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KommentarPharmastandort Deutschland in Gefahr – Die Politik muss umdenken

Deutschland verliert als Forschungsstandort für die Pharmabranche an Bedeutung. Dabei braucht es nicht mal Milliardensubventionen wie bei Intel, um die Schlüsseltechnologie hier zu halten.Maike Telgheder 03.07.2023 - 19:14 Uhr
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Deutschland verliert als Forschungsstandort für die Pharmabranche an Bedeutung.

Foto: Anadolu Agency/Getty Images

Mit fast zehn Milliarden Euro plant der Bund den Bau der neuen Intel-Chipfabrik in Magdeburg zu fördern. Deutschland will sich so den Aufbau einer Schlüsseltechnologie sichern.

Die Pharma- und Biotechbranche in Deutschland liefert bereits Schlüsseltechnologie. Und die gute Nachricht ist: Sie muss gar nicht erst teuer aufgebaut werden – sie ist schon da. Das hat die Branche unter anderem in der Coronapandemie bei der Impfstoffentwicklung und -produktion unter Beweis gestellt.

Aber im welchem Umfang sich Pharma und Biotechnologie hier weiterentwickeln dürfen, ist noch nicht ausgemacht. Denn als Standort für Forschung und Entwicklung verliert Deutschland für die Branche zunehmend an Bedeutung, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Damit ist Deutschland auch als Standort für Zukunftsinvestitionen in Gefahr, wie das Beispiel Biontech belegt. Dass sich das Mainzer Unternehmen Anfang des Jahres entschieden hat, eine mehrjährige Forschungskooperation mit der britischen Regierung einzugehen, um personalisierte mRNA-Krebsimmuntherapien und Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten zu entwickeln, ist ein Alarmsignal.

Zwar investiert Biontech weiter kräftig in seine Werke in Mainz und Marburg. Aber die Wahl für den Aufbau der Krebsforschung fiel bewusst auf Großbritannien: Denn dort stehen die entsprechenden Gesundheitsdaten bereits zur Verfügung. Und Nationaler Gesundheitsdienst, akademische Forschungseinrichtungen, Aufsichtsbehörden und Privatsektor arbeiten Hand in Hand bei dem Ziel, dass Arzneimittel schneller zugelassen werden können.

Weniger Bürokratie, schnellere Prozesse

Weniger Bürokratie, schnellere Prozesse und eine verbesserte Datennutzung fordert die Industrie seit Jahren. Auch Merck-Chef Belén Garijo betont, wie wichtig es für die Unternehmen ist, Medikamente schnell zulassen und auf den Markt bringen zu können.

Realität in Deutschland aber ist, dass Pharmaunternehmen bei 54 Ethikkommissionen und 17 Datenschutzbehörden Unterlagen einreichen müssen, um eine klinische Studie durchzuführen. Das föderale System erweist sich als Hemmnis: Eine Harmonisierung und einheitliche Standards sind dringend notwendig, damit Deutschland es schaffen kann, beim Thema Forschung und Entwicklung wieder in die weltweite Spitzengruppe aufzuschließen.

Laut der Managerin seien schnelle Freigabeverfahren wichtig für ihr Unternehmen.

Foto: IMAGO/sepp spiegl

In Deutschland liegt das Augenmerk von jeher stark auf der größten deutschen Branche, der Automobilindustrie. Gemessen am Produktionswert erreicht die Pharmabranche mit rund 55 Milliarden Euro nur etwa ein Sechstel der Größe. Aber ihre Investitionsquote reicht mit einem Anteil von zuletzt 36 Prozent fast an die Werte der Autoindustrie heran.

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In Forschung und Entwicklung investierte die Pharmabranche in Deutschland zuletzt knapp neun Milliarden Euro und damit in etwa so viel wie die zweitgrößte deutsche Branche, der Maschinenbau. Es ist an der Zeit, dass auch die Politik die Chancen dieser Schlüsselbranche erkennt.

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