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Kommentar Schweden sollte sich im Fall Volvo ein Beispiel an Deutschland nehmen

Der Autobauer Volvo gerät zwischen die geopolitischen Fronten. Großinvestor Geely will durchregieren. Schweden sollte sich gegen Chinas Expansionsdrang wehren.
16.06.2020 - 13:49 Uhr Kommentieren
Seit zehn Jahren befindet sich die Marke in chinesischem Besitz. Quelle: Reuters
Volvo-Autohaus in Brüssel

Seit zehn Jahren befindet sich die Marke in chinesischem Besitz.

(Foto: Reuters)

Schweden war zu Recht immer stolz auf seine Industrie. Ein verhältnismäßig kleines Land hat mit Ericsson, H&M, Ikea, Spotify, Volvo und anderen viele globale Konzerne hervorgebracht. Unternehmen, die heute jeder kennt, auch wenn nicht jeder weiß, dass sie ihren Ursprung im Norden Europas haben. Vielen unbekannt ist auch der chinesische Einfluss auf viele der schwedischen Unternehmen. Das hat jetzt die Kritiker auf den Plan gerufen – zu Recht.

In den vergangenen knapp 20 Jahren wurden 65 Unternehmen aus dem hohen Norden entweder ganz oder teilweise von chinesischen Investoren gekauft. Darunter finden sich bekannte Namen wie die Fashionfirma Acne Studios, aber auch Spotify. An dem schwedischen Streamingriesen hält die chinesische Tencent Holding immerhin knapp zehn Prozent. Doch für die meisten Schlagzeilen sorgte die Komplettübernahme von Volvo Cars durch den chinesischen Autohersteller Geely vor zehn Jahren.

Der Einstieg der Chinesen bei der Ikone der schwedischen Wirtschaft wurde damals begrüßt, befand sich doch Volvo nach Jahren des Missmanagements durch den US-Eigner Ford am Rande des Ruins. Mit frischem chinesischem Geld konnte der Stolz der Schweden gerettet werden. Mehr noch: Volvo ist heute eine profitable Marke, die sich nicht mehr hinter den Konkurrenten vor allem aus Deutschland verstecken muss.

Doch wurden die Chinesen zunächst als Retter gefeiert, sind in letzter Zeit immer mehr Zweifel an der Richtigkeit der Strategie aufgekommen, China den Einstieg auch in Schlüsseltechnologien zu ermöglichen. Vor allem, weil Geely-Hauptaktionär und Aufsichtsratschef Li Shufu angekündigt hat, Volvo Cars und Geely zusammenzulegen. Noch ist das nicht geschehen, doch die Sorgen am Hauptsitz in Göteborg wachsen.

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    Werden künftig die wichtigen Entscheidungen in China oder an der schwedischen Westküste getroffen? Wie kann ein Technologietransfer verhindert werden? Was ist mit den Arbeitsplätzen, wenn weitere Teile des Unternehmens nach China übersiedeln? Und ganz grundsätzlich: Sollten die wirtschaftlichen Beziehungen zu China weiter ausgebaut werden, obwohl sich die schwedische Politik über Menschenrechtsverletzungen im Reich der Mitte empört?

    Über eine Vetoschwelle, wie sie in mehreren Ländern bereits eingeführt wurde, wird diskutiert. Doch bislang ist nichts geschehen. Es wird höchste Zeit, dass auch Schweden dem Beispiel von Deutschland, Frankreich oder Großbritannien folgt und chinesische Aufkäufe vitaler Wirtschaftszweige überprüft und eventuell stoppt. Nicht erst seit der Coronakrise ist bekannt, dass es unverantwortlich ist, sich von einer staatlich gelenkten Volkswirtschaft abhängig zu machen.

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