Kommentar: Mahnung für die Autobauer: Wer sich den Chipkonzernen ausliefert, hat verloren
Die Fahrzeuge werden zu rollenden Computern.
Foto: dpaIntel, Nvidia, Qualcomm: Die größten und wertvollsten Chipfirmen der Welt drängen verstärkt ins Geschäft mit der Autoindustrie. Die Gelegenheit ist günstig, denn die Türen in den Vorstandsetagen stehen den US-Unternehmen weit offen. Ob BMW, Mercedes oder Volkswagen – den Automarken fehlt das Know-how, um ihre Fahrzeuge in jene rollenden Computer zu verwandeln, wie sie Markt und Kunden in Zukunft nachfragen.
Kurzfristig haben die Autobauer daher keine Wahl, sie sind beim automatisierten und elektrischen Fahren auf die Halbleiterkonzerne angewiesen. Gleichzeitig aber müssen sie sofort damit beginnen, so viel Chipwissen wie es nur geht im eigenen Haus aufzubauen.
Verlassen sie sich dauerhaft auf die Halbleiterkonzerne, droht ihnen dasselbe Schicksal wie Computerherstellern und Handyproduzenten. Acer, Hewlett-Packard, Dell oder Lenovo waren einst angesagte Namen. In den Augen der Verbraucher sind die meisten PC-Produzenten inzwischen jedoch völlig austauschbar, weil sie alle dieselben Komponenten nutzen. Nicht viel anders sieht es bei den Mobiltelefonen aus.
Lediglich der iPhone-Hersteller Apple sticht aus dem Einerlei heraus. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Kalifornier im Gegensatz zur Konkurrenz frühzeitig und konsequent eigene Chips entwickelt haben. Die sind nicht nur leistungsfähiger als die Bauelemente von der Stange. Sie ermöglichen auch eine einzigartige Software.
Deshalb sollten sich die Autobauer ein Beispiel an Apple nehmen. Zug um Zug hat sich der Konzern aus dem Silicon Valley etwa vom einst zentralen Lieferanten Intel gelöst, dem führenden Prozessorhersteller für PCs und Notebooks.
Trotz gewaltiger Ressourcen hat das selbst bei Apple viele Jahre gedauert. Die Automarken dürfen deshalb jetzt keine Zeit mehr vergeuden. Zumal Elektroautopionier Tesla von Anfang an auf eigene Chipexpertise gesetzt hat – und damit der Konkurrenz davonfährt.