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Kommentar Diskussion um US-Zinsen: Die Trennung von Geldpolitik und Finanzpolitik ist eine Illusion

In den USA arbeiten Finanzministerin Yellen und Notenbankchef Powell fein aufeinander abgestimmt. Das entspricht den Anforderungen moderner Politik – ist aber in Europa nur schwer umsetzbar.
07.06.2021 - 15:17 Uhr 1 Kommentar
Die US-Finanzministerin hat früher die US-Notenbank geleitet. Quelle: action press
Janet Yellen beim G7-Treffen in London

Die US-Finanzministerin hat früher die US-Notenbank geleitet.

(Foto: action press)

Auf den ersten Blick mag erstaunen, dass die amerikanische Finanzministerin Janet Yellen sich immer wieder zu den Zinsen äußert. Schließlich gehört das Thema traditionell zur Geldpolitik, also in den Zuständigkeitsbereich der US-Notenbank (Fed) mit ihrem Chef Jerome Powell. Auf den zweiten Blick praktizieren die Amerikaner mit diesen Äußerungen Yellens aber etwas, was absolut zeitgemäß ist: eine feine Abstimmung zwischen Finanz- und Geldpolitik auf Augenhöhe.

Yellen und Powell kennen sich seit Jahren aus der Zeit, als Yellen selbst die Fed führte und Powell dort einer der Gouverneure war. Es ist kaum anzunehmen, dass die beiden sich ohne gegenseitiges Einverständnis über heikle Themen äußern. Im Gegenteil: Sie können sich die Bälle zuspielen.

Würde Powell öffentlich über Vorteile höherer Zinsen nachdenken, könnte das sehr starke Marktreaktionen auslösen. Dabei wollen ja eigentlich alle, auch die Investoren, zu normaleren Verhältnissen zurück. Sagt Yellen dasselbe, nehmen die Märkte es zur Kenntnis, aber die Reaktion fällt milder aus. Powell dürften die Bemerkungen seiner ehemaligen Chefin daher willkommen sein: Sie zeigen die Richtung an, ohne dass er selbst es tun muss.

Die Regierung hat Einfluss auf die Inflation

Diese Art von Zusammenarbeit ist das Gebot der Stunde. Schließlich hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die strikte Trennung von Geldpolitik und Finanzpolitik illusionär ist.

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    Die Frage, zu welchen Konditionen die Regierung sich finanzieren kann, hängt stark von den Anleihekäufen der Notenbank, also von der Geldpolitik, ab. Die Höhe der langfristigen Zinsen und der Inflation wiederum hängt davon ab, wie stark die Regierung sich verschuldet und wie viel zusätzliche Nachfrage sie produziert.

    Man kann der alten Arbeitsteilung nachtrauern, nach der die Regierung für ihre Ausgaben und deren Finanzierung und die Notenbank für Zinsen und Inflation jeweils allein und möglichst unabhängig voneinander zuständig waren. Aber diese alte Welt war von hohen Zinsen und hoher Inflation geprägt. Damals standen Finanz- und Geldpolitik oft im Konflikt zueinander. Heute ergänzen sie sich.

    Ob das immer so bleibt, ist ungewiss. Ob das amerikanische Experiment gelingt, mit starker Verschuldung und lockerer Geldpolitik die Wirtschaft unter Hochdruck zu setzen, ohne dass etwas schiefgeht – auch das ist offen. Aber das Team aus Yellen und Powell ist eine gute Besetzung, um diese Aufgabe zu lösen. In Europa ist das alles schwieriger: Der Europäischen Zentralbank stehen gleich 19 Finanzminister gegenüber.

    Mehr: Wie Yellen sich als Deal-Makerin bewährt

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Diskussion um US-Zinsen: Die Trennung von Geldpolitik und Finanzpolitik ist eine Illusion"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich lese zwischen den Zeilen:
      Die FED (Die Kreatur von Jekyll Island) ist nicht mehr unabhängig und war es vermutlich auch nie.

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