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Kommentar Siegen lernen von Tesla: Die großen Autobauer müssen ihren Rückstand aufholen

Die etablierten Autobauer haben im Gegensatz zum Elektropionier Tesla zu wenig in Batterietechnik investiert. Das rächt sich nun bei Ford und BMW.
14.10.2020 - 15:49 Uhr 1 Kommentar
Die Amerikaner haben die Batterieentwicklung und die effiziente Produktion von Beginn an zur zentralen Aufgabe erklärt. Quelle: AP
Tesla-Batterie

Die Amerikaner haben die Batterieentwicklung und die effiziente Produktion von Beginn an zur zentralen Aufgabe erklärt.

(Foto: AP)

Es ist ein peinliches Eingeständnis. Kaum hat Ford seinen Hybrid Kuga auf dem Markt, da muss der Konzern die Produktion schon wieder stoppen. Einige Autos hatten sich dermaßen überhitzt, dass die Batterie in Brand geriet.

Nun erfahren die Besitzer der bislang 30.000 ausgelieferten Kugas, dass sie ihre Autos besser nicht mehr per Kabel laden, sondern wieder mit Benzinmotor fahren sollten. Warum die Batterie überhitzt, weiß Ford nicht. Bis die Autos repariert werden können, bekommen die Kunden Tankgutscheine.

Nicht nur Ford hat Probleme mit seinen Elektroantrieben. Auch BMW muss gerade weltweit mehr als 26.000 Autos mit Hybridantrieben wegen erhöhter Brandgefahr zurückrufen. Als Grund nennt das Unternehmen mögliche Unreinheiten im Produktionsprozess der Batteriezellen.

Anfang des Jahres ruhte zeitweise die Produktion des Audi „e-tron“, weil der Lieferant LG nicht ausreichend Batterien produzieren konnte. Auch Mercedes bekam monatelang nicht genug Speicher für seine Stromautos und kämpfte obendrein mit Qualitätsproblemen bei seinen Hybridantrieben.

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    Die Probleme treffen die Autoindustrie zur Unzeit: Getrieben von den EU-Klimazielen, geködert von massiven Förderprämien und gejagt vom Elektropionier Tesla, werfen die Autohersteller hastig neue Hybrid- und Elektromodelle auf den Markt. Aber deren Technik bräuchte wohl erst einmal mehr Probefahrten.

    Das gilt insbesondere für die zugekauften Energiespeicher, die den Verbrennungsmotor ganz oder teilweise ersetzen sollen. Hier zahlt die Autoindustrie den Preis der Abhängigkeit. Denn die Autohersteller erhalten ihre Batteriezellen von koreanischen und chinesischen Konzernen, die in Windeseile Fabriken in Polen und Ungarn bauen, um die heiß laufende Nachfrage zu bedienen.

    Die Autobauer sind auf Lieferanten aus Fernost angewiesen

    Die Europäer selbst beherrschen die Technik nicht. Das gilt insbesondere für die traditionellen Zulieferkonzerne Bosch und Continental, die den Einstieg in die Zelltechnik verpasst haben. Bleiben sie am Spielfeldrand, geben sie ein Feld auf, das rund ein Fünftel der Wertschöpfung eines Elektroautos ausmacht.

    Die Autohersteller sind nun auf branchenfremde Lieferanten aus Fernost angewiesen. Neben LG beherrschen Samsung aus Korea, Panasonic aus Japan und CATL aus China den Markt. Für die Asiaten brechen goldene Zeiten an. Denn die Elektromobilität steht erst am Anfang.

    Allein der Volkswagen-Konzern will in den nächsten zehn Jahren 70 Elektromodelle auf den Markt bringen. Mercedes und BMW gehen davon aus, dass schon 2025 jeder dritte Neuwagen ganz oder teilweise mit Strom fährt. Wenn die Autoindustrie heute ein paar Tausend Batterien braucht, dann sind es morgen schon zig Millionen.

    Batteriezellen sind aber keine einfachen Zulieferteile wie Stahl oder Gummi. Sie sind eine zentrale Komponente des Elektroantriebs. Batteriezellen müssen in großer Stückzahl und hoher Qualität hergestellt werden. Die jetzigen Lithium-Ionen-Speicher wurden einst für Laptops und Handys konzipiert und werden nun für Autos an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit getrieben. Sie optimal aufeinander abzustimmen, die Energieströme und die dabei anfallende Wärme zu managen, ist eine eigene Disziplin.

    Strategisch konsequent geht bislang nur Tesla vor. Die Amerikaner haben die Batterieentwicklung und die effiziente Produktion von Beginn an zur zentralen Aufgabe erklärt. Mit Panasonic hat Tesla zwar ebenfalls einen asiatischen Zulieferer an Bord, doch die beiden sind Partner auf Augenhöhe. Die Zellfabrik ist gleich auf die Autoproduktion abgestimmt, heute noch in Kalifornien und demnächst auch in Grünheide bei Berlin.

    Tesla optimiert seine Prozesse

    Während die Konkurrenz auf die Zellen ihrer asiatischen Lieferanten wartet, optimiert Tesla weiter die eigenen Prozesse, in enger Kooperation mit dem Batterie-Partner aus Japan. Denn die Fortentwicklung der Lithium-Ionen-Technik ist noch nicht zu Ende. Tesla-Gründer Elon Musk kündigte jüngst an, die Kosten der Batterie pro Kilowattstunde unter 100 Dollar zu drücken, vor zwei Jahren lag der Preis noch bei 150 Dollar.

    Zieht man die üblichen Übertreibungen ab, bleibt ein Vorsprung von etwa zwei Jahren, den selbst deutsche Automanager mittlerweile einräumen. Dabei sind die etablierten Autohersteller auf die Effizienzsprünge dringend angewiesen: Nur wenn die Batteriepreise stark fallen, sind für Mercedes, BMW und Volkswagen die Renditen der goldenen Verbrennerjahre jemals wieder zu erreichen.

    Deshalb müssen die Deutschen jetzt schnell Augenhöhe mit ihren Lieferanten erreichen. BMW und Mercedes haben Forschungslabore in Betrieb genommen und hoffen, genug Wissen aufzubauen, um so die asiatischen Lieferanten gegeneinander ausspielen zu können. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich im kommenden Jahr zeigen – wenn die beiden Premiumanbieter endlich ihre lange angekündigten Elektrooffensiven starten.

    Mit großen Hoffnungen blickt die europäische Autoindustrie auf Northvolt: Das schwedische Start-up soll ein Gegengewicht zu den asiatischen Lieferanten schaffen. Volkswagen, größter europäischer Autoproduzent, hat sich an dem Unternehmen beteiligt und will nun mit Northvolt zusammen eine Zellfabrik in Salzgitter bauen. Ein Schritt, den andere Autohersteller ebenfalls erwägen sollten.

    Mehr: „Die Entwicklung geht zulasten der Verbrenner“: BMW trennt sich schneller von Diesel und Benzin

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    • Global billigst Schlüsseltechnologie einzukaufen statt selbst zu forschen und zu entwickeln, scheint nicht nachhaltig zu funktionieren. VW, Daimler und BMW - mit Unterstützung der Medien wie Handelsblatt - sollten mehr an den heimischen Markt denken. Ja, auch sich wieder rückbesinnen: Forschen und Entwickeln. Mehr Lust auf Zukunft haben statt DAX-Jagd-Frust?

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