Kommentar: Die Wette auf den Erfolg der Stromsparchips ist riskant

Infineon hat im Frühjahr mit den Bauarbeiten begonnen.
Foto: IMAGO/Sylvio DittrichDas eine Werk ist noch nicht fertig, da bestellt Jochen Hanebeck bereits die Bauarbeiter für die nächste, fünf Milliarden Euro teure Fabrik: Der Infineon-Chef hat gerade angekündigt, in Malaysia den weltgrößten Produktionsstandort für Stromsparchips aus Siliziumkarbid (SiC) zu errichten.
Hanebeck geht eine hochriskante Wette ein, ist damit aber beileibe nicht allein. Selbst der deutsche Staat setzt Hunderte Millionen Euro ein in der Hoffnung, dass sich in ein paar Jahren genügend Kunden für das vielversprechende Chipmaterial finden lassen. Denn der Bund fördert eine neue SiC-Fabrik von Wolfspeed und ZF im Saarland. Auch die US-Regierung und andere westliche Nationen unterstützten neue SiC-Standorte, unter anderem von STMicroelectronics in Italien.
Es spricht zwar viel dafür, dass die Industrie SiC-Chips künftig in großem Stil einsetzt. Denn mit den innovativen Halbleitern lässt sich der Stromverbrauch deutlich senken. Das ist nicht zuletzt für Elektroautos wichtig, deren Reichweite dadurch steigt.
Trotzdem ist keineswegs sicher, dass sich die SiC-Fabriken von Infineon in Malaysia und Wolfspeed in Deutschland auch wirtschaftlich betreiben lassen. Denn weltweit entsteht eine ganze Reihe derartiger Werke, unter anderem in China.
Für die Volksrepublik hat SiC eine ganz besondere Bedeutung, ist es doch eine Technologie, die noch ganz am Anfang steht. Auf diesem Feld kann das Land von Beginn an vorn mit dabei sein. Bei anderen Chiptypen sind westliche Hersteller technisch viele Jahre voraus. Nicht so bei SiC. Hier bietet sich eine für China einmalige Gelegenheit, massiv zu investieren und den Weltmarkt eines Tages zu beherrschen.
China beherrscht Massenproduktion wie kein anderes Land
Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Wenn es ein Land auf der Welt gibt, das Massenproduktion zu konkurrenzlos niedrigen Preisen anbieten kann, dann ist es China. Die Photovoltaik ist das beste Beispiel dafür.
Infineon versucht sich gegen aufstrebende Konkurrenz aus China abzusichern, indem der Konzern für das neue Werk mit wichtigen Kunden langfristige Verträge abgeschlossen hat, unter anderem mit Abnehmern aus der Volksrepublik. Auch leisten diese künftigen Käufer Anzahlungen.
Wie viel diese Vereinbarungen in ein paar Jahren noch wert sind, lässt sich heute nicht sagen. Aber eines ist klar: Die westlichen Konzerne sollten ebenso wie die Regierungen, die das Geld der Steuerzahler einsetzen, genau im Blick behalten, was in China passiert. Sonst drohen teure Überkapazitäten.
Erstpublikation: 07.08.2023, 17:33