn hereinreden lassen. Und Höttges lässt das zu. Beim Thema Datenschutz ist dieser fahrlässige Umgang besonders dramatisch. Schließlich hatte die Telekom selbst mit ihrer illegalen Überwachung von Management, Betriebsräten und Journalisten vor zwei Jahrzehnten einen der größten Skandale der deutschen Unternehmensgeschichte produziert.
Der Dax-Konzern verspricht seitdem, besonders verantwortungsvoll mit persönlichen Daten umzugehen. Die Skandale in den USA werfen jedoch die Frage auf, wieso wieder und wieder Hacker Daten abgreifen konnten und wieso die Telekom nicht genauer bei ihrer Tochtergesellschaft hinschaut.
Wachstum in den USA treibt den Konzern
Der Grund könnte mit dem ökonomischen Erfolg von T-Mobile zusammenhängen. Das Wachstum in den USA treibt den Konzern. Die US-Tochter liefert rund zwei Drittel des gesamten Umsatzes des Unternehmens und ist mittlerweile der wertvollste Mobilfunker der Welt. Das US-Geschäft ist wichtiger für die Telekom als alle anderen Märkte zusammen – inklusive Deutschland. Zudem sind die Margen in den USA deutlich höher als auf dem europäischen Mobilfunkmarkt.
Die Hackerskandale zeigen jedoch, dass es bei T-Mobile an einem funktionierenden Aufsichtssystem mangelt. Höttges sollte seiner Aufgabe als Chefaufseher endlich gerecht werden, damit nicht bald der nächste Skandal ansteht.