Kommentar: Schadenfreude über Chinas Konjunkturschwäche ist falsch

Der Parteichef und Präsident auf Lebenszeit hat alle Macht an sich gezogen, neigt zur Hybris und betreibt eine Re-Ideologisierung Chinas.
Foto: APKollabierende Immobiliengiganten, Deflationstendenzen, Überschuldung im Privatsektor – lange nicht war die ökonomische Lage der Volksrepublik so labil wie derzeit. Auch wenn die Nachrichten vom Tod des chinesischen Wirtschaftsmodells übertrieben sind, besorgniserregend sind die Entwicklungen allemal.
Das Problem: Niemand weiß die Dimension der aktuellen Krise wirklich einzuschätzen, was auch damit zusammenhängt, dass man den statistischen Daten aus China nicht so recht trauen kann. Auch deshalb nimmt die Nervosität an den Finanzmärkten zu.
Was sich mit einer bestimmten Gewissheit schon jetzt sagen lässt: Die Zeiten, in denen das Pekinger Politbüro die Konjunktur fast nach Belieben steuern konnte, sind vorbei. Die Zeiten, in denen China den Rest der Weltwirtschaft mit gigantischen Konjunkturprogrammen entlastete – wie zuletzt während der Finanzkrise – sie sind Geschichte.
China: Wirtschaftspolitischer Missbrauch rächt sich jetzt
Das Gegenteil ist der Fall: China ist zum Risikofaktor für die Weltwirtschaft geworden. Trotz aller Rückschläge – die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt trägt 2023 laut Prognose des Internationalen Währungsfonds immer noch ein Drittel zum globalen Wirtschaftswachstum bei.