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Kommentar zum FachkräftemangelDie Enttäuschung ist vorprogrammiert

Mit einer neuen Strategie wirbt die Regierung um indische Fachkräfte. Dabei steht sich Deutschland selbst im Weg – nicht nur wegen der fehlenden Willkommenskultur.Clara Thier 22.10.2024 - 07:40 Uhr
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Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, tauscht sich am Rande eines Cricket-Spiels im Berliner Olympiapark mit Inderinnen und Indern über die Integration von indischen Fachkräften aus. Foto: DPA

Deutschland braucht Fachkräfte, und zwar viele und möglichst schnell. Deshalb wirbt Hubertus Heil aktuell für seine neue Fachkräftestrategie, mit der er arbeitswillige Inder und Inderinnen von Mumbai nach München bringen will.

Sich auf Indien zu fokussieren ist clever: Eine Million Menschen kommen dort jeden Monat neu auf den Arbeitsmarkt, aber im Heimatland mangelt es an ausreichend guten Jobs. Die meisten, die auswandern, sind hochqualifiziert, viele aus der IT-Branche. Aber auch immer mehr Pfleger und Pflegerinnen kommen von dort.

Jedoch tut Deutschland zu wenig dafür, diese Menschen auch zu halten. Es gibt keine Willkommenskultur. Der schöne Schein vom Einwanderungsland trügt.

Ausländische Fachkräfte bekommen in Deutschland nichts geschenkt

Schon die bürokratische Vergabe von Visa zieht sich hin. Das soll in Zukunft schneller werden. Für ein Visum brauchen die meisten Inder zunächst einen Arbeitsvertrag. Hier lauert die nächste Hürde: Viele deutsche Unternehmer wollen immer noch keine Arbeitnehmer, die nur Englisch können, aber noch kein oder wenig Deutsch.

Doch Zeiten ändern sich. Wer Integration will, der muss sich selbst darum kümmern. Wie wäre es, wenn Arbeitgeber Deutschkurse vermitteln und nebenbei auch ihr eigenes Englisch aufpolieren würden?

Diejenigen, die sich dennoch für Deutschland entscheiden, werden vom deutschen Wohnungsmarkt enttäuscht. Jede zweite ausländische Fachkraft wird benachteiligt, wenn sie eine Wohnung mieten oder ein Haus kaufen will. So kann sich niemand gut einleben.

Die Migrationsdebatte schreckt Fachkräfte ab

Die aktuelle Migrationsdebatte dürfte die Inder und Inderinnen noch weiter abschrecken, zu Recht. Zwar möchte die Politik gern zwischen „guten“ und den „schlechten“ Ausländern unterscheiden – aber so einfach ist das nicht. Auch Inder und Inderinnen lesen Nachrichten. Sie wissen, welche Parteien gegen Migranten und Migrantinnen hetzen.

Dabei hätte Deutschland aus seiner Geschichte mit mehreren Generationen an Gastarbeitern längst lernen müssen: Wenn man Arbeitskräfte ruft, dann kommen Menschen. Und die wollen vielleicht lieber Cricket statt Fußball spielen.

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Erstpublikation: 19.10.2024, 16:04 Uhr.

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