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Kommentar Schließungen sind unausweichlich: Jetzt rächt sich die Langeweile im Einzelhandel

Corona bedeutet das beschleunigte Ende für viele etablierte Händler. Jetzt zeigt sich, was die Kunden im Lockdown vermisst haben – und wen nicht.
16.06.2020 - 17:34 Uhr Kommentieren
Die Kette wurde vor allem bei den jüngeren Käufern vom Internet ersetzt. Die Coronakrise könnte ihr nun das Genick brechen. Quelle: dpa
Warenhaus von J.C. Penney in New York

Die Kette wurde vor allem bei den jüngeren Käufern vom Internet ersetzt. Die Coronakrise könnte ihr nun das Genick brechen.

(Foto: dpa)

Kaufhäuser und Modeketten kränkeln schon lange. Die Pandemie bringt sie nun auf die Intensivstation. Mit der Coronakrise wird es früher als erwartet zu einer Auslese unter den Einzelhändlern jenseits der Lebensmittel kommen. In den meisten Fällen beschleunigt die Pandemie nur einen bereits vorhandenen Trend.

Langweilige Einzelhändler im Mittelfeld etwa steuerten schon vorher auf ihr Ende zu. Das Gleiche gilt für Ketten, bei denen sich Finanzinvestoren eingekauft und die Unternehmen mit Schulden überladen haben.

Immer mehr einst große Namen geraten in diesen Monaten in Schwierigkeiten. In Deutschland sind es bekannte Marken wie Esprit, Gerry Weber, S. Oliver oder Tom Tailor mit seiner Problemtochter Bonita. In den USA haben große Namen wie JC Penney, JCrew und die Edel-Kaufhauskette Neiman Marcus bereits Gläubigerschutz unter Chapter 11 beantragt.

Mit Corona saßen die Menschen auf einmal zu Hause und kauften nur noch das Nötigste. Viele warfen zum ersten Mal seit Langem einen gründlichen Blick in ihren Kleiderschrank und merkten, dass sie gar nichts Neues brauchen. Für das Homeoffice reicht das Sortiment allemal. Was man braucht, wird im Internet bestellt.

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    Was die Läden angeht, stellt sich dabei die entscheidende Frage: Vermissen die Menschen das Shopping? Die wenigsten sehnen sich wohl nach schlechter Luft, Dudelmusik und einem Überangebot an mittelmäßigen Kollektionen an langen Kleiderständern, wie sie die meisten Kaufhäuser ihren Kunden immer noch vorsetzen. Wenn überhaupt vermissen sie wohl eher die kleine, ausgesuchte Boutique, in der der vertraute Verkäufer ein Stück heraussucht mit den Worten: „Das könnte Ihnen gefallen.“

    In den USA ist der Kaufhauskonzern JC Penney ein Beispiel für die langweilige Mitte. Dessen Häuser standen weder für besonders günstige Preise noch für besonders luxuriöse oder interessante Mode. Damit wurde die Kette anonym und vor allem bei den jüngeren Käufern vom Internet ersetzt. Die Coronakrise könnte ihr nun das Genick brechen.

    Wer in der Coronakrise einkauft, der macht das meist virtuell. Hier zahlt es sich aus, wenn Unternehmen früh in ihren digitalen Auftritt und Verkauf investiert haben. Einzelhändler wie Otto, die früh das Onlinegeschäft entdeckt haben und auf ihrer Katalog-Erfahrung aufbauen können, stehen heute besser da. Andere etablieren sich mit direkter Werbung bei den Kunden, die nach Alternativen suchen. Wer jetzt seine Kunden online gut betreut, kann sie für die Zukunft gewinnen.

    Eins scheint unausweichlich: Die Ladenflächen werden schrumpfen. Auch Unternehmen wie die Zara-Mutter Inditex, die vor der Pandemie 80 Prozent ihrer weltweiten Umsätze in den Läden machte, überdenken wohl ihr Geschäftsmodell. In den USA ist die Verkaufsfläche der Einzelhändler laut dem renommierten Einzelhandelsberater Steve Dennis seit 1975 viermal so schnell gewachsen wie die Bevölkerung.

    Billigsegment wird stärker gefragt sein

    Die Zahl der Malls hat sich seit 1970 sogar vervierfacht, während die Bevölkerung nur um 60 Prozent gewachsen ist. Das alles passt nicht in eine Zeit, in der sich mit dem Internet noch ein weiterer Vertriebskanal aufgetan hat, der bald 20 Prozent der Umsätze erreicht.

    Ladenschließungen sind unausweichlich, und sie werden die langweilige Mitte treffen. Das Billigsegment wird dagegen mit der Coronakrise eher noch stärker gefragt sein. Schließlich sind vielerorts die Geringverdiener stärker getroffen als die Topverdiener, deren Aktiendepots in der Krise sogar noch zulegen konnten.

    Mit der Öffnung der Wirtschaft und einem potenziellen Impfstoff werden sich auch die Wohlhabenden wieder in die Läden trauen – wenn sie dort den entsprechenden Service geboten bekommen: besondere Kollektionen und Events. Shopping mit Terminvereinbarung und möglichst wenig anderen Einkäufern, wie es bei Luxusmarken wie Chanel oder Gucci schon heute möglich ist, wird auch im gehobenen Einzelhandel durchgespielt.

    Man mag einwenden, dass mit Neiman Marcus in den USA doch auch ein Luxusspieler getroffen wurde. Das stimmt. Neiman Marcus ist klar im oberen Segment positioniert und müsste damit theoretisch besser dastehen. Doch die Premiumkette, zu der auch die Edelkaufhäuser von Bergman Goodman gehören, hat mit einem anderen weitverbreiteten Problem zu kämpfen: den hohen Schulden, die ihm die Eigentümer aufgebürdet haben, um den Kauf zu finanzieren.

    Die Kaufhausgruppe hat bereits mehrere Inhaberwechsel hinter sich und gehört seit 2013 dem kalifornischen Finanzinvestor Ares und dem kanadischen Pensionsfonds CPP Investment Board. Die beiden haben Neiman für sechs Milliarden Dollar übernommen und ihm danach die Schulden aufgebürdet, für die jährlich hohe Zinszahlungen fällig sind.

    Dieses Geschäftsmodell funktioniert nur, solange stete Erlöse die Zinsen bedienen können. Kommt eine Krise, gerät es ins Stolpern. Vielleicht ist es gesund, dass auch das nun dank Corona deutlich wird.

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